«Gröibschi», «Gigetschi» oder «Bütschgi»

An der Ausstellung «Sapperlot! Mundarten der Schweiz» in der Schweizerischen Nationalbibliothek werden die offiziellen Schweizer Sprachen und Dialekte hörbar gemacht. Wer will, darf seine eigene (Ton-)Spur hinterlassen.

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Es sind frustrierende Momente: Dann nämlich, wenn sich Schweizerinnen und Schweizer grosse Mühe geben, ein möglichst «echtes» Hochdeutsch zu sprechen und dann vom deutschen Gegenüber hören müssen: «Ihr Schweizerdeutsch verstehe ich bestens.» Dabei würde sich noch manch ein Deutscher wundern, wenn er erst einen richtigen Schweizer Dialekt hören würde.

Wie vielfältig unsere Sprache ist, wird an der Ausstellung «Sapperlot! Mundarten aus der Schweiz», die heute in der Schweizerischen Nationalbibliothek in Bern eröffnet wird, gezeigt. Neben den Deutschschweizer Dialekten wird auch auf die anderen Landessprachen eingegangen.

Hörbare Dialekte

Mit der Ausstellung wolle die Nationalbibliothek einen Diskussionsbeitrag zur Bedeutung der Dialekte leisten, sagt Direktorin Marie-Christine Doffey. Weltweit würden immer mehr Dialekte und auch ganze Sprachen verschwinden, was sie sehr traurig stimme. Allerdings gehe es bei der Ausstellung «Sapperlot» nicht darum, Dialekte nur als etwas Erhaltenswürdiges zu präsentieren. Sie sollen als etwas Lebendiges und Wandelbares verstanden werden, so Doffey. Dabei habe sich die Frage gestellt, wie denn die gesprochene Sprache am besten ausgestellt werden könne, sagt Projektleiter und Co-Kurator Peter Erismann. Die Lösung: «Wir mussten sie hörbar machen.»

Und dies tun die Ausstellungsmacher, indem sie den Besucherinnen und Besuchern 40 eindrückliche Aufnahmen aus den letzten 100 Jahren zugänglich machen. Im Jahr 1927 wehrt sich ein Walliser gegen die Behauptung, das Wetter in seiner Heimat sei immer schlecht: «Was seisch dü doo? Mir heijne nyn Moonet Winter und dry nu gottloses Wätter? Das ischt nit woor.» In einem Hörbeispiel aus dem Jahr 1939 erzählt ein Basler über die Fasnacht und sagt, dass «friejer het e jeede sälber Drummle kenne». Und im selben Jahr fragt ein Appenzeller den Befrager, ob er je an einer Landsgemeinde gewesen sei: «Sönd er ou scho annere Appezèller Landsgmènd gsee?»

«Chas gits»

Auch der heutigen Sprache wird in der Ausstellung Platz eingeräumt: So äussert sich Bundesrätin Doris Leuthard zum Atomausstieg, und der Appenzeller Satiriker Simon Enzler philosophiert über den Hund. Auch die Sprache der Jugend ist Thema: So werden Schülerinnen und Schüler aus Zürich zum Jugendwort des Jahres 2009 «Sbescht wos je hets gits» befragt. Der Ausdruck sei «scho nöd schlächt», allerdings sei er bereits etwas «uusgfaare, verbi». Die ahnungslose Bernerin erfährt, dass die neue Version nur noch «Chas gits» lautet.

Die meisten Hörbeispiele stammen aus dem Phonogrammarchiv der Universität Zürich. Während ihre Aufnahmegeräte heute nicht grösser sind als ein Handy, schleppten die Mitarbeiter vor 100 Jahren noch riesige Phonografen mit Schalltrichtern durch das ganze Land. Eines dieser Exemplare ist ausgestellt.

In den zwei Tonstudios können Besucherinnen und Besucher ihre eigenen Spuren hinterlassen. In der deutschen Version des Computerprogramms, mit dem die Besucher zum Forschungsprojekt «Stimmen der Schweiz 2012» der Universität Zürich beitragen können, wird nach Begriffen gefragt. So werden Objekte gezeigt, die es zu benennen gilt. Da ist beispielsweise ein Mädchen abgebildet, das je nach Dialekt zum «Meitschi», «Mäitli» oder zur «Maitle» wird. Ober aber der abgegessene Apfel, der für die einen ein «Gröibschi» oder «Gigetschi», für die andern aber ein «Bütschgi» oder «Bitzgi» ist. (Der Bund)

Erstellt: 07.03.2012, 07:34 Uhr

«Sapperlot!»

Heute um 18 Uhr findet die Vernissage von «Sapperlot! Mundarten der Schweiz» in der Nationalbibliothek statt. Die Ausstellung läuft bis zum 25. August 2012. Weitere Infos: www.nb.admin.ch

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