Hilfswerk erhielt prominente Unterstützung

Die Aktion «2 x Weihnachten» sammelt Hilfsmittel für Bedürftige. Für den Endspurt wurden über 30 Promis angeheuert.

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Martin Erdmann@M_Erdmann

Rapper Greis hält gerade eine Packung Damenstrümpfe in der Hand. Unter seinem Arm klemmt ein oranger Einkaufskorb. Er befindet sich nicht etwa in einem Supermarkt, sondern in der Lagerhalle des Schweizerischen Roten Kreuz (SRK). Zusammen mit weiteren Promis aus Kultur, Sport, Wirtschaft und Politik sortiert Greis eingegangene Spenden der Aktion «2 x Weihnachten».

«Es lässt sich vergleichen mit der Arbeit eines Velokuriers», sagt der Musiker. Man müsse sich zuerst eine Route zurechtlegen, bevor man die Spendeartikel in die richtige Warenkiste legt. Greis empfindet die Spendemenge als respekteinflössend. «Spenden erfordert grosse Überwindung. Viele schmeissen Dinge weg, die man noch gebrauchen könnte.» Er selber habe das auch schon gemacht. Dabei kennt er Armut nur zu gut: «Ich lebte selber lange am Existenzminimum.»

Nicht jede Spende ist willkommen

Beim Eingang der langgezogenen Lagerhalle ist das Förderband. Dort werden die Spendepakete geöffnet, die von der Schweizer Post kostenfrei an das SRK geschickt wurden. Die Aktion dauert noch bis zum 12. Januar. «Bis jetzt sind rund 50'000 Pakete bei uns eingegangen», sagt Josef Reinhardt, der das Projekt leitet. Doch nicht jede Spende ist nützlich. «Fünf bis sieben Prozent sind Abfall – zum Beispiel abgelaufene Lebensmittel oder nicht mehr brauchbares Spielzeug.»

Unbrauchbare Spenden auszusortieren ist nur ein Teil der Aufgaben, für welche die Promis zuständig sind. Lebensmittel müssen nach Ablaufdatum sortiert werden. Je länger sie halten, desto weiter weg werden sie verschickt: Was am längsten essbar ist, kommt ins Ausland, der Rest bleibt in der Schweiz. Alles, was vor dem 3. April abläuft, landet bei der Gassenküche. Doch nicht nur Esswaren müssen sortiert werden, sondern auch Spielzeuge, Hygiene- und Elektroartikel sowie Bücher.

Schenker-Mentalität

Gemeinderätin Franziska Teuscher lässt sich bei der Sortierarbeit Zeit. «Es wäre doch peinlich, wenn abgelaufene Ware ausgeliefert werden würde.» Die Aktion hat es ihr angetan. «Ich finde es wichtig, einen Beitrag gegen die Armut zu leisten.» Sie sei sowieso eine Person, die lieber gibt als nimmt. «Ich verpacke gerne Geschenke, da kann man kreativ sein.»

Auch Stadtpräsident Alexander Tschäppät scheint zur spendablen Sorte zu gehören, wobei er nicht abstreiten will, dass es schon «fägt», ein schönes Geschenk zu bekommen. «In meinem Alter ändern sich die Werte. Materielle Dinge werden immer weniger wichtig.» Die Spendeaktion findet er «typisch schweizerisch». Die Menschen hätten auch einfach Geld spenden können. «Doch sie haben sich die Mühe gemacht, extra Sachen zu kaufen und einzuschicken.» Das habe auch mit Misstrauen zu tun. Bei Geldspenden wisse man nie, wie viel schlussendlich für den ursprünglichen Zweck ausgegeben wird. Tschäppät selber gibt jedoch keine Sachspenden ab, sondern nur Geld. «Ich habe genug Vertrauen in die Hilfswerke.»

Die Freiwilligen bleiben

André Marty hat Armut und Leid schon mit eigenen Augen gesehen. Als Nahost-Korrespondent des Schweizer Fernsehens hat er einiges erlebt. Das hat den heutigen Deza-Mitarbeiter geprägt. «Wir müssen uns bewusst sein, dass wir Westeuropäer in einer unglaublich privilegierten Welt leben.» Doch auch die Schweiz sei von Armut betroffen. «Auch bei uns leben nicht alle in einer Armani-Realität.» Daher ist er froh über die vielen Spenden. Das zeigt, dass einige Leute «etwas weiter denken.» Dennoch stimmt Marty die grosse Spendemasse nachdenklich. «Das macht klar, in welch einem Überfluss wir leben.»

Nach einer knappen Stunde ist der Promianlass vorbei. Die Halle leert sich. Zurück bleiben die freiwilligen Helfer. Unter ihnen ist Markus Jungo. Er stellt der Aktion bereits das vierte Mal seine Dienste zur Verfügung. Während einem Tag pro Woche überprüft Jungo Elektrogeräte auf deren Funktionstüchtigkeit. Heute Morgen hat er ein fast neues Keyboard gefunden. Wegen solchen Momenten kommt Jungo hierher. «Der Gedanke daran, dass mit einem solchen Instrument vielleicht ein Kind lernt, Klavier zu spielen, ist wunderschön.» Nächstes Jahr will er wieder dabei sein.

DerBund.ch/Newsnet

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