Ebrietas: Neue Bar lockt Freunde der harten Musik an

Der Rock und Metal Club Ebrietas in Bern hat seit Anfang April an der Aarbergergasse geöffnet. Im Interview zieht der Gründer Philipp Kessler ein erstes Fazit, das positiv ausfällt.

  • loading indicator

Philipp Kessler, Sie führen seit zwei Jahren die Bar Ebrietas in Zürich. Wie sind Sie auf die Idee gekommen, eine Metal-Bar zu eröffnen?
Meine Freundin und ich haben zufällig mitbekommen, dass im Haus, in dem wir wohnen, eine Bar frei wird. Da wir beide in der Gastro-Branche tätig sind und gerne Metal hören, kam die Idee auf eine Bar aufzutun. Wir haben in nur knapp zwei Wochen ein Konzept geschrieben und die Bar umgestaltet. Die ersten Wochen verliefen erwartungsgemäss gut. Und nun nach zwei Jahren haben wir eine ansehnliche Stammkundschaft und eine Crew, die ohne unsere Anwesenheit funktioniert. Es ist schon fast ein Selbstläufer.

Haben Sie sich deshalb entschieden, in Bern eine weitere Bar zu eröffnen?
Ja, so in etwa. Nachdem die Bar in Zürich gut lief und sich die Automatismen eingestellt hatten, suchte ich nach einem neuen Lokal in Zürich – nicht zwingend für eine weitere Metal-Bar, es hätte auch ein anderes Thema sein können. Doch dann erfuhr ich, dass in Bern eine gutgelegene Räumlichkeit frei wird. Und da wir in Zürich immer wieder Besucher aus Bern haben und diese mir gesagt haben, dass ich dasselbe doch auch in Bern machen könnte, schien diese Möglichkeit gerade zum richtigen Zeitpunkt zu kommen.

Hat sich Ihr Team diesmal länger Zeit gelassen?
Ja und das war auch bitter nötig. Als wir den Raum zum ersten Mal besichtigten, waren wir zunächst skeptisch, die Atmosphäre war unsympathisch. Doch nach reichlicher Überlegung haben wir uns entschieden, es zu versuchen. Die Bar war völlig hinüber. Der Hauptteil der Renovation umfasste deshalb die Entsorgung der alten Möbel und Gegenstände des Vorgängers, der Mixed Bar. Es dauerte fünf Wochen bis wir zum ersten Mal die Pforten für die Gäste öffnen konnten.

Wie war der Eröffnungsabend?
Den kann man als voller Erfolg werten. Wir hatten im Verlauf des Abends knapp 300 Gäste. Die Stimmung war sehr angenehm, obwohl so viele böse Menschen in dunklen Kleidern und seltsamen Frisuren sich in und vor der Bar aufhielten (lacht). Am nächsten Wochenende stieg die Zahl der Besucher sogar an. Grundsätzlich bin ich überrascht, wie gut der erste Monat verlief. Auch der zweite läuft bis jetzt ordentlich doch ist ein kleiner Rückgang zu bemerken. Wir sind uns aber bewusst, dass nun der Sommer kommt und somit die Gäste lieber im Freien ihre Abende geniessen wollen und dass wir vor einer schwierigen Phase stehen. Dennoch bin ich mir sicher, dass spätestens ab September die Kurve nach oben zeigen wird. Wir werden den Entwicklungen der nächsten Monate mit aktiver Werbung entgegenzuwirken versuchen.

Scheinbar ist eine Nachfrage für eine Metal-Bar in Bern da. Was sind die Ziele von der Ebrietas Bar?
Bei uns geht es um Musik und Bier. Wir wollen mit unseren Gästen eine gute Zeit verbringen und gute Musik hören, die in anderen Bars nicht zu hören sind. Weiter wollen wir zum Umschlagpunkt werden, indem sowohl Freunde der harten Musik, als auch Bands und Veranstalter miteinander ins Gespräch kommen können. In Zürich haben sich schon zwei Paare in unserer Bar kennengelernt und dann später geheiratet. In Bern erhoffen wir uns natürlich Ähnliches. Hier haben wir den Vorteil, dass es in der Nähe nichts Vergleichbares gibt. Dadurch hoffen wir mit unserem Angebot Menschen aus der Umgebung und vielleicht sogar aus der Westschweiz abholen zu können. Unser Bier-Angebot ist sehr breit und trägt mit Sicherheit seinen Teil bei, um mehr Gäste anzulocken.

Sie haben es bereits angesprochen: Die Klischees der bösen Metalheads. Da man auch vor der Ebrietas Bar unter den Lauben ein Bier trinken kann, sind sie den Blicken der normalen Stadtbewohnern ausgesetzt. Gab es da schon Reibungsmomente?
Das habe ich bis jetzt nicht erlebt. Die Menschen sehen zwar beim Vorbeilaufen einen Block schwarzgekleideter Menschen mit langen Haaren, Lederjacken und Nietengürteln und denken sich sicher etwas dabei. Aber ich habe das Gefühl, dass diese Subkultur in Bern sehr toleriert wird. Man sieht viel mehr Leute dieser Szene auf der Strasse als in anderen Städten. Es setzen sich auch normale Menschen vor der Bar an unseren Tische. Der Reiz ist wohl, dass es keine 0815-Bar ist, die man sonst schon genug in der Stadt hat. Im Prinzip sitzt man draussen in einer Reihe von anderen Bars mit Aussenplätzen. Dass man bei einer Metal-Bar sitzt, realisiert man erst, wenn man entweder den tätowierten Kellner sieht oder hinein auf das WC muss.

Eine Bar wird auch an den Zahlen gemessen. Wie viele Besucher haben Sie an einem normalen Samstagabend?
Ich habe feststellen müssen, dass der Donnerstag manchmal besser läuft als der Samstag. Das ist erstaunlich. Grundsätzlich haben wir einen Durchlauf von 150 – 250 Gästen. Permanent sind es etwa 100, dann ist es aber äusserst voll bei uns. Weiter spielen natürlich noch die Konzerte in der Stadt eine Rolle. Wenn mal wieder ein Metal-Anlass ansteht, kommen die Leute zunächst bei uns vorbei, stimmen sich auf den Abend ein, gehen ans Konzert und kommen dann wieder bei uns vorbei, um den Abend ausklingen zu lassen.

Die Bar in Bern trägt denselben Namen wie in Zürich. War es von Anfang an klar, dass das so sein wird?
Nein, das war nicht klar. Zunächst haben wir andere Namen im Kopf gehabt und auch schon Logos gemacht, die ähnlich wie das Ebrietas-Logo aussehen und auch Lateinisch waren. Aber irgendwann kamen wir zum Entschluss, dass es marketing-technisch besser ist, die Marke Ebrietas hier in Bern weiterzuführen, weil es mittlerweile einen Wiedererkennungswert hat. Auch nach knapp zwei Monaten besuchen uns Metalheads aus Bern, die zwar gar nicht gewusst haben, dass es in ihrer Stadt eine Metal-Bar gibt, aber die Marke Ebrietas kennen. Sobald man den Namen hört, weiss man, was einem erwartet. Das ist das Ziel jeder Marke.

DerBund.ch/Newsnet

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt