Der Weg in Berns Verkehrszukunft

Bern erhält einen neuen Bahnhofzugang im Westen und einen neuen RBS-Tiefbahnhof.

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Es war der Moment des Schulterklopfens. Regierungsrätin Barbara Egger (SP) sprach gestern vor den Medien von einem «Meilenstein im Gesamtkonzept Zukunft Bahnhof Bern». Die Stadtberner Gemeinderätin Ursula Wyss (SP) wiederum betonte die «vielen Chancen», die der Bahnhofausbau für die Stadt Bern biete.

Von den Umwegen, die das erstmals im Herbst 2008 präsentierte Vorhaben für den Ausbau des zweitgrössten Bahnknotens in der Schweiz nehmen musste, war nicht mehr die Rede. Denn nun geht es vorwärts.

Baustart frühestens Anfang 2017

Die beiden Projekte für einen neuen RBS-Tiefbahnhof und eine neue «Fussgängerunterführung Mitte» von der Länggasse bis zum Bubenbergplatz werden in diesen Tagen dem Bundesamt für Verkehr (BAV) zur Prüfung vorgelegt, wie Egger sagte. Die neue Unterführung Mitte von der Grossen Schanze bis zum Bubenbergzentrum ist von den Dimensionen her ein Bahnhof im Bahnhof. Die Bauarbeiten hierzu und zum RBS-Tiefbahnhof können frühestens Anfang 2017 erfolgen. Dieser Schritt ist Teil eines Gesamtkonzeptes, das in einem zweiten Schritt ab 2025 die seitliche Erweiterung des SBB-Bahnhofs unter der Grossen Schanze vorsieht.

Egger bezifferte die Kosten für den RBS-Tiefbahnhof, der in Ost-West-Richtung unter der heutigen «Welle» errichtet werden soll, auf 522 Millionen Franken. Der Ausbau der Publikumsanlagen inklusive der Fussgängerunterführung Mitte und dem neuen Bahnhofzugang beim Bubenbergzentrum soll 345 Millionen Franken kosten. Bis auf den Ausgang Bubenbergplatz seien die Projekte finanziert, sagte Egger. Egger und Wyss benutzten die Gelegenheit, um noch einmal auf die steigenden Passagierzahlen hinzuweisen, die den Bahnhofausbau unerlässlich machten. Bis 2030 sei mit einer Zunahme der Reisenden von heute 260'000 auf 375'000 Reisende pro Tag zu rechnen. Wyss wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die Stadt Bern als einzige Stadt in der Schweiz bereits heute über mehr Pendler als Einwohner verfüge.

Und Regierungsrätin Egger betonte, dass vom Bahnhofausbau alle profitierten. «Der Ausbau des Bahnhofs ist nicht einfach ein Stadtberner Projekt.» Sie warb um Verständnis für Lärm, Staub und Umwege während der Bauarbeiten. «Es geht auch um die Verkehrszukunft», sagte Egger. Ein Stadtberner Projekt ist hingegen die verkehrsplanerische Einbettung des Bahnhofausgangs Bubenbergplatz. Die Stadt muss dafür sorgen, dass die Pendlermassen möglichst hindernisfrei von der Fussgängerunterführung Mitte durchs Bubenbergzentrum auf den Nahverkehr umsteigen können. «Die Verkehrsplanung ist eine der Hauptaufgaben der Stadt», sagte Wyss. Die entsprechenden Vorlagen sind allerdings nicht Teil des Planungsauflagen-Dossiers, sondern werden später in separaten Verfahren zu genehmigen sein (siehe Kasten unten rechts). Die Gemeinderätin wies in diesem Zusammenhang erneut darauf hin, dass die Verkehrsfläche für den motorisierten Individualverkehr auf dem Bubenbergplatz reduziert werden soll, um mehr Warteraum für die Bahnhof-Pendler zu schaffen.

SBB verzichteten auf Tiefbahnhof

Bei der Präsentation der Planung Ende 2013 war davon die Rede, dass der Autoverkehr um ein Drittel reduziert werden soll. Stadtpolitisch dürfte dies nebst dem möglichen Bau einer Fussgängerunterführung unter dem Bubenbergplatz zu einem der Hauptstreitpunkte werden. Angesichts der langen Planungsgeschichte des Projektes «Zukunft Bahnhof Bern» (ZBB) sind das aber Rückzugsgefechte. Die ursprünglichen Pläne zum Bau zweier Tiefbahnhöfe stiessen auf Kritik. Auf Bundesebene wurde etwa befürchtet, dass der Bau des RBS-Tiefbahnhofs dem SBB-Tiefbahnhof im Wege stehen könnte. Ein ETH-Gutachten kritisierte die Kosten, sodass Egger 2009 wieder mehrere Varianten prüfen liess. Schliesslich verzichteten die SBB zugunsten einer seitlichen Erweiterung auf den Bau eines eigenen Tiefbahnhofs. (Der Bund)

Erstellt: 12.06.2015, 06:53 Uhr

Zwei Kreditvorlagen

Die Finanzierung des neuen Bahnhofzugangs Bubenbergplatz ist noch nicht gesichert. Es geht dabei um 99 Millionen Franken, die Teil der Kosten in der Höhe von 345 Millionen Franken für die Fussgängerunterführung Mitte von der Grossen Schanze bis zum Bubenbergplatz sind. 35 Prozent der 99 Millionen Franken übernehme der Bund, sagte Gemeinderätin Ursula Wyss (SP) am Rande der Medienorientierung. Der Verteilschlüssel zwischen Stadt und Kanton für den restlichen Betrag in der Höhe von 64 Millionen sei noch nicht klar, sagte Wyss.

Stadtrat und Stimmbürger werden einerseits über diese Kreditbeteiligung und andererseits über einen weiteren Kredit für Verkehrsmassnahmen zu befinden haben, die als Variante auch eine Fussgängerunterführung unter dem Bubenbergplatz beinhalten. Die Abstimmungen sollen möglichst gleichzeitig erfolgen und werden «nicht vor 2018» stattfinden, sagte Wyss.

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