Frieden und Harmonie in Berns erster Neu-Moschee

Prominenz gratuliert Muslimen zum Gotteshaus in Berns Haus der Religionen.

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Markus Dütschler

Im Haus der Religionen am Europaplatz ist vieles anders. Das gilt auch für den Sonntag, als die weitherum erste Neubau-Moschee feierlich eröffnet wird. Zwar wird auch an diesem Tag der Hauptraum der Gebetsstätte traditionsgemäss von Männern bevölkert, meist albanischstämmige aus Kosovo oder Mazedonien. Doch vorne sitzen mehrere Frauen – und ein Hindupriester. Sasikumar «Sasi» Tharmalingam wird in der Feier einen Segensgesang beisteuern, eine Novität bei einer Moschee-Eröffnung.

Und die Frauen werden zur Versammlung sprechen. Da ist Gerda Hauck, langjährige Präsidentin des Vereins Haus der Religionen, die das Projekt freundlich, aber hartnäckig vorangetrieben hat. Oder Regula Mader von der Stiftung Haus der Religionen – Dialog der Kulturen, die das solide rechtliche Fundament für ein derart teures Bauwerk bildet. Vor ihrem offiziellen BEA-Besuch ist auch Berns Schul- und Integrations-«Ministerin» Franziska Teuscher (Grüne) gekommen. Sie bezeichnet den Tag als Kontrapunkt zur Abstimmung über die Minarett-Verbotsinitiative von 2009. Als Bewohnerin des Länggassquartiers habe sie aus nächster Nähe miterlebt, wie sich die Mitglieder des Muslimischen Vereins Bern in einen dunklen Keller drängen mussten. Das ist vorbei. Der neue islamische Gebetsraum ist gross und hell, verziert mit arabischer Kalligrafie und farbigen Ornamenten. Es gibt auch ein Oberlicht mit Blickkontakt zum Himmel. Und da ist eine weitere Frau, die man in dem Zusammenhang nicht erwartet: US-Botschafterin Suzan LeVine. Sie hatte wie andere Ambassadoren eine Einladung erhalten und fand das Projekt so spannend, dass sie diese «diversity» auf engstem Raum mit eigenen Augen sehen will.

Fluch und Segen der Religionen

Natürlich kommen auch die Männer zu Wort. Die Islamverbände aus Mazedonien und Kosovo haben Vertreter mit Grussbotschaften entsandt. Ausführlich äussert sich der «Hausherr», Imam Mustafa Memeti. Er liest seine Rede nicht vom Zettel ab. Der aus Südserbien stammende Geistliche, unlängst von einer Zeitung zum «Schweizer des Jahres» gewählt, spricht leidenschaftlich, als wolle er all den Gräueln, die Extremisten im Namen des Islam verüben, mit der Kraft des Wortes Einhalt gebieten. Eine Religion müsse «Glück, Frieden und Harmonie» erzeugen, «so verstehe ich Religion». Für Gott wäre es ein leichtes, allen Menschen den gleichen Glauben einzupflanzen, gibt der Imam zu bedenken, «aber Gott will das nicht». Wenn Menschen dies dennoch versuchten, sei dies «unlogisch, unmoralisch und unmenschlich». Vielfalt sei auch aus islamischer Sicht ein Segen.

Diese Vielfalt hat auch Hartmut Haas erfahren. Der Pfarrer war seinerzeit von seiner Kirche, der Herrnhuter Brüdergemeine, nach Bern geschickt worden, um den interreligiösen Dialog zu fördern. Er habe sich selbst gefragt, was dieses Haus der Religionen sein solle – «ein Birchermüesli»? Genau das sei es zum Glück nicht geworden. Er habe gelernt, sich als Christ zu bekennen, die Qualitäten der eigenen Religion neu zu entdecken, so Haas, aber auch die Qualitäten der anderen sieben Weltreligionen.

Diese raufen sich seit Jahren zusammen und haben eine tragfähige Dialogkultur entwickelt. Trotzdem ist es nicht selbstverständlich, dass an diesem Sonntag im Haus der Religionen eine Moschee eröffnet wird. 2007 kams zum Eklat. Der damalige muslimische Verband, die Umma, zog sich aus dem Projekt zurück. Der geräuschvolle Abgang stellte das ganze Projekt infrage. Ein Haus der Religionen ohne die Weltreligion des Islam? Unmöglich. Der Muslimische Verein aus dem Berner Hochfeld packte die Gelegenheit beim Schopf und engagierte sich für das Projekt.

Die Feier ist vorbei. Botschafterin LeVine wird wie ein Star genötigt, sich mit Besuchern fotografieren zu lassen. Dann verlässt sie das Haus. Auf dem Vorplatz ist es vorbei mit Friede, Freude, Eierkuchen. Die Security übernimmt das Kommando und bringt sie im Autokonvoi weg, denn amerikanische «Einrichtungen» sind gefährdet.

Friede, Freude, Eierkuchen wird es auch im Haus der Religionen nicht umsonst geben – der Dialog wird täglich in der Praxis gepflegt werden müssen.

Der Bund

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