Für Asyl-Container müsste Bern viel Geld in die Hand nehmen

Die Stadt Bern will bei den Asylunterkünften auf Container setzen. Die Erfahrung in Zürich macht wenig Mut.

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Asylunterkünfte sind im Kanton Bern Mangelware. Insbesondere die Stadt Bern ist als einwohnerstärkste Gemeinde angehalten, Unterkünfte bereitzustellen. Die Eröffnung eines Asylzentrums in der alten Feuerwehrkaserne im Sommer scheint zwar auf guten Wegen zu sein. Aber damit erfüllt die Stadt die Erwartungen des Kantons noch lange nicht – und die eigenen auch nicht. Denn der Berner Gemeinderat hat sich das Ziel gesetzt, endlich eine Alternative für das umstrittene, unterirdische Asyl­zentrum Hochfeld zu finden. Deshalb hat Gemeinderätin Franziska Teuscher (Grüne) kürzlich die Idee ins Spiel ­gebracht, Modulbauten auf dem Areal der Militärkaserne im Breitenrain zu installieren. Auf Anfrage bekräftigt die Direktion Teuscher diese Absichten: «Das Ziel sind oberirdische Asylunterkünfte für alle», sagt Claudia Mannhart, stellvertretende Generalsekretärin.

Warum eigentlich nicht? Containersiedlungen sind modern, oberirdisch und lassen sich schnell installieren. Andere Deutschschweizer Städte wie Luzern und Winterthur sind jedenfalls auf die gleiche Idee gekommen. In Berlin werden Container-Kieze für Flüchtlinge gebaut. Die Stadt Zürich betreibt zwei Containersiedlungen in Leutschenbach und Altstetten.

«Container bewähren sich»

Im Unterschied zur Idee in Bern, werden in den Zürcher Containersiedlungen Asylsuchende untergebracht, die normalerweise individuell in Wohnungen leben würden. In Bern wäre die Containersiedlung als Durchgangszentrum angedacht, also als Kollektivunterkunft. Thomas Kunz, Direktor der Asyl-Organisation Zürich (AOZ), welche die Containersiedlungen im Auftrag der Stadt betreibt, sagt: Er könne sich durchaus vorstellen, dass ein Containerbau auch als Durchgangszentrum geeignet sei. Auch die Erfahrungen bewertet er als positiv. «Die Containersiedlungen bewähren sich sehr.» Weil sie sich sowohl für die Unterbringung von Familien wie auch von Einzelpersonen eigneten, ermögliche dies der AOZ flexibel auf die schwankenden Bedürfnisse an Wohnraum zu reagieren.

Aber, und das sagen nicht nur die AOZ, sondern auch die Ingenieure, welche die Siedlung geplant haben: «Container sind nicht günstiger als konventionelle Bauten, aber man kann sie zügeln», sagt Pascal Angehrn vom Ingenieurbüro NRS In Situ in Zürich.

Teure Mobilität

Die Containersiedlung in Leutschenbach für 112 Personen kostete 3,5 Millionen Franken. Pro Kubikmeter Raum rechnet Angehrn mit einem Preis um 500 Franken. Im Preis schlage sich nieder, dass die Container modular und mobil seien. Man kann sie aufeinanderschichten oder auch wieder wegzügeln, wenn ein Grundstück nur vorüber­gehend genutzt werden kann. Nur von dieser Mobilität kann nur eingeschränkt profitiert werden, soll es nicht noch teurer werden. «Alles unter 15 Jahren rechnet sich nicht», sagt Angehrn. Denn ein Umzug einer Containersiedlung koste ein Drittel der gesamten Investition.

Bereits als Teuscher die Idee lanciert hatte, winkte der Kanton ab, weil er die Kosten scheut. Gibt es keine günstigere Variante für Bern? Nein, sagt Angehrn. Günstiger sei nur, bestehende Gebäude umzunutzen. Und weil sich der Bau einer Containersiedlung erst ab 15 Jahre Standzeit lohne, sei es von Vorteil, wenn für ein Asylzentrum eine Nachnutzung vorgesehen sei. Zum Beispiel als Sozialwohnungen oder Studentenunterkünfte.

«Bezahlen muss der Kanton»

Obwohl das Büro NRS In Situ auf Containersiedlungen spezialisiert ist, macht Angehrn keinen Werbespruch dafür. Zumindest nicht für Asylunterkünfte. «Für Studenten und Kreative ist das lässig», sagt Angehrn. Wenn man für Asylsuchende baut, würde er aber künftig auf Holzmodulbauten setzen. «Diese Bauten haben einen wohnlicheren Charakter», sagt er. Wohnklima und Wohnhygiene seien besser. Dann wird er grundsätzlich: «Ich finde es falsch, explizit für Asylsuchende zu bauen, sie haben die gleichen Ansprüche ans Wohnen wie alle anderen.» Auf die unterirdischen Unterkünfte in Zivilschutzanlagen im Kanton Bern angesprochen, ist er aber auch der Ansicht, dann lieber Container. Immerhin eine Vorstellung über den Bau mit Containern hält Bestand. Solche Siedlungen können rasch erstellt werden. Bau und Planung dauere vier bis sechs Monate. «Die politischen Prozesse sind das andere», sagt Angehrn.

In Bern scheinen die Kosten das grösste politische Hindernis zu sein. Die Idee der Containersiedlung werde zusammen mit dem Kanton weiterverfolgt, sagt Mannhart. Bezahlen müsse aber der Kanton. Was die Stadt Bern bieten müsse, sei der Boden. «Ich kann mir vorstellen, dass es noch günstigere Lösungen als in Zürich gibt», sagt sie. Aber an den Kosten dürfe es nicht scheitern. (Der Bund)

Erstellt: 21.03.2015, 10:41 Uhr

Umstrittene Standortfrage

Für die Stadt Bern ist das umstrittene unterirdische Asylzentrum Hochfeld keine Visitenkarte. Aber den Ansatz der grünen Gemeinderätin Franziska Teuscher, dieses Problem zu beheben, wird auch in rotgrünen Kreisen nicht vorbehaltlos unterstützt. Insbesondere die Standortfrage könnte ein Knackpunkt werden. «Für uns kommen Container auf der Kasernenwiese nicht infrage», sagt Stefan Jordi, Präsident der SP Stadt Bern.

Es sei fraglich, ob es sinnvoll sei, Asylsuchende mit zum Teil traumatischen Erlebnissen aus Kriegsgebieten auf einem Areal unterzubringen, das vom Militär benutzt werde. Zudem sei die Kasernenwiese für das Nordquartier die einzige grössere, nahe gelegene Grünfläche. Zur Erinnerung: Die SP hatte sich erfolgreich gegen ein Migros-Provisorium auf der Kasernenwiese gewehrt. Teuscher hat zwar nicht explizit die Kasernenwiese im Visier, sondern das ganze Areal. Gegen eine Asylsiedlung auf nicht öffentlich genutzten Grünflächen auf dem Areal der Militärkaserne hat auch Jordi nichts einzuwenden. Als Alternativen schlägt er vor: Springgarten, Wyssloch oder Centralweg. Unterstützt wird Teuscher aber naturgemäss von ihrer eigenen Partei.

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