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Kandidatensuche für den Stadtrat: Was macht die GLP besser als die BDP?
Die städtische BDP hat nur 14 Kandidierende für den Stadtrat gefunden. Die ebenfalls junge und kleine GLP brachte dagegen eine volle Liste zustande.
464 Frauen und Männer bewerben sich um einen Sitz im Berner Stadtrat. Besonders umkämpft sind links-grüne Stimmen. Im bürgerlichen Lager hat derweil eine Flurbereinigung stattgefunden.

464 Bernerinnen und Berner wollen diese Aussicht bald geniessen. Aber nur 80 werden es ins Rathaus schaff en
(Bild: Manuel Zingg)
Für manche war es ein Fotofinish. Gestern um exakt 12 Uhr lief für Berner Parteien die Frist ab, ihre Wahlvorschläge für die Stadtratswahlen vom 25. November einzureichen. Obwohl der Termin seit März bekannt war, gelang es einigen Parteien erst auf den letzten Drücker, die Unterschriften ihrer Kandidaten zu besorgen. Verschiedene Wahlkampfleiter schickten dem «Bund» kurz vor Ablauf der Frist mehrere überarbeitete Listen.
Aber nun ist es amtlich: 18 Parteien mit insgesamt 464 Kandidaten buhlen diesen Herbst um 80 Sitze im Stadtrat. Eine Auswertung des Kandidatenfelds ergibt Erstaunliches. Die grösste Berufsgruppe unter den Kandidaten sind die Studenten (44). Sie überflügeln die im Parlament traditionell stark vertretenen Juristen und Anwälte (27) sowie die Lehrer (22) und Unternehmer (11). Weiter fällt auf, dass jeder zweite Kandidat einen Hochschulabschluss vorweisen kann. Die Akademiker sind also übervertreten, etwa gegenüber den Hausfrauen: Nur 4 Kandidatinnen geben dies als Berufsbezeichnung an. Hausmänner sucht man auf den Listen vergebens.
Apropos Geschlechterfrage: Da gibt es wenig Neues: Mit 187 Kandidatinnen beträgt die Frauenquote rund 40 Prozent. Sie entspricht damit dem Frauenanteil im jetzigen Stadtrat.
Gerangel am linken Rand
Umso überraschender sind die Verschiebungen in der Stadtberner Parteienlandschaft: So gibt es im bereits hart umkämpften links-grünen Lager neue Konkurrenz. Erstens ist da die Piratenpartei, die sich mit einem akzentuiert libertär-ökologischen Programm, aber nur fünf Kandidaten (ausschliesslich Männer) ins Rennen stürzt. Zweitens versucht sich die Alternative Linke (AL) erstmals auf dem kommunalpolitischen Parkett. Drittens präsentiert auch die Juso eine eigene Liste, nachdem sie 2008 gemeinsamen mit der Mutterpartei ins Feld zog. Angesichts dieser kämpferischen Mitbewerber dürfte es insbesondere für die Kleinpartei JA (2 Sitze) schwierig werden, ihr Resultat von 2008 zu egalisieren. Der PDA (1 Sitz) droht gar das Ausscheiden aus dem Parlament. Bangen muss auch die GPB-DA (2 Sitze) und die etablierte Linke – SP, GB und GFL. Die SP muss nicht zuletzt den Rücktritt der populären Stadträtin Giovanna Battagliero verkraften. Ob sie mit der Journalistin Marieke Kruit den Aebischer-Effekt der Nationalratswahlen wiederholen kann? Eher düster sind die Aussichten der GFL: Links von ihr wird es eng, rechts wird sie von der GLP bedrängt, die ihren Wähleranteil weiter ausbauen will.
88-Jähriger träumt von Comeback
Eine Flurbereinigung hat derweil in der Mitte und im bürgerlichen Spektrum stattgefunden. Die Liberalsozialen, stets im Seitenwagen der CVP unterwegs, verzichten. Selbes gilt auch für Die Mitte und für die Jimy-Hofer-Liste. Deren Boss hat sich von der Politik abgewandt, sein Nachfolger Werner Pauli (Autopartei) gibt das Mandat Ende Jahr kampflos auf. Hofer-Mitstreiter Martin Schneider suchte Unterschlupf bei der BDP, die mit einem sehr überschaubaren Grüpplein zur Verteidigung ihrer sieben Sitze antritt.
Keine Liste eingereicht hat die rechtsbürgerliche Arbeitnehmer- und Rentnerpartei (ARP). Deren Patron, der rüstige Ernst Stauffer (Jahrgang 1924), will es dennoch nochmals wissen. Er ist auf der SVP-Liste aber nicht der Einzige, der von einem zweiten politischen Frühling träumt. Sechs Kandidaten haben der Politik bereits einmal den Rücken gekehrt. Ob der Stimmbürger die Comebackversuche der politischen Früh- und Spätrentner goutiert? Zweifel sind nicht unberechtigt.
Profitieren könnte davon die FDP, die 29 Kandidaten (9 Frauen) ins Rennen schickt. Der Jungfreisinn wird derweil versuchen, den 2008 mit Bernhard Eicher errungenen Sitz zu verteidigen. Erwähnenswert hoch ist hier die Ökonomenquote (36 Prozent). Rekordverdächtig tief hingegen der Frauenanteil (14 Prozent). Weiter rechts bringen es die SD, die ebenfalls einen Sitz zu verteidigen haben, sogar auf eine Frauenquote von null.
Während also im Parteiengefüge einiges in Bewegung ist, herrscht bei den Gläubigen Windstille: CVP, EVP und EDU haben eine Liste eingereicht und wollen ihre Sitze verteidigen.
Der Bund
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