Ein «Familienfest» gegen das WEF

Aktivisten haben in Bern zu einem WEF-kritischen «Familienfest» aufgerufen. Der städtische Sicherheitschef
 Reto Nause (CVP) ist von dessen Familienfreundlichkeit nicht überzeugt.

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Ein brisantes Wochenende steht vor der Tür. Während sich in Davos ranghohe Politiker, Unternehmer sowie Grössen aus Kultur und Sport zum Weltwirtschaftsforum einfinden, demonstrieren schweizweit die Gegner.

Auch in Bern wurde Widerstand angekündigt. Am Freitagnachmittag laden die Jungen Alternativen zu einer Gegenveranstaltung mit «WEF-Leiterlispiel» auf dem Bahnhofplatz. Am Samstag plant die Revolutionäre Jugendgruppe Bern (RJG) ein Anti-WEF-Fest auf der Schützenmatte.

Tragweite und Konfliktpotenzial des Letzteren ist schwierig abzuschätzen. Auf der Internetseite Indymedia.ch wirbt die RJG für ein unbedenklich scheinendes «Festen gegen das WEF» – ein nachmittägliches Familienfest für Kinder, Jugendliche und Junggebliebene sowie Konzerte am Abend.

In einem weiteren Aufruf schreibt die RJG allerdings von einem «Aktionstag» und illustriert das Vorhaben mit einem provokativen Plakat.

Polizei nicht informiert

Sicherheitsdirektor Reto Nause äussert Zweifel an einem «Familienfest». «Wenn man den Aufruf anschaut, ist die Familienfreundlichkeit meines Erachtens an einem kleinen Ort», sagte er gegenüber dem «Blick».

Das Anti-WEF-Fest vom Samstag ist nicht bewilligt. Für Marc Heeb, Leiter der Orts- und Gewerbepolizei, kein Novum: «In den letzten Jahren ist bei uns nie ein Bewilligungsgesuch für eine Anti-WEF-Veranstaltung eingereicht worden.»

Der Verzicht auf ein Gesuch ist schon wie eine Tradition. «Ich erfahre jeweils erst durch die Medien, wann und wo welche Anlässe geplant sind», sagt Heeb.

Die Kantonspolizei Bern traf bereits erste Vorkehrungen. Sie habe Kenntnis von verschiedenen Aktivitäten und beobachte die Situation, sagt Mediensprecherin Ramona Mock auf Anfrage. Man ist vorbereitet: «Ein entsprechendes Dispositiv ist im Einsatz.»

«Überdimensionierter Einsatz»

Bereits in vergangenen Jahren waren Anti-WEF-Aktionen in der Stadt Bern ein heikles Thema. Die letzte grosse Kundgebung, die «Wipe out WEF»-Demo von 2012, wurde durch ein frühes und umstrittenes Einschreiten der Polizei vereitelt.

Mehrere Hundert Beamten kesselten dabei einen Teil der Demonstranten bereits auf dem Weg zu ihrem Besammlungsort bei der Heiliggeistkirche ein, führten Personenkontrollen durch und nahmen schliesslich 172 Personen in Gewahrsam.

Neben den Aktivisten befanden sich auch Passanten im Kessel. Einer Gruppe von rund 150 Personen gelang es trotzdem, einen Demozug durch die Stadt durchzuführen.

Im Anschluss an den Vorfall war der Tenor zum Polizeieinsatz vielerorts kritisch. «Überdimensionales Polizeiaufgebot», «Gewaltbereitschaft» der Sicherheitskräfte mit «willkürlichen Personenkontrollen», lauteten die Reaktionen aus der Bevölkerung. Die Menschenrechtsorganisation Augenauf forderte infolgedessen eine Untersuchung der Polizeiaktion.

2013 versuchten es die Aktivisten mit einem neuen Konzept und wendeten eine subversive Taktik an: Im Halbstundentakt machten sie in der Innenstadt in Form von Aktionen wie Flashmobs und Mini-Demos auf sich aufmerksam. Bevor die Sicherheitskräfte eingreifen konnten, war die Chose schon wieder vorbei.

So kam es auch im vergangenen Jahr zu einer derartigen «No-WEF-Rally», der rund 50 Demonstranten beiwohnten. Diese Aktionen blieben aber grösstenteils friedlich.

Mit Musik und Alternativwährung gegen Kapitalismus

Zum fünfzehnten Mal findet am Samstag ausserdem die Tour de Lorraine statt. Was als Beizentour zur Finanzierung von Anti-WEF-Demonstrationen begann, transzendierte zu einem etablierten Sozialforum.

Pünktlich zum Weltwirtschaftsforum wird im Berner Lorrainequartier sowie beim Bollwerk und der Reitschule mit Musik, Filmen und Workshops gegen Globalisierung und Kapitalismus angefestet. Dabei wird der Fokus nicht auf die Kritik, sondern auf die Präsentation gelegt, wie es vonseiten der Veranstalter heisst.

Heuer steht der Anlass unter dem Motto Geld beziehungsweise Alternativwährung. Am Donnerstagaben wird die Währung Bonobo – «Bon ohne Boss» – lanciert. Sie dient dem Zweck, «demokratisch organisierte, sozial und nachhaltig handelnde, nicht profitorientierte Betriebe und Projekte zu vernetzen und zu unterstützen». (Der Bund)

Erstellt: 22.01.2015, 10:29 Uhr

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Chronik der Anti-WEF-Demos Krawalle und Kleinaktionen prägten die Anti-WEF-Demos in der Stadt Bern.

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