Die Schützenmatt sucht Anschluss

Am Samstagabend wurde auf der Schützenmatt eine hölzerne Bernmobil-Säule errichtet. Die Installation des Künstlers Juerg Lüdi nimmt sich des «Unorts» Schützenmatt an.

Künstler Juerg Luedi vor seiner hölzernen Bernmobil-Säule auf der Schützenmatt.

Künstler Juerg Luedi vor seiner hölzernen Bernmobil-Säule auf der Schützenmatt. Bild: Valérie Chételat

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Regenwolken drängen sich am Samstagabend über der Bundesstadt – und obschon sich die Karussels auf der Schützenmatt unverdrossen drehen, finden denkbar wenige Kinder den Weg an die Kilbi.

Fragte man Stadtrat Beat Zobrist (SP) weshalb die Leute ausbleiben, er würde wohl auf die fehlende Bushaltestelle hinweisen. Denn gegen den Regen hilft keine politische Motion – für eine Bushaltestelle hingegen schon: Zobrist reichte 2009 im Stadtrat eine Motion ein, die unter anderem die stadteinwärts führende Bushaltestelle vom Bollwerk an die Schützenmatt verlegen wollte. Im Februar 2012 doppelte er mit einem Postulat nach, das breiten Zuspruch fand. Es erstaunt also nicht, dass Zobrist an dem Abend dem Regen trotzt, da die Reitschule tatsächlich ihre eigene Bernmobil-Säule erhält.«Hätte ich nicht gedacht, dass mein Vorstoss so schnell umgesetzt wird», murmelt er und lächelt.

Den «randständigen» Stadtteil aufwerten

Mit ihm verfolgen rund zwanzig Personen unter Schirmen und hochgeschlagenen Mantelkrägen, wie zwei Schreiner an der unteren Ecke der Schützenmatt die hölzerne Säule errichten. Die treiben das erste Element in den Sockel, und sieben weitere ineinander, bis die Säule übermannshoch aufragt. «Bernmobil», steht zuoberst, «Reitschule 20», gleich darunter. Ohne Zweifel: eine Säule, wie sie an jeder Berner Bushaltestelle stehen könnte – fehlte da nicht das charakteristische Rot.

Wohlgemerkt: Eine Bushaltestelle gibt es an der Schützenmatt nach wie vor keine. Die Säule ist eine Kunstinstallation, ihr Schöpfer der Künstler Juerg Lüdi. Er gehört zur «Arbeitsgruppe Neustadt», einer Gruppe von Architekten, Künstlern und Politikern, die sich dafür einsetzt, den «randständigen» Stadtteil rund um Schützenmatt und Bollwerk aufzuwerten.

Visionen von unten

Passend dazu formuliert Lüdi das Ziel der Installation: «Die absurde Situation am untern Bollwerk verbessern». Eine Bushaltestelle habe stets ein vis à vis, hier aber fehle dieses. Mit der künstlerischen Verfremdung der originalen Bernmobil-Säule wolle er «irritieren und einen ‹Nicht-Ort› konstruieren» – die fehlende Bushaltestelle eben. Ein Stadtplaner habe ihm einst gesagt, er sei für Visionen nicht zuständig, die müssten schon von unten kommen. Voilà: «Die Stadt hat nun eineinhalb Jahre Zeit, sich etwas auszudenken», sagt Lüdi. Am 1. April 2014 soll die Säule wieder weg kommen.

Die Aktion «bus-stop» ist die erste in einer Reihe von 20 geplanten Interventionen der Gruppe NeuStadt. Sie haben zum Ziel, Vernetzung und Kommunikation zwischen den Kulturräumen PROGR, Kunstmuseum, Reitschule und Stadttheater zu fördern. Das Budget der Installation beläuft sich laut Künstler Juerg Lüdi auf 7500 Franken. An den Kosten beteiligt sind die Kunstkomissionen von Stadt und Kanton, die Burgergemeinde Bern sowie die Reitschule und deren Förderverein.

Applaudiert wird nach Fertigstellung der Säule nicht, Lüdi hält auch keine Ansprache. Er betrachtet die Säule nur von allen Seiten und scheint zufrieden mit seiner «Intervention». Ein Anwesender raunt: «Ich hätte gedacht die wär farbig.» (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 22.04.2012, 09:11 Uhr

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