«Frau Burri, tut das nicht weh?»

Erst mit 30 Jahren erlernte Nina Burri die Kunst der Kontorsion. Jetzt tritt die Berner «Schlangenfrau» im National-Circus Knie in Bern auf – der Schweizer Höhepunkt ihrer bisherigen Karriere.

Als Bernerin freut sich die Schlangenfrau ganz besonders auf ihr Gastspiel im Zirkus Knie auf der Allmend.

Als Bernerin freut sich die Schlangenfrau ganz besonders auf ihr Gastspiel im Zirkus Knie auf der Allmend. Bild: Valérie Chételat

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Wenn Jugendliche die Schulausbildung abbrechen, sind Eltern besorgt. Das war bei Nina Burris Eltern nicht anders. Den ganz grossen Schock allerdings ersparte ihnen die 1977 geborene Tochter. Als Burri mit 16 Jahren das Gymnasium aufgab, hatte sie immerhin den Untergymer in der Lerbermatt in der Gemeinde Köniz absolviert und danach ein Jahr das Gymnasium in Basel besucht. Dazu erwarb sie eine Ballettausbildung. «Meine Eltern sahen, dass es mir sehr ernst war mit dem Tanzen.» Sie schaffte die Aufnahmeprüfung für die Staatliche Ballettschule Berlin. Eine harte Schule, wie Burri sagt, zumal sie Grundlagen nachbüffeln musste, die ihr bisher nicht oder nicht richtig vermittelt worden waren.

Mit 30 Jahren entschied sich die Bernerin für eine neue Herausforderung: die Kontorsion. Artisten, die diese Kunst des Drehens und Windens beherrschen, heissen im Volksmund Schlangenmenschen. Burri erlernte die Kontorsion im «Mutterland» dieser Kunst – an einer Ausbildungsstätte in China. Sie sprach kein Chinesisch, die meisten Lehrer kein Englisch, und die Mitschülerinnen und -schüler waren kaum halb so alt wie sie. «Es ist hart, im stillen Kämmerlein ganz allein stundenlang zu üben», erinnert sich Burri. Doch sie schaffte es.

Sie sei auf dem Gebiet keine Ausnahmekönnerin, sagt die bescheidene Bernerin mit Blick auf die gertenschlanken, kindlich anmutenden asiatischen Artistinnen, die man zuweilen in Manegen sieht. Burri spult aber nicht bloss die diversen Bewegungen herunter, sondern lässt ihr tänzerisches Können einfliessen, das sie beim «Tanzgott» Maurice Béjart in Lausanne oder als Cancan-Tänzerin im Moulin Rouge in Paris gelernt hat. Ihre schön choreografierte Nummer wird begleitet vom Musikstück «The Rose» des DSDS-Finalisten Jesse Ritch – auch er stammt aus der Region Bern.

Mit Gelenken und Knochen

Seit März ist ihr Zuhause der Wohnwagen. Im Juli hat sie zwischen zwei Knie-Gastspielen den ehemaligen Wrestler Stefan Schwitter geheiratet. Der Fitnesscoach tourt aber nicht mit ihr durch die Schweiz. Deshalb entflieht sie so oft als möglich der Einsamkeit im Wohnwagen. An Bushaltestellen oder auf Bahnperrons wird die Nicht-Autofahrerin oft erkannt: «Sie sind doch die Schlangenfrau.» Häufig folgt die besorgte Frage: «Frau Burri, tut das nicht weh?» Tut es nicht. Ein Baby könne den grossen Zeh problemlos in den Mund nehmen, sagt sie. Die meisten Menschen verlernten die Fähigkeit, doch mit Training lasse sich die Beweglichkeit steigern. Kontorsion hat also nichts mit Gelenkauskugeln oder Gummiknochen zu tun, sondern mit Training, jeden Tag, immer wieder. Sie beendet das Gespräch – für die zwei Stunden dauernden Aufwärmübungen. (Der Bund)

Erstellt: 08.08.2013, 14:28 Uhr

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Circus Knie in Bern

Circus Knie, Allmend, Bern; heute 20 Uhr Premiere, Gastspiel bis 21. 8. Tickets: Kasse, Ticketcorner, www.knie.ch.

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