«Die meisten Opfer berichten, dass ihr Getränk seltsam geschmeckt habe»

Was sind K.-o.-Tropfen, und wie wirken sie überhaupt? Antworten des Toxikologen Wolfgang Weinmann von der Universität Bern.

«Liquid Ecstasy»: GBL-Tropfen im Röhrchen. (Archiv)

«Liquid Ecstasy»: GBL-Tropfen im Röhrchen. (Archiv)

(Bild: Keystone)

Gianna Blum

Professor Weinmann, was sind K.-o.-Tropfen überhaupt? Wie der Name schon sagt, handelt es sich um eine Lösung mit betäubender Wirkung, die Speisen oder Getränken beigemischt wird. Der Begriff «K.-o.-Tropfen» kann eine ganze Reihe von Substanzen und Betäubungsmitteln bezeichnen. Sehr häufig ist damit GHB/GBL, besser bekannt als Liquid Ecstasy, gemeint, ein zentral wirksames Hypnotikum.

Wie schnell wirkt GHB, und was passiert genau? Flüssig verabreicht, tritt die Wirkung bereits innerhalb einer Viertelstunde ein. Zuerst wird einem Opfer häufig übel, bis es in einen Dämmerzustand bis zur Bewusstlosigkeit gleitet, häufig hat es zudem einen Gedächtnisverlust zur Folge. Entscheidend ist die Dosis und das Körpergewicht des Opfers. Je nach Dosis kann die Wirkung einem Glas Rotwein auf nüchternem Magen entsprechen, aber auch Bewusstlosigkeit oder gar Kreislaufversagen bis hin zum Tod verursachen. Wenn Alkohol im Spiel ist, ist die Wirkung deutlich stärker.

Wie lange wirkt es? Wenn GHB oder Liquid Ecstasy einmal abgebaut ist, verliert sich die Wirkung sehr schnell, da sind schon Leute selbstständig direkt aus der Intensivstation spaziert. Eine Dosis von zwei Gramm verliert die Wirkung bereits nach einer Stunde, im Blut ist es vielleicht sechs, im Urin zehn bis zwölf Stunden nachweisbar.

Kann man herausschmecken, ob zum Beispiel GHB einem Getränk beigemischt wurde? Zum Teil. Je nachdem in welcher Form es verabreicht wurde, kann ein bitterer Geschmack feststellbar sein. Die meisten Opfer berichten, dass ihr Getränk seltsam geschmeckt habe.

Sind K.-o.-Tropfen schwierig zu bekommen? Nein, im Internet lässt sich GBL relativ einfach bestellen. Allerdings nur im Ausland, in der Schweiz ist es der Betäubungsmittelverzeichnisverordnung unterstellt.

Ist die Annahme richtig, dass vor allem Frauen Opfer werden? Die Annahme stimmt schon, vor allem Frauen melden sich mit dem Verdacht, aber nicht ausschliesslich. Das Ziel, einem Opfer K.-o.-Tropfen zu verabreichen, ist nicht zwingend ein Sexualdelikt. Es gab auch schon Raubüberfälle, bei denen das Opfer im Vorfeld betäubt worden ist.

Professor Doktor Wolfgang Weinmann leitet die Abteilung Toxikologie/Chemie am Rechtsmedizinischen Institut der Universität Bern.

DerBund.ch/Newsnet

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