Die Annäherungsversuche tragen erste Früchte

Schlachthaus-Theater und Dampfzentrale entwickeln gemeinsame Pilotprojekte.

Kulturpolitische Baustelle: Das Schlachthaus während des Umbaus 2013.

Kulturpolitische Baustelle: Das Schlachthaus während des Umbaus 2013. Bild: Adrian Moser

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Monatelang lag sie brach, die Website Kulturtransparent.be, auf der die Schritte im Kooperationsprozess zwischen der Dampfzentrale und dem Schlachthaus-Theater publik gemacht werden sollten. Seit Dezember 2013 diskutieren die Häuser eine engere Zusammenarbeit; die Abteilung Kulturelles hatte die angestrebte Subventionserhöhung für die Periode 2016–19 an die Bedingung geknüpft, dass die Institutionen zusammenzuführen seien. Das hatte im vergangenen Jahr vor allem im Schlachthaus und in der freien Theaterszene für Unmut gesorgt. Eine Fusion steht im Moment nicht bevor; der Gemeinderat hat letzten Herbst eine zweijährige Übergangsfrist eingeräumt, um Formen der Kooperation zu prüfen.

Nun hat sich auf Kulturtransparent.be etwas getan: Der Schlussbericht der ersten Phase der Annäherung liegt vor. Er rekapituliert, was bis Ende 2014 geschehen ist: Unzählige Sitzungen und Workshops führten zu vier Szenarien, welche in der sogenannten Spurengruppe formuliert wurden; ihr gehören Vertreter beider Institutionen sowie weitere Personen aus der Kulturszene an.

«Keine UFOs einfliegen»

Diese vier Szenarien decken die ganze Spannweite möglicher Kooperationen ab und reichen von einer punktuellen Zusammenarbeit, wie sie schon heute der Fall ist, bis zur Idee eines einzigen Gremiums, das für beide Häuser plant und programmiert. Zwei dieser Szenarien werden nun weiterverfolgt, wobei diese sich nicht ausschliessen: Das eine ist strategisch ausgerichtet, während das andere auf konkrete gemeinsame Projekte abzielt.

Unter dem Titel «1 + 1 = 3» entwickeln die Leiter der Häuser, Maike Lex und ­Georg Weinand, Ideen für Pilotprojekte. «Bis August sollten wir unseren Vorständen ein konkretes Projekt oder mehrere vorstellen können», sagt Schlachthaus-Leiterin Maike Lex. Die Idee dabei sei, gemeinsam etwas zu realisieren, wozu die Häuser allein nicht in der Lage wären. Was das genau sein könnte, darüber möchte sich Lex im Moment noch nicht äussern. Nur so viel: «Wir werden nicht irgendwelche UFOs einfliegen, sondern uns fragen, was man aus der bestehenden Berner Szene heraus Neues gestalten kann.»

Variante nach belgischem Vorbild

Für solche Pilotprojekte, in denen man Kooperationsformen erprobt, hat der Stadtrat im März denn auch je 200'000 Franken für die Jahre 2016/17 gesprochen, jene Zeit also, in der noch die nur leicht modifizierten separaten Leistungsverträge gelten. Ursprünglich hatte der Gemeinderat einen gemeinsamen Leistungsvertrag für beide Häuser für die Subventionsperiode 2016–19 gefordert. Das zweite Szenario, das zurzeit von den Vorständen der beiden Häuser weiterverfolgt wird, ist das eines «kuratierenden Gremiums». Darin geht es um eine Organisationsstruktur nach dem Vorbild der Brüsseler «Koninklijke Vlaamse Schouw­burg». Ein breit zusammen­gesetzter «Arts Council» leitet in diesem Szenario beide Häuser, die als Spielstätten einer Institution wahrgenommen würden.

Das wäre die künstlerisch und organisatorisch ambitionierteste Variante. Bei ihr soll allerdings erst geprüft werden, ob sie den Berner Bedürfnissen überhaupt entspricht, wie Nicola von Greyerz, Präsidentin des Dampfzentrale-Vorstands, sagt. Dass es dereinst zu einer einzigen Leitung für beide Häuser kommen wird, bezweifelt von Greyerz zum heutigen Zeitpunkt. Eine inhaltliche Öffnung beider Häuser ist aber vom Subventionsgeber jetzt schon gefordert. Schliesslich sind die Aufträge in den Leistungsverträgen für 2016/17 ausgeweitet worden: Die Dampfzentrale etwa soll sich nicht mehr ausschliesslich auf Tanz, Performance und Neue Musik ausrichten, sondern ist, was die Sparten angeht, fortan nicht mehr eingeschränkt. Das gilt auch fürs Schlachthaus-Theater.

Alles auf bestem Weg also, alle Vorbehalte gegenüber einer Kooperation ausgeräumt? Man habe gegenseitig Vertrauen gewonnen, sagt Nicola von Greyerz: «Das hat seine Zeit gebraucht.» Und doch gibt es nach wie vor Gräben zwischen Schlachthaus-Theater und Dampfzentrale – vor allem, was das Verhältnis zur freien Szene angeht.

Feste Häuser vs. freie Szene

Theaterverbände hatten gegen eine Fusion opponiert, weil sie fürchteten, diese führe zu einer Verringerung der Vielfalt. Zudem hatte die freie Szene moniert, dass sie nicht in die Prozesse einbezogen würde. Für Nicola von Greyerz ist es zwar selbstverständlich, dass das Szenario des kuratierten Gremiums oder auch andere Varianten später mit der freien Szene diskutiert werden. Dennoch hält sie fest: «Die Häuser haben im ganzen Gefüge eine andere Aufgabe als die Gruppierungen der freien Szene.» Maike Lex dagegen denkt primär von der freien Szene und ihren Bedürfnissen her: «Mir geht es um die freie Theaterszene Berns.»

Reibungsfläche gibt es also nach wie vor. Gemäss Nicola von Greyerz ist es aber gut möglich, dass noch in diesem Jahr erste Weichen gestellt werden. (Der Bund)

Erstellt: 28.04.2015, 08:38 Uhr

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