Die Kürbiskönige von Bern

Studenten initiierten einen kreativen Gärtner-Wettbewerb. Am Wochenende war Ernte.

Im Eichholz tauschen die Kürbisfreunde Anekdoten und Tipps aus.

Im Eichholz tauschen die Kürbisfreunde Anekdoten und Tipps aus.

(Bild: Matthias Käser)

Um ein Feuer an der Aare sitzen ein Dutzend junge Leute, es wird gegessen, getrunken, gelacht. Scheinbar eine gewöhnliche Grillparty an einem lauen Herbstabend. Lägen da nicht die Kürbisse auf dem Boden. Einer davon wird die Party nicht überleben.

Am Samstag trafen sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer eines Kürbis-Wettbewerbs namens «Crazy Pumpkin Challenge» auf der Eichholzwiese zur Preisverleihung. In der einen Kategorie wurde der grösste Kürbis gekürt. In der anderen Kategorie wurde der spektakulärste Ort in der Stadt Bern gesucht, an dem ein Kürbis gezüchtet worden war. Die Beweisfotos liegen auf der Facebookseite vor. Da sonnen sich orange Früchte auf dem Dach eines Institutsgebäudes der Universität Bern, strecken ihre grünen Ranken in der Aare auf einer Kiesbank beim Schwellenmätteli aus, verstecken sich auf der grossen Schanze oder in einem öffentlichen Blumentopf.

«Sich selbst übertreffen»

Treibende Kraft hinter der Aktion sind zwei Studenten und eine Studentin, die in der Stadt Bern wohnen. «Ich war vorher kein Hobbygärtner», sagt der 24-jährige Geograf Tobias, den seine Freunde als kreativen Kopf bezeichnen. In der WG-Küche begann er mithilfe der damaligen Mitbewohner Simon und Bettina, in Joghurtbechern Setzlinge zu züchten. Am 1. April 2013 starteten sie den Wettbewerb. «Ziel war es, die Leute zu motivieren, sich selbst zu übertreffen, und den Alltag etwas lustiger zu machen», so Tobias.

Simon, der auf dem Land aufgewachsen ist, findet es toll, «mehr Grün in die Stadt zu bringen». Allerdings sehe man sich nicht als Teil der Guerillagärtner-Bewegung, bei der ökologische und politische Motive zentral sind. «Ich hatte noch nie von Guerilla Gardening gehört», sagt Tobias. Der aus New York stammende Trend, bei dem auf öffentlichem Grund illegal Gemüse angebaut wird, ist seit geraumer Zeit auch in Schweizer Städten angekommen.

Implodierender Kürbis

Zu Fuss, per Velo, einmal gar im Schlauchboot setzten die Gärtner in Nacht-und-Nebel-Aktionen oder auch am helllichten Tag die Kürbisse in der Stadt Bern aus. Nicht alle waren nach dem Sommer noch da. Der Kürbis auf der Grossen Schanze wurde ausgerissen und ein Busch an dessen Stelle gepflanzt. Und eine Pflanze auf dem Kreisel Bühlstrasse wurde gemäht.Als die Suppe gegessen und die Kürbiskönige gekürt sind, folgt das Ritual zum Ausstreuen der Samen für die nächste Saison. Ein Kürbis soll in die Luft gesprengt werden. Das gelingt aber trotz Sprengkörper aus einem Fachladen nicht ganz. Der Kürbis implodiert mit einem «Plopp».

Der Bund

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