Die Kunst des Kampfes weiterführen

Der Fechtclub Bern blickt auf eine fast 100-jährige Geschichte zurück. Seit einem Jahrzehnt ist Maître Gabriel Nielaba für den Erfolg zuständig – an der Spitze wie in der Breite.

Der Maître Gabriel Nielaba im Training mit den Schweizer Team-Meisterinnen. (Manu Friedrich)

Der Maître Gabriel Nielaba im Training mit den Schweizer Team-Meisterinnen. (Manu Friedrich)

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Welche Sportart an der Gewerbestrasse 36 im Berner Länggassquartier betrieben wird, ist schon von aussen unschwer erkennbar: Über dem Eingang sind mit schwarzer Farbe zwei Fechter aufgemalt. Drinnen geht es erst durch einen langen, von Bildern, Pokalen und Trophäen gesäumten Korridor, bevor man in den grossen Raum mit den acht Bahnen gelangt. Fast 100 Jahre alt ist die Geschichte des Fechtclubs Bern, und in der Vergangenheit gab es einige Erfolge zu feiern.

Vor knapp zwei Wochen in Florimont, an den Schweizer Meisterschaften in der populärsten Disziplin Degen, wusste Maître Gabriel Nielaba kaum, wo hinschauen: Im Einzel wie im Team standen sowohl die Frauen als auch die Männer in den Finals, die jeweils parallel ausgetragen wurden. «Das war ein besonderes Erlebnis und eine grosse Ehre», sagt der 52-Jährige, der seit zehn Jahren für die Berner Fechter im Einsatz steht. Am Ende konnte Nielaba mit seinen Athleten fünf Medaillen feiern: eine goldene (Team Frauen mit Ramona Grindat, Simone Näf, Scout Bosshard und Gwendolyn Graf), drei silberne (Ramona Grindat, Michael Kauter und das Männer-Team mit Christoph Adank, den Gebrüdern Michael und Fabian sowie Cousin Vincent Kauter) sowie eine bronzene (Fabian Kauter).

Die Gebrüder Kauter, in deren Familie das Fechten Tradition hat, sind seit mehreren Jahren an der nationalen Spitze dabei und stehen auch international im Einsatz. Gestern Donnerstag reisten sie, zusammen mit Simone Näf, an das Weltcup-Turnier in Doha. Vor Augen haben alle drei aber vor allem eines: die Olympischen Sommerspiele 2012 in London. Dahinter stossen bei den Frauen bereits die Nächsten nach. So ist beispielsweise Ramona Grindat noch im Juniorenalter. Das Nachwuchskonzept, das vor zwei Jahren initiiert wurde, trägt erste Früchte.

Trainer und Handwerker

Nielaba ist als Fechtmeister für den ganzen Verein zuständig. Er kümmert sich vom Anfänger über die Breiten- bis zu den Spitzensportlern um alle – und auch um deren Waffen, die er in einer kleinen Werkstatt flickt. Beim Nachwuchs erhält er Support durch Andrina Baur, Wolfgang Senften und seinen Vater Henryk, der zuvor 20 Jahre die Geschicke des FCB geleitet hatte. Der Vorstand mit Präsident Matthias Peter sowie zwei zusätzliche Sponsoren unterstützen das Ganze organisatorisch und finanziell. Knapp die Hälfte der 150 Mitglieder, die den Berner zu einem der grössten Fechtclubs der Schweiz machen, sind Kinder. Wer von ihnen es bis an die Spitze schafft, darüber entscheide vor allem das Mentale, sagt Nielaba. «In 80 Prozent der Fälle entscheidet ein Treffer über Sieg oder Niederlage.» Deshalb arbeitet man beim FCB nun seit einiger Zeit mit dem Sportpsychologen Jörg Wetzel zusammen, der unter anderen auch SCB- und YB-Spieler betreut.

Was für Wetzel und seinen Kollegen Robert Buchli Neuland war, hat Nielaba quasi im Blut. Er lebt für das Fechten, und das nicht erst, seit er in Bern ist. Er war polnischer Juniorenmeister, schloss noch während seiner Aktivkarriere die Sporthochschule in Katowice mit einem akademischen Fechtdiplom ab und stand nach der Auswanderung nach Deutschland im Alter von 26 Jahren während fast zweier Jahrzehnte am Olympiastützpunkt Tauberbischofsheim im Einsatz. An der «Medaillenschmiede» in der Nähe von Stuttgart, wo 30 Maîtres auf 52 Bahnen 400 Fechter trainierten, sammelte er auch Erfahrungen als Cheftrainer der Rollstuhlsportler. Die Stühle, die er damals entwickelte, stehen nun in Bern. Zwar gibt es in der Schweiz keine Rollstuhlfechter, doch Nielaba hat erkannt, dass das Fechten im Sitzen auch für Nichtbehinderte von grossem Wert sein kann: Athleten, die sich an den Beinen verletzt haben, können weitertrainieren und dabei an der Technik feilen. Nur so war es möglich, dass Grindat ein Jahr nach ihrem Kreuzbandriss an der SM bereits eine Medaille holte.

Material für ein Museum

Noch immer greift Nielaba ab und zu zur Waffe, wenn er einem jüngeren Schüler etwas zeigen will. Und er spielt auch mit dem Gedanken, wieder an Wettkämpfen teilzunehmen. Fechten betrachtet er aber vor allem als Kunst, die in anderen Bereichen, wie Möbeldesign und Innenarchitektur, für ihn auch zum Hobby geworden ist. Alte Säbel, Florette und Degen sowie ausgediente Masken sammelt er in einem kleinen Raum in den Anlagen des Fechtclubs Bern. Material, das zusammen mit den Trophäen ein kleines Museum füllen würde. Doch der erfolgreichen Geschichte wollen Maître Nielaba und der Fechtclub Bern noch einige Kapitel anfügen. (Der Bund)

Erstellt: 11.02.2011, 08:24 Uhr

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