Die bewährte Transporthilfe kommt endlich zum Einsatz

Der reparierte Schütze ist zurück auf seinem Brunnen in der Marktgasse. Der heikle Transport verlief ohne Zwischenfälle – denn dieses Mal kam ein Spezialgerüst zum Einsatz.

Das Manöver: Der Schütze kehrt auf seinen Brunnen zurück.

Das Manöver: Der Schütze kehrt auf seinen Brunnen zurück.

(Bild: Manu Friederich)

Heute manövrierten die Bildhauer Richard und Heidi Wyss den Schützen mit einem Kran auf den Schützenbrunnen in der Marktgasse. Die Aktion war wegen des schlechten Wetters von Mittwoch- auf Donnerstagmorgen verschoben worden.

Zunächst befreiten sie die lebensgrosse Statue aus einer Holzkiste. Transportiert wurde der Schütze in einer Art Käfig, eingeklemmt in Eisenstangen, angebunden und gepolstert. «So kann er sich nicht bewegen oder verletzen», sagt Heidi Wyss. Zentimeter für Zentimeter zogen sie den Käfig vom Gerüst aus in die Höhe. Der 450 Kilogramm schwere Schütze in Halbharnisch zog die Blicke von Passanten auf sich und stand Handykameras Modell. Oben angekommen, fuhr er an einer Schiene ins Gerüst hinein. Nach über drei Stunden stand die Statue wieder breitbeinig an ihrem alten Platz. Zurzeit wird sie befestigt.

Steinbildhauer war informiert

Mit dem Käfig haben die Restauratoren auf eine bewährte Transporthilfe in der Stadt Bern gesetzt. Laut Richard Wyss wurde sie gebaut, nachdem jurassische Separatisten 1986 die Justitia-Figur vom Gerechtigkeitsbrunnen gerissen hatten. «Fachleute wissen, dass die Stadt das Spezialgerüst für Figurenbrunnen zur Verfügung stellt», so Richard Wyss. In der Regel sei es im Historischen Museum gelagert.

Davon hatte offenbar auch der Steinbildhauer Kenntnis, der im Auftrag der Stadt den Schützen vor den Bauarbeiten in der Marktgasse in Sicherheit bringen sollte. Als er die Figur entfernen wollte, brachen Schütze und Bär an den Fussgelenken entzwei. «Ich hatte den Käfig extra in Freiburg für diese Demontage geholt», so der Restaurator Michael Fischer, der bei der Stadt selbst eine Offerte gemacht hatte. Doch der beauftragte Steinbildhauer habe nicht auf seinen Rat gehört und die Transporthilfe nicht benutzt.

Für Wyss geht es zu wenig weit, dass die Stadt bei Figurenbrunnen in Zukunft Firmen bevorzugen will, «die eine spezielle Vorrichtung zur Sicherung der Figuren vorweisen können», wie sie Ende Juli mitteilte. «Eine Voraussetzung sollte sein, dass es Fachleute braucht», so Wyss. Jennifer Luginbühl von Hochbau Stadt Bern äussert sich auf Anfrage nicht zur Frage, ob dieses Kriterium bei der Vergabe von Aufträgen eine Rolle spiele. Der zuständige Projektleiter weilt zudem in den Ferien.

Verdrängt und gedreht

Der Unfall ist nicht die erste Turbulenz in der Geschichte des 471-jährigen Brunnenschützen. 1558 wurde vermutlich das Schwert und in den 1780er-Jahren das Fähnlein ersetzt. Seit 1939 blickt er in Richtung Westen und nicht mehr zum Zytglogge. Im selben Jahr verdrängte eine neue Tramlinie den Brunnen um 50 Meter nach Osten. 1995 restaurierten zum ersten Mal die Wysses den Schützen. «Man baut schon eine Beziehung zu den Figuren auf», sagen sie. Am Donnerstag und Freitag kleben sie die Statue noch mit Mörtel fest, dann verabschieden sie sich von ihr. Farbspezialist Michael Fischer übernimmt die Restaurierung der Farbfassung.

Mit der Zytglogge-Figur Hans von Thann frischte er dieses Jahr bereits eine andere prominente Stadtberner Figur auf. Die Arbeiten auf dem Gerüst dauern bis voraussichtlich Ende August. Die Attribute der Schützenfigur – Waffen und eine Fahne – renoviert Fischer nicht vor Ort, sondern im Atelier.

DerBund.ch/Newsnet

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