Drogentests für Stubenhocker

Bei Drogeninfo Bern Plus lassen ältere Konsumenten als an den Technopartys ihre Substanzen analysieren. Einige potenzielle Klienten meiden aber das Angebot – aus Angst vor Repression.

Bei Drogeninfo Bern Plus können Kosumenten ihre Drogen testen lassen.

Bei Drogeninfo Bern Plus können Kosumenten ihre Drogen testen lassen.

(Bild: Keystone)

Fabian Christl

Er ist männlich, 27 Jahre alt, wohnt in Bern, arbeitet und konsumiert ein- bis zweimal pro Monat Ecstasy oder Speed. So lässt sich etwa der durchschnittliche Klient von Drogeninfo Bern Plus (Dib) beschreiben, das von Rave it safe – dem Nachtlebenprojekt der Suchthilfestiftung Contact-Netz – in Zusammenarbeit mit dem Kantonsapothekeramt betrieben wird.

Seit einem halben Jahr können Konsumenten von Partydrogen jeden Mittwochabend im Lokal der kirchlichen Gassenarbeit an der Speichergasse ihre Pillen und Pulver vorbeibringen und auf die chemische Zusammensetzung testen lassen. Gestern zogen die Dib-Verantwortlichen vor Vertretern von Partnerorganisationen und Medienschaffenden eine erste Bilanz.

Partydrogen zu Hause nehmen

Ein Ziel von Dib ist, einen Zugang zu Personen zu erhalten, die zu Hause und nicht an Partys Drogen konsumieren. Aus den obligatorischen Beratungsgesprächen gehe hervor, dass etwa 30 Prozent der Nutzer zu der angestrebten Kategorie gehörten, sagte Andrea Suter von Rave it safe. Für regelmässige Partygänger ist das Angebot weniger zwingend. Seit 16 Jahren gibt es an ausgesuchten Veranstaltungen mobiles Drug-Checking, so der Fachausdruck für die Substanzanalyse von illegalen Drogen. Konsumenten können dann während der Party ihre Substanzen analysieren lassen und erhalten noch vor Ort das Ergebnis.

Die Besucher des Dib unterscheiden sich nicht nur durch die Wahl der bevorzugten Konsumlokalität. «Die Dib-Nutzer sind im Schnitt zwei Jahre älter als die Nutzer der mobilen Drug-Checking-Angebote», sagte Suter. Und sie stünden an einem anderen Punkt in ihrer «Konsumkarriere». So habe es etwa kaum Erstkonsumenten im Dib. Das könne bedeuten, dass der Konsum bewusster vonstattengehe. In manchen Fällen sei es aber auch so, dass die Probleme, die durch den langjährigen Konsum entstünden, sich schon stärker auswirkten. «Es lohnt sich jedenfalls, auch bei diesen Konsumenten genau hinzuschauen.»

Vor allem MDMA und Speed

Bis dato wurden im Rahmen des Dib 183 Substanzen getestet. Für die Analyse zuständig ist Daniel Allemann, Labormitarbeiter vom bernischen Kantonsapothekeramt. «Ein Vergleich zwischen den Ergebnissen aus den mobilen Tests und denen aus dem Dib ist eigentlich statistischer Quatsch», sagte er. Trotzdem liessen sich gewisse Aussagen machen. So testet er stationär verhältnismässig mehr Amphetamine (Speed), mobil mehr MDMA – der Hauptinhaltsstoff von ­Ecstasy.

Grundsätzlich überwiegen aber die Gemeinsamkeiten. Mobil wie stationär sind MDMA, Amphetamine und Kokain die häufigsten Substanzen. Weitere Drogen wie das Methamphetamin Crystal Meth werden ihm nur sehr selten zum Analysieren mitgegeben. Im letzten halben Jahr waren es genau zwei Proben.

Laut Suter hat dies zwei Gründe: Erstens sei Crystal Meth hierzulande wenig verbreitet. Und zweitens würden Konsumenten von Methamphetaminen stark stigmatisiert. Das führe dazu, dass sie sich nur gegenüber Mitkonsumenten bekennen. «Crystal-Meth-Konsumenten bleiben am liebsten unter sich.»

Polizei hält sich zurück

Es sind aber nicht nur Crystal-Meth-Konsumenten, die den Weg ins Dib scheuen. «Wir haben schon mehrmals von potenziellen Klienten gehört, dass sie aus Angst vor Polizeikontrollen auf das Angebot verzichten», sagt Suter. Der zentrale Ort an der Speichergasse sei deshalb nicht nur vorteilhaft. «Allerdings ist es unseres Wissens noch nie zu einer Kontrolle gekommen.»

Auch Christian Münger von der Sondereinheit Krokus, der am Vernetzungstreffen anwesend ist, versucht allfällige Ängste zu zerstreuen. «Das Dib ist zwar kein rechtsfreier Raum, aber wir belagern es bestimmt nicht.»

Der Bund

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