Düstere Aussichten für den Gaskessel

Eine Überbauung auf dem Gaswerkareal sowie die geplanten Partyräume an der Nägeligasse drohen das Ende des Gaskessels in seiner heutigen Form einzuläuten. Die Betreiber wittern bereits eine «Kampagne».

In seiner heutigen Form gefährdet: Der Gaskessel.

In seiner heutigen Form gefährdet: Der Gaskessel. Bild: Adrian Moser

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Am 27. Oktober 1971 übergab Stadtpräsident Reynold Tschäppät (SP) dem Verein Berner Jugendzentrum den Schlüssel für den Gaskessel. Heute, 42 Jahre später, sehen die Betreiber des Jugendzentrums dunkle Wolken aufziehen. Die Stadt führe, angeleitet von Stadtpräsident Alexander Tschäppät (SP), «eine Kampagne» gegen den Gaskessel, schreiben sie in einer Medienmitteilung. Erst kürzlich sei ihr Mietvertrag durch eine einseitige Kündigungsklausel ergänzt worden. Zudem werden dem Gaskessel dringende Sanierungsmassnahmen verweigert. Schliesslich verweisen die Gaskesselbetreiber auf Aussagen von Tschäppät. Dieser habe schon mehrfach durchblicken lassen, dass er auf dem Gaswerkareal keine Zukunft für das Jugendzentrum sehe.

Tschäppät für Wohnnutzung

Will also ausgerechnet der Sohn von Reynold Tschäppät, Stadtpräsident Alexander Tschäppät (SP), den Gaskessel schliessen? «Ich bin der Meinung, dass sich das Gaswerkareal auch für eine Wohnnutzung eignen würde», sagt Tschäppät auf Anfrage. Er setze sich ausserdem dafür ein, dass es in der Innenstadt ein neues Jugendzentrum gebe.

Ausgangsmöglichkeiten für Jugendliche in der Innenstadt sieht auch das Nachtlebenkonzept vor. Konkret plant der Gemeinderat, das Parterre und das Untergeschoss des ehemaligen freien Gymnasiums an der Nägeligasse 2 für kulturelle Veranstaltungen freizugeben. Dieser Plan stösst bei den Gaskessel-Betreibern durchaus auf Zustimmung. «Wir können uns gut vorstellen, dort einmal im Monat eine Veranstaltung zu organisieren», sagt «Chessu»-Vorstandsmitglied Anic Roth. Sie macht aber eine Einschränkung: «Wir befürworten einen solche Umnutzung – jedoch nur als Ergänzung und nicht als Ersatz für den Gaskessel.» Doch genau dort liegt die Krux der Sache. Denn der Stadtpräsident sieht die Nägeligasse durchaus als Ersatz für den Gaskessel. Auf dem Onlineportal «Journal B» beschrieb Tschäppät einst, wie das Bern aussieht, auf das er in ein paar Jahren zurückblicken möchte: «Im Gaswerkareal vertrug sich das Wohnen nicht mit dem Partybetrieb des Gaskessels. Die Jugendlichen wollten ohnehin lieber im Zentrum feiern.»

Nebeneinander unwahrscheinlich

Die Umnutzung der Nägeligasse ist nicht das einzige Projekt, das den Fortbestand des Gaskessels in seiner heutigen Form gefährdet. So plant die Stadt auf dem Gaswerkareal eine grössere Wohnüberbauung (siehe Seite 13). «Das wird zu Nutzungskonflikten führen», sagt Stadtplaner Mark Werren. Vielleicht fänden sich Möglichkeiten, die Überbauung in einer Form zu realisieren, die ein Nebeneinander von Wohnen und Jugendzentrum erlaube. Er persönlich halte dies aber nicht für sehr wahrscheinlich. «Ich bin der Meinung, dass man für den Gaskessel eine andere Lösung wird suchen müssen», sagt Werren. Zu prüfen wäre vieles. Zum Beispiel, dass man die ganze Hülle des Gaskessels an einen anderen Ort auf dem Areal verschiebe. Oder aber, dass das Jugendzentrum in einem anderen Gebäude auf dem Gaswerkareal oder an einem zentraleren Ort in der Stadt Unterschlupf finde.

Mit der Planungsarbeit wurde die Losinger Marazzi AG beauftragt. Nationalrat Alec von Graffenried (Grüne) leitet das Projekt für die Generalunternehmung. «Falls sich der Gaskessel am heutigen Standort nicht mehr weiterbetreiben lässt, werden wir zusammen mit den Jungen für einen Ersatz auf dem Areal sorgen», verspricht er auf Anfrage.

Betreiber wollen gehört werden

Die Gaskessel-Betreiber würden nicht um jeden Preis auf dem jetzigen Standort beharren, sagt Anic Roth. Für sie sei einfach auch der Platz rund um die Hülle bedeutend. «Denn ein Partyraum alleine macht noch kein Jugendzentrum.» Roth spricht noch einen anderen Aspekt an: «Bis jetzt wurde viel über uns, aber wenig mit uns gesprochen.» Sie wünsche sich künftig einen stärkeren Einbezug von den Verantwortlichen.

Gegen «verordnete Freiräume»

Zustimmung erhält Roth vom Nachtleben-Aktivist und GFL-Stadtrat Manuel C. Widmer. Wenn man einen alternativen Standort für ein Jugendzentrum ins Auge fasse, müsse man die Jugendlichen von Anfang an mit einbeziehen. «Verordnete Freiräume funktionieren nicht», sagt Widmer. (Der Bund)

Erstellt: 28.09.2013, 10:14 Uhr

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