Fuchs droht Radiostationen mit Klage

Im Abstimmungskampf um das autonome Berner Kulturzentrum Reitschule wird der Ton schärfer: Der Bund der Steuerzahler von SVP-Grossrat Thomas Fuchs droht Radio- und TV- Stationen mit einer Klage, wenn sie Songs der CD «Reitschule beatet mehr» ausstrahlen.

Der Ton um die Reitschule verschärft sich.

Der Ton um die Reitschule verschärft sich. Bild: Franziska Scheidegger

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Im Vorfeld von Abstimmungen sei politische Werbung in Radio- und TV-Sendungen unzulässig, schreibt Fuchs in einer Medienmitteilung vom Montag. Songs wie jener des Berner Komikers «Müslüm» (»Erich, warum bisch du nid Ehrlich?») würden «klar» gegen die Bestimmungen des Radio- und Fernsehgesetzes verstossen, so Fuchs.

Nicht jeder Song der CD stelle politische Werbung dar, so Fuchs auf Anfrage. Das sei aber dann der Fall, wenn es etwa - im Song von «Müslüm» - heisse: «Erich mein Kollege, komm und hol dir den Schlüssel».

Eine Klage könnten die Radio- und TV-Stationen vermeiden, wenn sie den Befürwortern der Reitschulinitiative gleich viel Sendezeit einräumten.

Der Bund der Steuerzahler gibt in der gleichen Mitteilung auch bekannt, dass er die Kampagne für den Verkauf der Reitschule «aufgrund der schweizweiten Signalwirkung» mit «mindestens einem fünfstelligen Betrag» unterstützt. Er werde auch eine eigene Kampagne führen.

Über die Initiative, die die Schliessung und den Verkauf der Reitschule an den Meistbietenden fordert, wird in der Stadt Bern am 26. September abgestimmt. Urheber der Initiative ist ein rechtsbürgerliches Komitee unter dem Präsidium von JSVP-Grossrat Erich Hess. Thomas Fuchs sitzt ebenfalls im Initiativkomitee.

Keine Aufregung bei Lokalradios

Bei den beiden Berner Lokalradiostationen Energy und Capital FM sorgte die Drohung von Fuchs am Montag nicht für Aufregung. Capital- FM-Redaktionsleiterin Bettina Studer sagte auf Anfrage, ihre Station strahle die Songs der fraglichen Station gar nicht aus. Sie passten nicht ins Konzept.

Die fragliche CD sei aber in einer Sendung zur Sprache gekommen - darin habe die Redaktion aber auch die Reitschulgegner zu Wort kommen lassen. «Wir bemühen uns um Gleichbehandlung.»

Dasselbe sagte ebenfalls auf Anfrage Nik Eugster, Programmleiter des Radios Energy Bern. Zwar führt auch dieses Radio die Songs nicht in der sogenannten Playlist. Doch nachdem «Müslüm» im Studio zu Gast war, durfte sich auch Erich Hess bei Radio Energy äussern. «Wir kennen die journalistischen Grundregeln», so Eugster.

Die Mediengruppe der Reitschule Bern teilte am Montag mit, schon sei die erste Pressung von 2000 Exemplaren der CD «Reitschule beatet mehr» fast ausverkauft. Die nächsten 2000 seien bestellt. (bs/sda)

Erstellt: 16.08.2010, 11:11 Uhr

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