Die Ausgrenzung einer SP-Stadträtin

Die Organisatoren der Ausstellung «Nakba» im Kornhausforum attackieren die israelfreundliche Stadträtin Lea Kusano (SP). Eine GFL-Stadträtin stellt Kusano mit einem Bild auf Facebook bloss.

Fühlte sich an den Pranger gestellt: Lea Kusano.

Fühlte sich an den Pranger gestellt: Lea Kusano. Bild: Adrian Moser

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Dank der Ausstellung «Nakba» über die Vertreibung der Palästinenser im Jahr 1948 «kommt nun die Geschichte Palästinas nach Bern», sagte Gemeinderätin Regula Rytz (GB) in ihrem Grusswort zur Eröffnung. Dass die Ausstellung auch zu neuen Konflikten in Bern führen könnte, hätte sich Rytz wohl kaum träumen lassen. Kritische Äusserungen von SP-Stadträtin Lea Kusano in der Sendung «Schweiz aktuell» haben die Ausstellungsmacher dazu bewogen, sich in einem Brief an die Stadtratsmitglieder zu wenden. Kusanos Vorwürfe, die Ausstellung sei «antiisraelisch» und biete «keine sehr differenzierte Darstellung der Situation der palästinensischen Flüchtlinge», stützten sich nicht auf eine konkrete Kritik an den Ausstellungsinhalten, halten die Organisatoren im Schreiben fest. Nach dem Ausstellungsbesuch habe Kusano in einem Mail gar den Vorwurf erhoben, ein Teil der Trägerschaft würde «die Grenze zu rassistischen Äusserungen stark ritzen».

«An den Pranger gestellt»

Der per Mail versandte Brief zeigte in der Stadtratsdebatte vom Donnerstag umgehend Wirkung. Als sich Kusano mit Ratskollege Beat Gubser (EDU) unterhält, wird sie von Daniela Lutz (GFL) fotografiert. Die Psychiaterin stellt das Bild umgehend auf Facebook und Twitter mit dem Kommentar: «Was will uns dieses Bild sagen?» Gubsers EDU zählt zur fundamentalistischen Israel-Lobby. Auf Intervention von SP-Fraktionschefin Annette Lehmann hat Lutz das Bild kurz darauf wieder entfernt. «Ich fand dieses Vorgehen diffamierend und fühlte mich an den Pranger gestellt», sagt Kusano. Es komme ihr vor wie eine Art Hexenverfolgung. «Und dies nur deshalb, weil ich mich erdreistet habe, eine abweichende Meinung zu äussern.»

Fraktionschefin Lehmann ist erschüttert. Mit inhaltlicher Kritik habe sie keine Mühe. «Aber es ist inakzeptabel, auf Personen zu zielen und diese zu diffamieren.» Sie werde ihre Kritik noch persönlich bei den Ausstellungsmachern vorbringen. Dass Kusano mit ihrer anderen Haltung ein Tabu bei der SP verletzt habe, stellt Lehmann in Abrede. «Selbstverständlich darf man auch als SP-Mitglied eine eigene Meinung zum Nahostkonflikt haben.» Ob es sinnvoll sei, diese Haltung gleich im Fernsehen zu vertreten, sei dahingestellt, sagt Lehmann.

Alles nur ein Witz?

«Kusanos Äusserungen tragen nicht zum Frieden bei», sagt Stadträtin Daniela Lutz (GFL). Sie habe sich über die pauschale Diffamierung der Ausstellung geärgert und habe «einen Witz machen wollen», der ebenso wenig intelligent wie die Äusserungen Kusanos gewesen sei. «Hätte Kusano eine differenzierte Aussage gemacht, hätte ich mich kaum dazu geäussert», sagt Lutz.

«Kusano hat angekündigt, die Unterstützung der Stadt für die Ausstellung infrage zu stellen», sagt Organisator Matthias Hui von der kirchlichen Fachstelle für Ökumene, Mission und Entwicklungszusammenarbeit (OeME). Deshalb habe er sich an die Stadtratsmitglieder gewandt. Dass er im Schreiben ein Zitat Kusanos aus einem internen Mail wiedergegeben habe, sei ein Fehler gewesen. Er wehre sich aber «mit Händen und Füssen» dagegen, wenn er als Ausstellungsorganisator in die Nähe von Rassismus und Antisemitismus gestellt werde.

Hui verwahrt sich dagegen, die SP-Stadträtin an den Pranger gestellt zu haben. «Sie hat sich selber in der Öffentlichkeit exponiert und musste mit Reaktionen rechnen», sagt Hui. (Der Bund)

Erstellt: 17.11.2012, 08:14 Uhr

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