Hilfswerk von Abtreibungsgegnern setzt Gütesiegel aufs Spiel

Die Werbung von Abtreibungsgegnern in Bernmobil-Bussen wird abmontiert. Zu Unrecht, monieren die Werbenden, man habe als Hilfswerk ein Gütesiegel. Dieses dürfte aber bald entzogen werden.

Wie lange darf die Schweizerische Hilfe für Mutter und Kind auf ihrer Homepage noch mit dem Zewo-Zertifikat werben?

Wie lange darf die Schweizerische Hilfe für Mutter und Kind auf ihrer Homepage noch mit dem Zewo-Zertifikat werben? Bild: Screenshot

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Die Schweizerische Hilfe für Mutter und Kind (SHMK), die zuletzt mit ihren in Bussen von Bernmobil ausgehängten Plakaten für Irritationen sorgte, droht das Zewo-Gütesiegel zu verlieren. Die Zewo ist eine unabhängige und anerkannte Stiftung, die gemeinnützige, Spenden sammelnde Organisationen zertifiziert.

«Verletzen die Würde betroffener Frauen»

Im Zuge des alle fünf Jahre anstehenden Rezertifizierungsprozesses habe man im vergangenen Dezember auf der SHMK-Webseite ethisch fragwürdige Inhalte festgestellt, sagt Martina Ziegerer, Geschäftsleiterin der Zewo auf Anfrage von DerBund.ch/Newsnet: «Manche der Inhalte und Aussagen zum Thema Abtreibung verletzen die Würde der betroffenen Frauen». Auf der Homepage finden sich dezidiert abtreibungskritische Beiträge. «Eine Abtreibung führt dazu, dass die Frau, Mutter eines lebenden Kindes, zur Mutter eines getöteten Kindes wird», heisst es da etwa. «Die Abtreibung kann man nicht mehr rückgängig machen. Sie löst die Probleme nicht, sondern vergrössert und vermehrt sie.»

Man habe der SMHK daraufhin eine Frist bis zum 15. Dezember 2013 gesetzt, um die beanstandeten Inhalte zu entfernen. Nachdem dies nicht geschehen sei, habe man eine Nachfrist bis zum 15. Januar gewährt.

Nachfrist verstreichen lassen

Auch diese Frist ist inzwischen abgelaufen, die beanstandeten Inhalte sind gemäss Ziegerer aber noch immer aufgeschaltet. Im Ausschuss des Zewo-Stiftungsrats werde Ende Januar über den Fall beraten. Zu möglichen Entscheiden will Ziegerer keine Prognose machen. Im Normalfall werde aber bei Nichterfüllung einer Auflage das Gütesiegel entzogen. Ziegerer betont, dass bei der Zewo bisher kaum Beschwerden über die SHMK eingegangen seien.

Die in Bern ausgehängten Plakate beurteilt sie selbst derweil kritisch. Es könne der falsche Eindruck entstehen, dass eine neutrale, ergebnisoffene Beratung angeboten werde.

Bei der SHMK war am Freitag niemand für eine Stellungsnahme erreichbar. Am Donnerstag hatte Stiftungsratspräsident Dominik Müggler die Zewo-Zertifizierung gegenüber DerBund.ch/Newsnet als Beweis für die Seriosität und Neutralität seiner Organisation angeführt. Dies, nachdem Bernmobil angekündigt hatte, die Werbeplakate der SHMK abzumontieren. Diese würden gegen die Richtlinien des Transportunternehmens verstossen, die keine politische Werbung zuliessen.

Auf den Plakaten wurde schwangeren Frauen, die sich in einer Notlage befinden, Hilfe angeboten. Um diese zu erhalten, konnten die Betroffenen wahlweise auf eine Gratistelefonnummer anrufen oder die von der Zewo-Stiftung beanstandete Webseite besuchen. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 18.01.2014, 11:41 Uhr

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Aus der Sicht der Sozialen Arbeit

Kann, wer dezidiert gegen Abtreibungen eintritt, schwangere Frauen überhaupt neutral beraten und unterstützen? Nein, findet Stéphane Beuchat, Co-Geschäftsleiter von Avenir Social, Soziale Arbeit Schweiz. Schwangere Frauen würden ansonsten für eine Ideologie instrumentalisiert. Bei der Sozialarbeit müsse der Mensch mit seinen Bedürfnissen im Vordergrund stehen, die Lösungen gemeinsam mit den Klientinnen erarbeitet werden. Beuchat findet es zudem unlauter, wenn für Hilfesuchende nicht klar ersichtlich ist, wer hinter der angebotenen Hilfe steht.

Dieses Plakat sorgt für Irritationen. (Bild: bwg)

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