EWB fühlt sich fit für 
Strommarkt-Liberalisierung

Anders als Gemeinderat Reto Nause (CVP) befürwortet EWB-Chef Daniel Schafer die Marktöffnung.

Energie Wasser Bern hat einen tieferen Gewinn erwirtschaftet als im Vorjahr.

Energie Wasser Bern hat einen tieferen Gewinn erwirtschaftet als im Vorjahr.

(Bild: Adrian Moser)

Simon Thönen@SimonThoenen

Die sehr tiefen Strompreise auf dem europäischen Markt setzen auch den Stadtberner Versorger Energie Wasser Bern (EWB) unter Druck. Dies gilt insbesondere für eine Anlage in der Energiezentrale Forsthaus: das Gas- und Dampfkombikraftwerk. Bereits im ersten Betriebsjahr 2013 produzierte das Gaskraftwerk rund fünfmal weniger Strom, als technisch möglich wäre – die Stromproduktion lohnte sich nur an sehr kalten Wintertagen. Doch auch 2014 waren der Herbst und Winter überdurchschnittlich warm – die Produktion des Gaskraftwerks sank erneut, von 71 auf 17 Millionen Kilowattstunden (kWh).

Abschreiber auf Gaskraftwerk

Für die Umwelt ist dies kein Nachteil, da die Stromproduktion mit Gas zum Ausstoss des Treibhausgases CO2 führt. Für die finanzielle Situation von EWB hingegen schon. Wie schon im Vorjahr musste EWB 2014 einen Sonderabschreiber auf dem Gaskraftwerk vornehmen, diesmal um 7,5 Millionen Franken. Der Jahresgewinn von EWB reduzierte sich von 44,6 Millionen Franken im Vorjahr auf 32,7 Millionen 2014.

«Die sinkenden Marktpreise sind insbesondere für Energieversorger mit eigenem Produktionspark eine grosse Herausforderung», schreibt das Unternehmen zum gestern publizierten Jahresabschluss. Denn Stromverkäufer mit wenig eigenen Kraftwerken können die Elektrizität, die sie ihren Kunden weiterverkaufen, zu Tiefpreisen auf dem europäischen Markt beschaffen.

Der Stadtberner Energiedirektor und Gemeinderat Reto Nause (CVP) hatte deshalb kurz vor Weihnachten vor einer raschen Marktöffnung gewarnt. Der Bundesrat will den Strommarkt 2018 auch für die Kleinkunden öffnen. Dies drohe städtische Energieversorger wie EWB zu benachteiligen, die bereits stark in den Atomausstieg investiert haben, warnte die Stadtregierung.

EWB-Chef Daniel Schafer sieht die Marktöffnung trotz aktuell tiefer Marktpreise positiver. «Wir sind bereit, uns dieser Herausforderung zu stellen», betonte er gestern. Und zwar auf den geplanten Termin 2018 hin. «Der Markt ist letztlich das tauglichere Instrument als Fördermassnahmen und Subventionen.» Letztere könnten als Übergangsmassnahme sinnvoll sein, «doch es ist Zurückhaltung angebracht».

Anbieter von grünem Strom

Zudem ist der Markt für Grossverbraucher, die jährlich mehr als 100 000 kWh Strom verbrauchen, auch in der Schweiz längst offen. Nicht nur die grössten Verbraucher in der Stadt Bern wie die Verwaltungen von Bund und Kanton, die Universität oder das Inselspital, sondern auch Tausende von KMU-Firmen können bereits heute den Stromlieferanten wählen – und tun dies oft auch. Für rund die Hälfte des Stromverkaufs in Bern gelten laut Schafer bereits heute Marktbedingungen.

«Bisher hat EWB die Absatzverluste kompensieren können, die in der Stadt durch den Wechsel von Grosskunden entstanden sind», sagte Schafer. «Wir gewannen im selben Umfang neue Kunden ausserhalb Berns dazu.» Dabei gilt für EWB das Prinzip, dass es Grosskunden ausserhalb des eigenen Versorgungsgebiets nur Strom aus erneuerbarer Produktion verkauft. Daran werde EWB auch festhalten, wenn der Markt 2018 für die Kleinkunden geöffnet werde. «Wir wollen nicht möglichst billigen Strom verkaufen, sondern als bernischer Anbieter von erneuerbarer Energie auf dem Markt auftreten.»

Ende 2014 hat EWB seinen Strombezug aus dem umstrittenen französischen AKW Fessenheim an die BKW abgetreten. EWB rechnet damit, dass der – bedeutendere – Strombezug aus dem AKW Gösgen 2029 zu Ende geht. Nach Investitionen in ein Holzheizkraftwerk, das ebenfalls im Forsthaus steht, sowie in Wind- und Solarkraftwerke im Ausland will EWB in den nächsten Jahren vermehrt in Solarenergie in der Region Bern investieren.

DerBund.ch/Newsnet

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