«Es wird für eine lange Zeit keine jungen Bären mehr in Bern geben»

Nach dem gescheiterten Aufzuchtversuch zweier Jungtiere ist im Berner Tierpark Dählhölzli Bärenmännchen «Misha» unfruchtbar gemacht worden.

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Der männliche Bär Misha aus dem Tierpark Dählhölzli ist sterilisiert worden. Nach den dramatischen Ereignissen um die toten Jungbären Anfang April scheint dies für Aussenstehende die logische Folge zu sein. Tierpark-Direktor Bernd Schildger widerspricht: Die Entscheidung, Misha zu sterilisieren, sei bereits im Januar gefällt worden und habe nichts mit den Geschehnissen vom April zu tun. «Jeder Bär erhält bei uns einmal die Chance, sich fortzupflanzen. Dann wird er sterilisert.» Insofern entspreche das Vorgehen dem Courant normal. Auch Finn, das Bärenmännchen aus dem Bärenpark, ist bereits zeugungsunfähig.

Die Sterilisation wurde am vergangenen Wochenende in Bern vorgenommen. Ein Zürcher Narkose-Team anästhetisierte den Bären, worauf er auf einen eigens für ihn angefertigten Operationstisch gehievt wurde. Die endoskopische Sterilisation erfolgte durch ein deutsches Chirurgenteam, die dem Bären die beiden Samenleiter entfernten. Dazu wurde die sogenannte «Schlüsselloch-Technik» angewandt: Durch kleine Hautschnitte wird neben dem Operationswerkzeug eine Kamera eingeführt, um den Vorgang auf Monitoren verfolgen zu können. Die beiden Teams wurden eigens für diesen Eingriff ausgesucht und standen unter der Leitung des Berner Zootierarztes Willi Häfeli.

Nach der einstündigen Operation konnte Misha zurück in seine Stallbox gebracht werden, wo er dann später aufwachte. Der Vorgang scheint den Bären in keiner Weise beeinflusst zu haben: Am nächsten Tag streifte er bereits wieder mit seiner Gefährtin Masha im Bären-Wald umher. Laut Schildger «verhielt er sich normal».

«Das ist der Preis»

Nach der Sterilisation des Bären fragen sich viele, ob und wann die Bernerinnen und Berner wieder Jungbären zu Gesicht bekommen. Schildger will keine falschen Hoffnungen schüren: «Es wird für eine lange Zeit keine jungen Bären mehr in Bern geben.»

Der Tierpark trägt eine grosse Verantwortung, wenn es um die Nachwuchsplanung seiner Schützlinge geht. Der Tierpark-Direktor verortet den Grund bei der hohen emotionalen Verbundenheit des Publikums mit den Bären: «Tagtäglich werden Hunderte Kälber geschlachtet, darum schert sich niemand. Bären hingegen geniessen einen hohen Stellenwert, sodass die Nachricht von toten Bären sehr starke Reaktionen hervorruft.» Der Nachwuchsstopp soll diesem Umstand Rechnung tragen. «Das ist der Preis, den wir bezahlen müssen», so Schildger.

DerBund.ch/Newsnet

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