Ende Jahr ist für Harpers in der Krone Schluss

Nach nur zwei Jahren geben John und Scotty Harper die Krone auf. Offenbar kommt es an der Gerechtigkeitsgasse zu einem Konzeptwechsel.

Stilles Ende einer Gastrokarriere: John und Scotty Harper.

Stilles Ende einer Gastrokarriere: John und Scotty Harper.

(Bild: Adrian Moser (Archiv))

Markus Dütschler

In Gourmetfibeln zählten sie zu den noto­rischen Punktesammlern. Nun hören John und Scotty Harper mit Wirten auf. Ihr Abgang in der Berner Krone geht still vor sich. Das ist untypisch, denn wo immer sie anpackten, nahm die Gastroszene davon Notiz. So machten sie aus der Quartierbeiz Büner ein bekanntes Gourmetlokal mit 15 Punkten im «Gault Millau». Als sie Bern in Richtung Freiburg verliessen, heimsten sie in der ­Cigogne 14 Punkte ein. Zurück in Bern, gabs im Zähringer wieder 15. Und kaum wirkten sie im kleinen Nebenrestaurant Pinte de Meyriez auf dem Gelände des – inzwischen geschlossenen – Nobelhotels Le Vieux Manoir au Lac, waren sie mit 14 Punkten im «Gault Millau».

Beim Wechsel in die Krone an der Gerech­tigkeitsgasse blieb der Punkte­regen aus. Sie hätten es nicht angestrebt, sagt Scotty Harper dem «Bund», Qualität geliefert hätten sie trotzdem. Mit dabei war Sohn Elvis, der bereits als Bub im Büner mitgeholfen hatte. Der ­Junior habe «trotz dieses Anschauungsunterrichts» in der strengen Gastrobranche die Hotelfachschule absolviert und hätte die Krone einmal übernehmen wollen, denn Vater John ist im Pensionsalter, die Mutter steht kurz davor.

Schwierige Partnerschaft

Dazu kommt es nicht. Ende Jahr hören Harpers auf. Fragt man sie nach dem Grund, nennen sie mangelnden Umsatz. Die Nachfrage nach gehobener Küche sei zumindest in der Altstadt begrenzt, bilanziert Scotty Harper. Die Kundschaft, die hochwertiges Essen schätze und ­bereit sei, den höheren Aufwand zu vergüten, werde älter und sterbe aus. Faktoren wie Rauchverbot, Promillegrenze und fehlende Parkplätze hätten ein Übriges getan. Es sei schwierig, die hohen Personalkosten einzuspielen. Gekürzte Spesenbudgets bei Kunden und eine stärkere Preissensibilität der Gäste seien ebenfalls spürbar.

Hinzu kommt, dass das Einvernehmen zwischen den Pächtern und den Eigen­tümern, den Berner Singstudenten, nicht ungetrübt war. Harpers wollen sich dazu nicht äussern. Offenbar gab es Konzeptdiskussionen, wiewohl jedem klar sein musste, dass Könner wie Harpers am Schluss der Karriere kaum auf Hausmannskost umsteigen würden.

Zwei Firmen übernehmen

Nicht zum ersten Mal tun sich die Singstudenten mit ihren Wirten schwer. So war die Krone nach dem Ende der Ära Dante Barisi 2003 fast ein halbes Jahr geschlos­sen. Stammgäste versammelten sich gar zu einer Demonstration gegen das «Krone-Grounding». Als die Nachfolger endlich bestellt waren, agierten sie glücklos und gingen in Konkurs. Von 2003 bis 2012 wirtete Hasan Türksoy.

Wer 2015 auf Harpers folgt, wollten die Singstudenten auf Anfrage nicht verraten. Auch zu den Spannungen äusserten sie sich nicht. Die Liebefelder Gastro­gruppe Erzbierschof wird den hinteren Teil der Krone übernehmen, wie ihrem Newsletter zu entnehmen ist. Partnerin wird laut unbestätigten Informationen die an der Kramgasse 19 domizilierte Vino­thek Wykeller.ch sein. Demnach wird die Krone 2015 ein junges, dynamisches und trendiges Speiserestaurant mit grossem Wein- und Bierangebot ­werden.

Der Bund

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