«Hier ist es unglaublich gefährlich»

Tramgegner fordern den Bau von Velobahnen. Die Verkehrsplaner in Bern und Ostermundigen sehen den Ausbau des Velonetzes bereits auf dem richtigen Weg. Der «Bund» hat die Pendlerrouten zwischen Ostermundigen und Bern getestet.


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Sie kämpfte erfolgreich gegen das Tram nach Ostermundigen. Nun «fordert» die IG Tram Region Bern in einem Communiqué den Bau von sogenannten Velobahnen zwischen Köniz respektive Ostermundigen und Bern. Folgt nach dem Scheitern des Trams Region Bern nun die Fahrradoffensive? Karl Vogel, neuer Stadtberner Verkehrsplaner, sagt, der Ausgang der Abstimmung ändere wenig an der Berner Mobilitätsstrategie. Die Förderung des Fuss- und Veloverkehrs sei bereits jetzt ein wichtiger politischer Auftrag.

«Es laufen diverse Projekte, um schnellere, attraktivere und sicherere Veloverbindungen anbieten zu können.» Vogel erwähnt die geplante Velobrücke zwischen der Lorraine und dem Länggassquartier und das Anbringen roter Fahrbahnmarkierungen, welche die Sicherheit für Velofahrer erhöhen sollen. Velobahnen, in denen die Fahrradstreifen über weite Strecken gänzlich getrennt vom motorisierten Verkehr geührt werden, seien bisher aber nicht geplant, so Vogel.

Schwachstellen gefunden

Von Velobahnen habe er noch nie etwas gehört, sagt denn auch Mario Rech, der sich umfassend mit dem Veloverkehr beschäftigt hat. Als Leiter des Tiefbauamts Ostermundigen hat er in den letzten Monaten ein kommunales Velokonzept ausgearbeitet, das im Dezember im Grossen Gemeinderat behandelt wird. Gemäss Rech wurde im Konzept nach Schwachstellen im Velonetz gesucht – und sie wurden durchaus auch gefunden, wie er zugibt. Damit bestätigt er die Eindrücke des «Bund», der die direktesten Velorouten zwischen Ostermundigen-Rüti und Bern getestet hat.

Schlaglöcher und Baustellen

Zu Beginn kann man es erst einmal sausen lassen: Die gut 40 Höhenmetervon Rüti zur Bernstrasse sind schnell zurückgelegt. Während der rasanten Talfahrt sollte man jedoch die sich bietende Fernsicht auf Ostermundigen und die Stadt Bern nicht zu ausgiebig geniessen: Es lauern Schlaglöcher. In der Gegenrichtung dürfen Velofahrer hier, wie auch an einigen Stellen entlang der Bernstrasse, das Trottoir benutzen. Der Bernstrasse folgt man bis zur Unterführung beim Ostermundiger Bahnhof.

Die Strasse heisst zwar immer gleich, ihre Breite ändert sich dagegen ständig, ebenso das Vorhandensein eines Velostreifens. Beides trägt wenig zur Erhöhung der Sicherheit der Velofahrenden bei. Da die Bernstrasse im Rahmen des Trams Region Bern hätte saniert werden sollen, ist sie im neuen Velokonzept noch gar nicht enthalten.

Bei der Einmündung der Ahornstrasse sind zwei Gemeindearbeiter gerade dabei, eine neue Verkehrsinsel mit gelber und schwarzer Farbe zu bemalen. Ob auch die vergilbte Bodenmarkierung ersetzt wird, welche abbiegende Autofahrer auf die dorfauswärts pedalenden, vortrittsberechtigten Velofahrer aufmerksam machen soll, wissen die beiden nicht. Nötig wäre es aber, inden die beiden Arbeiter: «Hier ist es zurzeit unglaublich geährlich.»

Ab jetzt in Varianten

Galt es bis zum Bahnhof Ostermundigen, den Weg um Schlaglöcher zu finden, bieten sich für die Weiterfahrt Richtung Bern nun unterschiedliche Routen an. Beispielsweise jene entlang der Schermenstrasse zur Wankdorf-Kreuzung und von dort über das Wylerquartier und die Lorraine zum Berner Bahnhof. Die Strecke ist meist gut ausgebaut. Zwischen den vielen, in die Beschleunigungsspuren der Autobahnen A1 und A6 einbiegenden Autos, fühlt man sich als unmotorisierter Verkehrsteilnehmer aber doch etwas exponiert und deplatziert.  Eine weitere Möglichkeit, um nach Bern zu gelangen, besteht darin, der Buslinie 10 zu folgen. Auf der Ostermundigenstrasse geht es während der Stosszeiten aber beinahe so gedrängt zu und her wie im Innern der Busse. Eine mitten auf dem Radstreifen platzierte Kleinstbaustelle zwingt zudem zu einem Ausweichmanöver auf die Fahrbahn – für gemächlichere Velofahrer ein Problem. Auf der Höhe Galgenfeld zeigt sich, dass zwischen den eng gepflanzten Baumreihen auch ohne Tram nur wenig Platz ür den Verkehr bleibt. Das erlaubte Ausweichen auf das schmale, holprige Trottoir stellt keine echte Alternative dar.

Mittendurch: Weg gesperrt

Wählt man den Weg «mittendurch», bietet sich beispielsweise folgende Variante an: Der enge Zentweg kann grösstenteils im Quartier umfahren werden – dessen bei viel Verkehr heikle Einmündung in die Bolligenstrasse über die Brücke zwischen der Kleinen und der Grossen Allmend. Auf dieser herrscht aber leider ein völliges Fahrverbot; Eisenketten machen die Benutzung auch für jene, die ihr Velo stossen, nicht sonderlich attraktiv. Die Situation auf dem nördlichen Ast der von Bäumen gesäumten Bolligenstrasse ist derweil ähnlich ungemütlich wie jene auf der Ostermundigenstrasse. Entlang des Beundenfelds, wo die Bolligenstrasse für den motorisierten Verkehr gesperrt ist, sind die Verhältnisse dagegen ideal. Dieser Streckenabschnitt dürfte für manch einen Velopendler der einzige Höhepunkt auf seinem Arbeitsweg sein.

Kennen Sie noch weitere gefährliche Stellen auf dem Weg von Ostermundigen nach Bern? Tragen Sie Ihre Erfahrungen in die Kommentare ein. (Der Bund)

Erstellt: 01.10.2014, 07:02 Uhr

Die getesteten Routen

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