Für die Gesundheit der Kinder: Von Kropf bis Cybermobbing

Der Gesundheitsdienst der Stadt Bern feierte am Montag sein 100-Jahr-Jubiläum.

Ein Problem, entstanden durch neue Formen der Kommunikation: Cybermobbing.

Ein Problem, entstanden durch neue Formen der Kommunikation: Cybermobbing. Bild: (Symbolbild)/Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Bern, 1918: Rachitis und Tuberkulose breiten sich aus. Besonders betroffen sind Kinder aus armen Quartieren. Sie sind oft unterernährt, geschwächt und in ihrem Wachstum zurückgeblieben: Mit elf Jahren sind sie durchschnittlich sieben Zentimeter kleiner als ihre Mitschüler aus der Oberschicht.

«Knapp 100 Jahre später hat die sozioökonomische Benachteiligung nach wie vor starke Auswirkungen auf die Gesundheit von Kindern», sagte Richard Jakob, Co-Leiter des Gesundheitsdienstes der Stadt Bern, gestern an der Medienkonferenz anlässlich des 100-Jahr-Jubiläums. Zwar blieben diese Kinder heutzutage im Längenwachstum nicht mehr zurück, aber sie hätten nach wie vor mit Gewichtsproblemen zu kämpfen – allerdings mit Übergewicht und Fettleibigkeit, so Jakob.

Die Festschrift, die der Gesundheitsdienst zum Jubiläum herausgegeben hat, zeigt auf, wie sich die Arbeit im Einsatz für die Gesundheit der Schulkinder in der Stadt Bern seit 1913 verändert hat und was gleich geblieben ist. So sind beispielsweise Rachitis und Tuberkulose heute kein Thema mehr, während die Anzahl der Kinder, die in sozioökonomisch benachteiligten Familien aufwachsen, wieder ansteigt. «Was sich nicht grundsätzlich geändert hat, ist die Entwicklung der Kinder. Die Armut nimmt jedoch zu», sagte Franziska Teuscher, Direktorin für Bildung, Soziales und Sport, gestern an der Medienkonferenz.

«Mir ist es sehr wichtig, dass der Gesundheitsdienst sich dafür einsetzt, dass alle – wirkliche alle – gerechte Gesundheits- und Bildungschancen haben», so Teuscher.1913 hat der erste hauptamtliche Schularzt seine Tätigkeit aufgenommen. Wer in den vergangenen 100 Jahren in der Stadt Bern die Volksschule besucht hat, ist am Schularztamt respektive, seit der Fusion mit dem Stadtarztamt 1989, am Gesundheitsdienst nicht vorbeigekommen. So wurden Generationen von Berner Schuldkindern dort untersucht oder geimpft, von Schulsozialarbeitern beraten oder konnten von der Gesundheitsförderung an der Schule profitieren.

Freiluftschule in der Elfenau

Die Arbeit des Gesundheitsdienstes hat sich vor allem aufgrund der Bedeutung gewisser Krankheiten verändert. «Bern war Anfang der 20er-Jahre stark von Jodmangel betroffen. So hatten 1921 79 Prozent der 15-Jährigen einen Kropf», sagt Annemarie Tschumper, Co-Leiterin des Gesundheitsdienstes. Nachdem das Schularztamt den Kindern Jod-Malz-Tabletten verabreicht habe, hätten 1936 nur noch 10 Prozent an einem Kropf gelitten, so Tschumper. Aufgrund dessen sei im selben Jahr die Kochsalz-Jodierung im Kanton Bern eingeführt worden. Während sich heute wohl kaum noch jemand über den Jod-Anteil im Kochsalz Gedanken macht, hatte man damals von Cybermobbing, wovon heute Jugendliche betroffen sind, noch keine Ahnung.

Neben den Krankheitsbildern haben sich auch die Massnahmen geändert. So wurden 1923 körperlich geschwächte und tuberkulosegefährdete Kinder in die Freiluftschule Elfenau geschickt, wo der Unterricht hauptsächlich im Freien abgehalten wurde, damit die Kinder Vitamin D tanken konnten. Heute setzt der Gesundheitsdienst neu auf Frühförderung, unter anderem, um Gewichtsprobleme von Kindern aus unteren Schichten in den Griff zu bekommen.

«Im Pilotprojekt Primano werden die Eltern in ihrer Rolle gestärkt und eine positive Eltern-Kind-Interaktion gefördert. Dadurch konnte aufgezeigt werden, dass die Kinder mit besseren Bildungschancen in die Schule starten», sagt Richard Jakob vom Gesundheitsdienst. Zudem gebe es Hinweise, dass Kinder mit Frühförderung seltener übergewichtig seien. «Dies ist ein Beispiel für eine Pionierleistung, auf die wir in der Stadt Bern stolz sein können», sagt Gemeinderätin Franziska Teuscher. (Der Bund)

Erstellt: 12.11.2013, 07:57 Uhr

Werbung

Immobilien

Kommentare

Blogs

Sweet Home Herbstgerichte – ein wenig anders

Mamablog «Ritalin kann ein Segen sein»

Abo

Das digitale Monatsabo Light für Leser.

Nutzen Sie den «Bund» digital im Web oder auf dem Smartphone. Für nur CHF 19.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Durchblick: Ein Mann mit einem Pilotenhut macht sich bereit um ein Foto in einer Cockpit Attrappe zu machen. (20.September 2017)
(Bild: AP Photo/Andy Wong) Mehr...