«Gute Ideen hängen nicht nur am Geld»

Mut und Abenteuerlust seien nicht beim Gesetzgeber, sondern bei den Kulturschaffenden gefragt, sagt Kulturdirektor Bernhard Pulver. Gestern zeigte er auf, wie er künftig die Kultur fördern will.

«Ich versuche lediglich, Stabilität zu garantieren», sagt Kulturdirektor Bernhard Pulver (Grüne), flankiert von Kulturamtsleiterin Anita Bernhard. (Valérie Chételat)

«Ich versuche lediglich, Stabilität zu garantieren», sagt Kulturdirektor Bernhard Pulver (Grüne), flankiert von Kulturamtsleiterin Anita Bernhard. (Valérie Chételat)

Reto Wissmann@RetoWissmann

Herr Pulver, welches subventionierte Kulturangebot haben Sie als Letztes genossen?
Die James-Cook-Ausstellung im Historischen Museum Bern.

Der Kanton Bern fällt bezüglich Kulturausgaben im Vergleich zu anderen grossen Kantonen ab. Wie beurteilen Sie das Angebot aus der Sicht des Kulturkonsumenten?
Insgesamt als sehr gut und vielfältig.

Und aus Sicht des Politikers?
Als Kulturdirektor würde ich gerne noch viel mehr tun für die Kultur. Manchmal staune ich, wie schwer es Kulturausgaben in den politischen Gremien haben. Schliesslich ist es etwas vom Essenziellsten im Leben, sich mit Kunst auseinanderzusetzen. Finanzpolitisch sind wir aber tatsächlich nicht in der Lage, ganz vorne mitzumischen. Doch gute Ideen hängen nicht nur am Geld.

Konkret heisst das: Mehr Geld für die Kultur wird es nicht geben.
Ja, ich sehe derzeit nicht, dass wir den Kulturetat aufstocken können. Es gibt zwar noch einige Finanzierungslücken zu schliessen, etwa beim Zentrum Paul Klee. In der derzeitigen Lage können wir aber froh sein, wenn wir das aktuelle Angebot aufrechterhalten können.

Mit dem neuen Kulturförderungsgesetz stellen Sie das ganze Kulturangebot auf eine neue Basis. Wird das der Konsument merken?
Wir wollen zum Beispiel die Kulturvermittlung ausbauen, was vor allem die kleinen Kulturkonsumenten merken werden. Ansonsten ändert gegen aussen wenig. Wir sichern jedoch das aktuelle kulturelle Angebot ab – was für den Konsumenten auch schon etwas ist.

Bringt das neue Gesetz denn den Kulturtreibenden und den Kulturinstitutionen etwas?
Ja, hier ändert sich mehr. Wir haben beispielsweise die Kriterien geklärt, nach denen wir Unterstützungsbeiträge vergeben, und wir verbessern die soziale Sicherheit der Kulturschaffenden. Ausserdem vereinfachen wir die Steuerung der Institutionen.

Kritiker bemängeln, die neue Kulturförderung sei nicht innovativ und setze keine Schwerpunkte.
Ich will eine stabile und gute Basis für die Förderung legen, dies ist tatsächlich nicht sehr aufregend. Mut und Abenteuerlust sind bei den Kulturschaffenden gefragt. Ich bin nicht derjenige, der kulturelle Abenteuer auslösen soll, sondern ich versuche, Stabilität zu garantieren.

Sie sagen es selber: Das neue Gesetz ist nicht sehr aufregend. Dennoch war es eine ziemliche Zangengeburt, an der sich schon Ihr Vorgänger Mario Annoni versucht hatte. Warum ist das so schwierig?
Das Verhältnis zwischen Politik und Kultur ist sehr spannungsgeladen. Das hat auch mit der Rolle der Kultur zu tun, die uns infrage stellen und herausfordern soll. Ausserdem gibt es vonseiten der Politik ein gewisses Misstrauen, dass die Kulturinstitutionen zu wenig betriebswirtschaftlich denken. Wir haben in den letzten Jahren daran gearbeitet, das Verhältnis zwischen Kultur und Politik zu klären und Vertrauen zu schaffen – sind aber immer noch nicht am Ziel.

Es gilt auch Misstrauen abzubauen, wonach die Politik lediglich Kultur unterstützt, die von einem Teil der Bevölkerung als «elitär» bezeichnet wird. Bringt das neue Gesetz auch der Volks- und Laienkultur etwas?
Das ist eine alte, aber nichtsdestotrotz berechtigte Diskussion. Der grösste Teil der Gelder geht an die grossen, etablierten Institutionen. Es gibt aber auch sehr viel Unterstützung für Volks- und Laienkultur. Ein gewisser professioneller Anspruch ist aber Voraussetzung. Daran halten wir auf jeden Fall fest.

Der Kanton subventioniert künftig das Zentrum Paul Klee, das Kunstmuseum Bern und das Freilichtmuseum Ballenberg alleine. Die anderen müssen sich weiter mit mehreren Geldgebern abmühen. Entsteht eine Zweiklassengesellschaft?
Teilweise ja. Die drei Institutionen mit nationaler Ausstrahlung erhalten eine einfachere Steuerung. Für die anderen verbessert sich diesbezüglich wenig. Bei der Unterscheidung in nationale und regionale Institutionen geht es aber nicht um die Qualität des Angebots, sondern um die geografische Ausstrahlung.

Wie wollen Sie Ihren Spielraum bei den einmaligen Unterstützungsbeiträgen künftig nutzen?
Wir wollen vermehrt Akzente setzen. Im Bereich Tanz- und Theaterpädagogik haben wir dies bereits gemacht. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Filmförderung. Damit können wir das reiche Filmschaffen im Kanton Bern erhalten.

Kulturvermittlung für Kinder und Jugendliche liegt Ihnen offenbar am Herzen. Der Grosse Rat hat jedoch Ihr Projekt Bildung und Kultur massiv zusammengestrichen. Bleibt dennoch etwas übrig?
Auf jeden Fall. Das Projekt Bildung und Kultur bringt den Schulen sehr viel. Und im Rahmen der Kulturförderung werden Museen, Theater oder Orchester im Kanton Bern angehalten, Kulturvermittlungsprojekte auszuarbeiten.

Der Bund

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