Die Lorraine feiert illegale Centralweg-Box

Trotz Einsprachen rechnet die Stadt Bern mit dem Bau des umstrittenen Projekts Baumzimmer. Das Böxli-Provisorium der Quartierbewohner hat sie nicht bewilligt.

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Naomi Jones

Die Glastür der Einzimmer-Holzbox auf der Baubrache am Centralweg ist offen. Musik läuft. Markus Schär halbiert einen Käselaib und bereitet sein Abschiedsfest vor. Der Biolandwirt geht für drei Jahre als Entwicklungshelfer nach Sambia. Sandra Ryf vom Nachbarschaftskomitee und Verein Hier baut das Quartier hat ihm den Schlüssel gebracht. Doch sein Fest wird illegal sein. Denn die Holzbox steht ohne Bewilligung auf der Brache.

Vor bald fünf Jahren hatte die Stadt den Bauwettbewerb für das Grundstück ausgeschrieben. Ursprünglich wollte die Stadt 2012 mit dem Bau beginnen. Gebaut wurde ausser der provisorischen Holzbox noch nichts.

Befristetes Gesuch abgelehnt

Nach einem Unterbruch steht das Böxli wieder auf der Brache. Darin finden nichtkommerzielle Anlässe von Leuten aus dem Quartier statt. Ein Schreinerkollektiv baute die Einraum-Holzbox für eine Ausstellung über günstiges Wohnen auf der Brache. Die Box ist 5 x 5 x 3 Meter gross, produziert eigenen Solarstrom und lässt sich mit einem kleinen Holzofen heizen.

Während drei Monaten durfte das Böxli ohne Baubewilligung auf der Brache stehen. «Wir haben letzten Sommer ein befristetes Baugesuch eingereicht. Wir möchten, dass das Böxli bis zum Baustart der Stadt von der Quartier­bevölkerung genutzt werden kann», erklärt Sandra Ryf. Die Stadt habe das ­Gesuch jedoch mit der Begründung abgelehnt, der Baustart des Projekts «Baumzimmer» stehe kurz bevor.

Im Februar sind die drei Monate abgelaufen. Seither stosse der Verein an jedem ersten des Monats auf die subversive Situation an, schreibt das Nachbarschaftskomitee in seinem Newsletter. Das Böxli sei «illegal, aber legitim». «Wir lassen es stehen, weil wir nicht einsehen, warum es nicht dort sein sollte, bis die Stadt wirklich baut», sagt Ryf.

Bei der Liegenschaftsverwaltung der Stadt Bern wisse man um die Situation, teilt die Adjunktin Dagmar Boss per E-Mail mit. Nach Ostern werde die Liegenschaftsverwaltung mit den Betreibern des Böxlis Kontakt aufnehmen.

Wann die Stadt baut und was ist noch ungewiss. «Nach wie vor ist beabsichtigt, die 13 Wohnungen am Centralweg zu bauen», schreibt Boss. Zurzeit laufe das Baubewilligungsverfahren. Laut Sandra Ryf sind verschiedene Einsprachen am Laufen. Sollte ihnen Recht gegeben werden, müsste die Stadt neu planen, so Ryf. Das Nachbarschaftskomitee Lorraine befürchtet die Gentrifizierung des Quartiers (der «Bund» berichtete). Auf ein Blatt an der Aussenwand der Box hat jemand geschrieben: «Wir wollen keine Yuppie-Bonzen. Baut hier ein Asylzentrum.» Eine Viereinhalbzimmerwohnung werde bis zu 2600 Franken pro Monat kosten, erklärt Ryf. «Wer soll sich das leisten können», fragt sie.

Der Bund

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