Die Lorraine-Pflanzblätze sind alle schon vergeben

Gärtnern im Lorrainepark: Die Stadt übergibt das Blumenbeet testweise der Quartierbevölkerung. Bald könnten auch weitere Pärke von Bürgern bepflanzt werden.

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Christian Zellweger@@chzellweger

Noch nicht so lange ist es her, dass sich eine Truppe der Stadtgärtnerei über den Pflanzblätz im Lorrainepark beugte und ihn mit einem Blumenmuster versah. Nur Wochen später ist aus dem Blumenbeet wieder eine erdige Brache geworden.

Ein paar Blumen haben die Stadtgärtner ins umgegrabene Beet noch gesetzt und mit Schnitzeln Wege vorbereitet. Von nun aber sollen sich nicht mehr Stadtangestellte darum kümmern, dass es grünt im Lorrainepark – sondern die Quartierbewohner selbst.

Aus dem Parlament in den Park

«Essbare Stadt Bern» heisst das Postulat der AL-Stadträtin Christa Ammann, welches der Stadtrat Anfangs Mai für erheblich erklärt hatte. Nach dem Vorbild der Parkanlage Brünnengut sollen die Berner an geeigneten Orten eigenes Gemüse anpflanzen – in Parkanlagen und auf anderen öffentlichen Flächen. Davon profitiere die Öffentlichkeit, dazu sei das auch noch günstiger, als die pflegeintensive Wechselflor-Bepflanzung, bei der mehrmals im Jahr alle Blumen ersetzt würden, findet Ammann.

Im Lorrainepark wagt die Stadt nun einen Versuch, das Postulat umzusetzen. Interessierte aus dem Quartier können eine Parzelle im Lorrainepark pachten und selber bepflanzen, mit Gemüse, Kräutern oder Blumen. Der Boden sei für den Gemüseanbau geeignet und frei von Schadstoffen, schreibt die Stadt in einer Mitteilung.

Alles schon ausgebucht

Zwölf Parzellen stehen zur Verfügung, grössere für 20 Franken, kleinere für zehn Franken. Wer sich zum Stadtgärtner berufen fühlt, ist aber bereits zu spät: Alle Plätze sind schon weg, wie Walter Glauser von Stadtgrün Bern sagt. Wer einen Pflanzblätz erobern konnte, muss nur wenige Bedingungen erfüllen: «Angebaut werden darf alles, ausser invasive Neophyten und Hanf», sagt Glauser. Ausserdem sollten Saatgut, Setzlinge und Düngung biologisch sein. Die Pflanztipps vom Fachmann: «Wir sind etwas spät dran, darum empfehle ich schnell wachsendes Gemüse, etwa Tomaten, Fenchel, Rüebli oder Salat».

Der Testlauf dauert bis in den Herbst. Wenn sich das Projekt bewährt, könnten bald auch andere Grünflächen für urbane Gärtner freigegeben werden, so etwa beim Bahnhof Weissenbühl oder im Brünnenpark. «Der Platz muss im Quartier, nahe bei den Leuten sein. Er darf aber auch nicht zu zentral liegen», sagt Glauser. Auf der kleinen Schanze etwa hätte es wohl zu viele Passanten, die Gefahr des Vandalismus wäre zu gross.

Neu: Direkt im Boden

Gärtnern direkt im städtischen Boden – das ist neu in Bern. Urban-Gardening-Projekte der Stadt gibt es hingegen schon seit Längerem. So wird etwa am Burgernziel oder bei der Markuskirche in von der Stadt zur Verfügung gestellten Gefässen Gemüse angebaut. Diese – etwa zu mobilen Beeten umfunktionierte Einkaufswagen – werden von der Bevölkerung rege genutzt.

Nicht zuletzt grünt es auch nur wenige Meter vom Lorraine-Park entfernt, auf der Centralweg-Brache: Gemüse in Kisten oder Badewannen und wilde Blumen prägen den steinigen Platz. Wenn sich die Park-Gärtner so engagieren, wie diejenigen am Centralweg, gehört die braune Einöde im Lorrainepark bald der Vergangenheit an.

DerBund.ch/Newsnet

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