Der neue Mann und sein «Einmann-Orchester»

Über die Ostertage hat der Organist Marc Fitze den ersten Feiertagseinsatz in der Berner Heiliggeistkirche. Zu hören ist dann auch ein Kunstharmonium.

Der Organist Mark Fitze, von Orgelpfeifen umgeben.

Der Organist Mark Fitze, von Orgelpfeifen umgeben.

Markus Dütschler

Wenn Organisten konzertieren oder neue Stellen antreten, bringen sie nicht ihr eigenes Instrument mit wie ein Trompeter oder eine Harfenistin: Sie benützen vielmehr die Orgel, die am neuen Ort vorhanden ist. Bei Marc Fitze ist es das Instrument in der Berner Heiliggeistkirche. Der 37-jährige Fitze hat kürzlich den Wechsel von der Johanneskirche im Breitenrainquartier ins Stadtzentrum vollzogen.

Dennoch: Sein neues Instrument betrachtet der Organist, der 2002 in Basel eine Auszeichnung für das beste Orgeldiplom des Jahres bekommen hat, nicht als «seine» Orgel. «Die Orgel gehört dem Volk», findet er, denn ein teures Instrument wie die Orgel könne «ohne gesellschaftliche Finanzierung nie gebaut» werden. Sie gehöre darum nicht dem jeweiligen Amtsinhaber oder irgendwelchen Fachgremien. Die Interessen der Allgemeinheit und ihre Musikwünsche bei Beerdigungen, Hochzeiten und Konzerten seien «eine inspirierende Selbstverständlichkeit».

Nicht stur nach Plan

Fitze bezeichnet die «Königin der Instrumente», wie die Kirchenorgel auch genannt wird, als «Einmann-Orchester»: Man könne mit ihr Stücke spielen, für die man sonst ein Orchester brauchte.

Ein wichtiger Teil der Tätigkeit ist das Begleiten der Lieder im Gottesdienst. Fitze hat sich bereits mit den Besonderheiten des Kirchenvolks der Heiliggeist-Gemeinde vertraut gemacht. Manchmal komme ihm während des Gottesdienstes eine neue Idee für das geplante Zwischenspiel, sagt Fitze, dann spiele er ein anderes Stück. Der Pfarrer gehe danach darauf ein, Gemeindeglieder, welche die Melodie erkennten, blätterten im Gesangbuch und überlegten, was er mit dem Lied sagen wolle. «Diese Wachheit und die anschliessenden Gespräche sind für mich ganz neu und erfrischend.»

Manches, was Vorgänger Jürg Brunner in den Jahren seines Wirkens eingeführt hat, übernimmt Fitze: Zibele-Sounds am Zibelemärit, Orgelpunkt-Konzerte, das Weihnachtskonzert. Anders gestalten wird er die Freitagabendkonzerte. Zudem will Fitze die barocke Heiliggeistkirche stärker als musikalisches Barockzentrum etablieren, was sich in Konzerten mit Interpreten Alter Musik zeigen wird.

Eine Besonderheit ist auch das Kunstharmonium, das morgen in einer Feier zum Karfreitag ertönen wird, ein Instrument, dessen Klang wenig zu tun hat mit dem leiernden, wimmernden Sound eines herkömmlichen Harmoniums.

Der Bund

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