Freie Fahrt für alle

Erich Hess sagt: «Die Strassen gehören auch den Autofahrern» und fordert weniger Tafeln und Umwege, was die Emissionen reduziere. Die Grünen fordern dagegen für Velos die Aufhebung der Haltepflicht an Ampeln. Eine Betrachtung.

Ampeln weg, Fahrverbote weg – zum Teil mutet es absurd an, was Politiker fordern. (Valérie Chételat)

Ampeln weg, Fahrverbote weg – zum Teil mutet es absurd an, was Politiker fordern. (Valérie Chételat)

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Wer Velo fährt, schont das Portemonnaie, verursacht keine Abgase und ist im Stadtgebiet im Vergleich zum Autofahrer nicht selten auch schneller am Ziel. Kein Wunder. In der Stadt Bern verwehren 1059 Fahrverbotstafeln Autofahrern die Durchfahrt. Hinzu kommen zusätzlich 475 «Einfahrt verboten»-Tafeln. Alles in allem sind rund 250 bis 300 Strassenabschnitte mit einem Fahrverbot für motorisierte Verkehrsteilnehmer belegt.

Erich Hess’ Rechnung ist daher einfach: weniger Tafeln, weniger Umwege, weniger Treibstoffverbrauch, weniger Schadstoff- und Lärmemissionen. Seine Motionsforderung ist deshalb so klar wie simpel: Nieder mit sämtlichen Fahrverboten. «Die Strassen gehören auch den Autofahrern!» Da insbesondere Autofahrer zu den besseren Steuerzahlern in der Stadt Bern gehörten und das Stadtberner Strassennetz überwiegend finanzierten, hätten sie Anspruch auf freie Fahrt.

So oder so sei der grösste Teil der neuen Fahrverbote nur zur Schikane des Autoverkehrs aufgestellt worden und nicht aufgrund von Sicherheitsüberlegungen. Laut Motionär dürfte durch den Kahlschlag im Schilderwald die Verkehrssicherheit sogar verbessert werden: Autofahrer könnten sich besser auf die Strassenverhältnisse konzentrieren.

Dies wäre auch dringend nötig. Denn die GB/JA-Fraktion fordert die Stadt ihrerseits mittels Postulat auf, «Massnahmen für angenehmeres und schnelleres Velofahren» zu prüfen. Will heissen: Weg mit «unsinnigen Fahrverboten» für Velos, weg mit der Haltepflicht an roten Ampeln – sowohl wenn es ums Rechtsabbiegen geht, als auch wenn die Fahrt notabene geradewegs über die Kreuzung führen soll. Wer so Velo fährt, würde künftig zwar weiterhin keine Abgase produzieren, das Portemonnaie würde aber wohl kaum geschont (man denke nur schon an die anfallenden Spitalkosten). Und auch die Nerven der anderen Verkehrsteilnehmer dürften ob dieser «angenehmeren und schnelleren» Art des Velofahrens arg strapaziert werden.

So weit soll es aber nach Meinung des Gemeinderates gar nicht erst kommen. Frei nach dem Motto «Gefahr erkannt, Gefahr gebannt» tritt er ob der doch etwas gewagten Freie-Fahrt-Forderungen von motorisierter und nichtmotorisierter Seite auf die Bremse. In seinen Antworten auf die beiden Vorstösse macht er deutlich, dass er weder für die generelle Entfernung von Fahrverbotstafeln auf öffentlichen Strassen ist noch die Idee, Velofahrer grundsätzlich von der Haltepflicht zu befreien, für verkehrstechnisch sinnvoll hält. «Wenn Velos bei Rot geradeaus fahren, könnten sie mit Fahrzeugen aus anderen Richtungen, die Grün haben, zusammentreffen.» Die Stadt verfolge aber die Absicht, einen möglichst grossen Teil der Einbahnstrassen für den Velogegenverkehr zu öffnen.

Die Erlaubnis für Velos, Einbahnstrassen auch entgegen der Fahrtrichtung benützen zu dürfen, illustriert die normative Kraft des Faktischen. Oder gab es bisher in der Stadt Velofahrerinnen und -fahrer, die sich von einem Verbotsschild einer Einbahnstrasse angesprochen fühlten? Die Frage ist eine rein rhetorische. (Der Bund)

Erstellt: 26.10.2010, 07:45 Uhr

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