Velobrücke: Stadt ergreift Initiative

Der Berner Gemeinderat will 560'000 Franken in die Planung der Fuss- und Velobrücke Länggasse–Breitenrain stecken. Damit gibt der Kanton ein Projekt ab, das er seit einem Jahrzehnt vor sich herschiebt.

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Bernhard Ott@Ott_Bernhard

Sie geistert seit Jahren in den Köpfen der Planer herum und beflügelt die Fantasien von Velofahrern: Die Velobrücke zwischen Länggasse und Breitenrain heisst seit einigen Jahren Fuss- und Velobrücke. Von einem Komitee aus rot-grünen Parteien und dem BDP-Politiker Kurt Hirsbrunner wird sie gar «Panoramabrücke» genannt. Damit soll das Projekt aus der Schusslinie bürgerlicher Kritiker genommen werden, die darin ein «utopisches Luxusprojekt» der Velolobby sehen. Blockiert war die im Jahr 2003 gestartete Planung des Bauwerks aber weniger wegen der bürgerlichen Opposition als wegen eines Finanzierungsstreits zwischen Stadt und Kanton. Der Kanton schob zuletzt die Realisierung auf die lange Bank, obwohl Bundesgelder aus dem letzten Agglomerationsprogramm greifbar waren.

Der Finanzierungsstreit scheint nun aber beigelegt – zumindest was die Planungskosten betrifft, die zu 40 Prozent vom Kanton übernommen werden, wie einer Mitteilung des Gemeinderates zu entnehmen ist. Vom Planungskredit in der Höhe von 560'000 Franken, welcher der Gemeinderat dem Stadtrat beantragt, wird der Kanton demnach 224'000 Franken übernehmen.

Deadline 2016 für Bundesgelder

Mit dem Geld soll die vor fünf Jahren vorgenommene generelle Linienführungsstudie des kantonalen Tiefbauamtes bis Ende 2014 nochmals verifiziert werden. Dies sei wegen der hohen Kosten und der Eingriffe in den «sehr sensiblen Siedlungs- und Landschaftsraum» notwendig, schreibt der Gemeinderat in seinem Vortrag an den Stadtrat. «Es braucht eine Kosten-Nutzen-Analyse verschiedener Varianten», sagt Gemeinderätin Ursula Wyss (SP) auf Anfrage. An den Eckpfeilern des Projektes – Bau einer Brücke zwischen Länggasse und Breitenrain – werde sich aber nichts ändern.

Anfang 2015 wird der Stadtrat über eine Aufstockung des Planungskredites in der Höhe von einer Million Franken zur Lancierung des Projektwettbewerbs befinden. Eine erste Deadline für die Velobrücke ist der Herbst 2016. «Bis dahin müssen wir ein Vorprojekt beim Bund einreichen, um Gelder aus dem nächsten Agglomerationsprogramm beantragen zu können», sagt Wyss. Dies sei auch der Grund, weshalb die Planung bereits jetzt initiiert werde, obwohl die Verteilung der Investitionskosten in der Höhe von geschätzten 14 Millionen Franken noch nicht definitiv geklärt sei.

Kommunal oder kantonal?

An diesen Kosten ist zumindest die Beteiligung des Bundes in der Höhe von 4,4 Millionen Franken fix, sofern die Stadt das Vorprojekt rechtzeitig einreicht. Über die Aufteilung der verbleibenden 9,6 Millionen Franken müssen sich Stadt und Kanton noch einigen.

Dies hängt im Wesentlichen davon ab, ob die Velobrücke gemäss dem neuen kantonalen Sachplan Veloverkehr zum kommunalen oder kantonalen Netz gezählt wird. Der Entwurf des Kantons weist die Verbindung als Teil des kommunalen Netzes aus, an dessen Kosten sich der Kanton zu 40 Prozent beteiligt. Der Gemeinderat hatte in seiner Eingabe zur Mitwirkung des Sachplans jedoch eine Einstufung als Verbindung des kantonalen Netzes beantragt. Bleibt die Brücke im kommunalen Netz, entfallen auf den Kanton 5,6 und auf die Stadt 4 Millionen Franken der restlichen Investitionskosten. «Mit einer Kantonsbeteiligung in dieser Höhe können wir sicher rechnen», sagt Wyss.

«Weit über die Stadt hinaus»

Läuft alles nach Plan, kann in der Stadt Ende 2018 über Kredit und Überbauungsordnung abgestimmt werden. Bis zum Bau der Brücke dürfte es nochmals zwei, drei Jahre dauern.

«Die Panoramabrücke hat eine Bedeutung weit über die Stadt hinaus», sagt Nationalrat Alec von Graffenried (Grüne), Präsident des Komitees Pro Panoramabrücke Bern. Dank der Brücke würden Fuss- und Velofernverbindungen aus dem Gebiet Köniz-Bümpliz in den Raum Breitenrain-Ostermundigen nicht mehr über die stark befahrene Bahnhof-Achse geführt.

Der Bund

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