Ein Frühstück, das diesen Namen verdient, gibt es nicht

Das Berner Hotel Continental gehört laut den beiden grossen Internetplattformen Booking.com und Tripadvisor zu den schlechten Schweizer Hotels. «Der Bund» hat sich das Hotel an der Zeughausgasse in Bern angeschaut.

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Das Gute vorweg: Viele Reisende auf den Internetportalen Booking.com und Tripadvisor loben das Berner Continental punkto Freundlichkeit des Personals und der zentralen Lage zwischen Bahnhof und Zytglogge. Der Tenor ist aber eindeutig: «One step up from a dump», «knapp besser als eine Bruchbude», kommentiert ein Reisender aus Florida. «Von oben bis unten verdreckt, einfach gruselig», fand ein Paar aus Thun das Hotel. Und ein Gast aus Bellinzona bezeichnete es als «Schande für das Schweizer Gastgewerbe». Hauptkritikpunkte sind das ältliche Interieur, schmutzige Badezimmer und der Strassenlärm.

Mein Einzelzimmer habe ich für 105 Franken gebucht. Der erste Eindruck: Im Entree grüssen eine Mülltonne und ein voller 110-Liter-Kehrichtsack. Im Lift warnt ein laminiertes Schild: «Schwarze Linie am Boden nicht betreten», denn eine Innenkabine fehlt. Ich befolge den Rat und erreiche heil den 2. Stock, wo mich eine junge Réceptionistin professionell und freundlich empfängt – und mich mit valablen Tipps fürs Abendessen versorgt.

Die Lampe ist und bleibt defekt

In meinem Zimmer tappe ich erst einmal im Dunkeln: Die Lampe am Eingang ist defekt. Trotz Reklamation wird sie während meines Aufenthalts nicht ersetzt. Die Vorhänge sind ausgebleicht, der Laminatboden ist uneben, der Röhren-TV winzig und der versprochene Radio inexistent. Dafür ist das Zimmer ordentlich sauber. Die Einrichtung verströmt aber den Charme eines Heilsarmee-Gästehauses aus den 70er-Jahren.

Im Badezimmer haben sich in den Bodenecken eingetrocknete Körperhaare und Hautschuppen meiner Vorgänger festgesetzt. Die Armaturen sind arg verkalkt. In der Duschnische macht sich ein rötlicher Fugenpilz breit, in der WC-Schüssel ein grauer Belag. Die Frottierwäsche ist ausgebleicht und ausgefranst. Immerhin: Warmwasser für eine abendliche Dusche hats genug.Auch etwas Surfen vor dem Einschlafen liegt drin, das WLAN funktioniert – zum Preis von 10 Franken pro Stunde.

Das Bett ist breit und lang, die Matratze angenehm fest. Ich schlafe gut – wohl auch, weil mein Zimmer zum ruhigen Innenhof rausgeht. Ein Frühstück, das diesen Namen verdient, gibt es im Continental allerdings nicht – auch nicht gegen Aufpreis. Das Angebot beschränkt sich auf (über Erwarten guten) Kaffee, Tee, Fruchtsaft, Milch und Wasser.

Stern «freiwillig abgegeben»

«Wir werten die Onlinebewertungen aus und sind uns deshalb gewisser Mängel bewusst», sagt Dominik Zuber, Mitglied des Verwaltungsrats und Geschäftsführer der MCC Consulting AG, die das Haus seit 2006 gepachtet hat. Erst Mitte Oktober habe man daher einen der bisher drei Sterne «freiwillig abgegeben» und die Preise nach unten korrigiert.

Im kommenden Jahr soll das Continental geschlossen und in Business-Apartments umgebaut werden. Die Besitzerin – die CS-Anlagestiftung – habe die MCC zuvor lange über eine Gesamtrenovation im Unklaren gelassen, weshalb nur die dringendsten Sanierungsarbeiten getätigt worden seien. Was die mangelhafte Sauberkeit betreffe, werde man «die Reinigungsfirma kontaktieren».Dass auch für ein Zweisternhaus gemäss gängigen Kriterien ein Frühstücksangebot erforderlich ist, war Zuber «schlicht nicht bewusst».

Doch die Sterne des Continental sind grundsätzlich von zweifelhaftem Wert: Gegenüber dem «Bund» bestätigt der Verband Hotelleriesuisse schriftlich, das Continental seit sechs Jahren nicht mehr bewertet zu haben – während Zuber behauptet, von dem Branchenverband bis 2012 mit drei Sternen ausgezeichnet worden zu sein. Passend wäre höchstens einer. (Der Bund)

Erstellt: 01.11.2012, 08:10 Uhr

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