Flanieren und zuhören in der Länggasse

Der neue Stattland-Rundgang führt in die Länggasse – ein architektonisch vielfältiges Quartier.

Ein architektonisch vielfältiges Quartier: Die Länggasse. (Valérie Chételat)

Ein architektonisch vielfältiges Quartier: Die Länggasse. (Valérie Chételat)

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Der Verein Stattland feiert eine weitere Premiere. Wer auf dem neuen Rundgang «Bern architektonisch» im Berner Länggassquartier wandelt, dessen Augen richten sich auf Arbeiterhäuschen, stillgelegte Fabriken und Luxusvillen.

Gestartet wird bei der Haltestelle Güterbahnhof, Endstation der Buslinie 11. «Wir haben uns für die Länggasse entschieden, weil das Quartier eine grosse Vielfalt an Architektur bietet», sagt Regula Nussbaum-Guggisberg. Sie leitet den Rundgang und führt die Teilnehmer als Erstes zum Von-Roll-Areal. In den weitläufigen Hallen wurden früher Eisenbahnweichen und Seilbahnen hergestellt, heute hören die Studenten ihren Dozenten zu.

Von Arbeitern und Studenten

Von Nussbaum erfahren die Rundgänger, wie das Länggassquartier überhaupt entstanden ist. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde dort noch Ackerbau betrieben – bis die Wohnungsnot in der Aareschlaufe die Berner dazu brachte, weiteres Land umzuzonen. Fabriken wurden aus dem Boden gestampft, und Arbeiterhäuser folgten: Schmuckstücke wie am Amsel- und Drosselweg wurden gebaut. Heute sind die Backsteinhäuser denkmalgeschützt; schliesslich lebte auch Lenin als Untermieter in einem dieser Häuser. «Als wir den Rundgang planten, war die Architektur noch gut sichtbar», sagt Nussbaum. Aber obwohl Fliedersträucher und blühende Bäume die Sicht beeinträchtigen, machen sie im Frühling doch einen grossen Teil der Schönheit der Häuserreihen aus.

Seit das Hauptgebäude der Universität Bern im Jahr 1903 eingeweiht wurde, lebten immer weniger Arbeiter und immer mehr Studenten in der Länggasse. Passend dazu führt der Rundgang weiter zu den Institutsbauten an der Baltzerstrasse. Diese Gebäude riefen wohl am meisten polemische Reaktionen im Quartier hervor, sagt Nussbaum. Vor den lang gezogenen Bauten stehend, meint sie: «Entweder lösen sie beklemmende Gefühle aus – oder dann faszinieren sie die Menschen.»

Von Kirchen und Villen

Im zweiten Teil des Rundgangs werden die Teilnehmer weggeführt von der Arbeiter- und der Studentenschaft hin zu Luxus und vielen alten Baustilen. «Die Pauluskirche ist ein wichtiges Bauwerk des Jugendstils in der Schweiz», sagt Nussbaum. Vom Türrahmen bis zum Abendmahlgeschirr wurde dieser Stil durchgezogen. Eine Nachahmung alter Stilvorbilder wie Gotik, Barock und Renaissance hingegen begegnet einem bei den Reihenhäusern der Falkenburg. Den Abschluss bildet die Villa Favorite. Sie gehörte einem Seidenfabrikanten, später einer Diakonie, und heute ist sie wieder in Privatbesitz. Im Garten stehe immer noch eine Gurkenmagnolie, die der Fabrikant aus Amerika importiert habe. Sie sei die Einzige ihrer Art in einem Berner Privatgarten, sagt Nussbaum. Der neue Rundgang verdeutlicht vor allem eines: Der Begriff Studentenquartier greift für die Länggasse viel zu kurz. (Der Bund)

Erstellt: 05.05.2011, 13:10 Uhr

Infobox

Premiere: 7. Mai 2011 um 14 Uhr.
Informationen: www.stattland.ch.

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