Der Cupfinal steht auf der Kippe

Ob der Cupfinal zwischen dem FC Basel und dem FC Zürich am Ostermontag in Bern stattfindet, ist unklar. Die Stadt möchte Fanmärsche wie jene vom letzten Jahr verhindern und erwägt, dem Spiel keine Bewilligung zu erteilen.

Am Pfingstmontag 2013 marschierten Tausende GC- und FCB-Fans durch die Berner Innenstadt und hinterliessen eine Spur der Verwüstung.

Am Pfingstmontag 2013 marschierten Tausende GC- und FCB-Fans durch die Berner Innenstadt und hinterliessen eine Spur der Verwüstung. Bild: Peter Klaunzer/Keystone

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Sie zündeten Knallpetarden und Feuerwerkskörper, warfen Steine, schlugen Fensterscheiben ein und beschädigten Autos. Es kam zu wüsten Schlägereien, die Polizei reagierte mit Tränengas, Pfefferspray und Gummischrot.

Kaum ein Jahr ist es her, dass die Fanmärsche der FC-Basel- und der Zürcher Grasshoppers-Anhänger vor dem Cupfinalspiel in der Berner Innenstadt eine Spur der Verwüstung hinterlassen haben. «Das war der letzte Fanmarsch durch die Stadt Bern», sagte Berns Sicherheitsdirektor Reto Nause (CVP) einen Tag nach den Ausschreitungen. Kurz zuvor hatte er den Cupfinal noch als speziellen Anlass mit Volksfestcharakter beschrieben, bei dem die Fanmärsche dazugehörten.

Nun steht der nächste Cupfinal an: Am Ostermontag trifft der FC Basel auf den FC Zürich – ein Hochrisikospiel. Zwar haben bisher weder die Zürcher Südkurve noch die Basler Muttenzerkurve ihre Pläne zur Anreise veröffentlicht, die Nerven scheinen dennoch blank zu liegen.

Bewilligung verweigern

Die Stadtregierung um Nause erwäge, dem Duell zwischen den beiden Fussball-Traditionsclubs die Bewilligung zu verweigern, schreibt die «Basler Zeitung». Denn noch fehle ein klares Zugeständnis der Fans. Im Februar habe Nause dem Schweizerischen Fussballverband (SFV) gewisse Bedingungen auferlegt, die dieser aber nicht habe erfüllen wollen. Mit einer Absage des Spiels aus Sicherheitsgründen würde die Stadt erstmals von einer Massnahme des verschärften Hooligan-Konkordats Gebrauch machen, das vom Berner Stimmvolk am 9. Februar angenommen worden ist.

Ob es so weit kommen wird, ist unklar. Bereits haben mehrere Gespräche zwischen der Stadt, dem SFV, Vertretern der beiden Clubs, der Polizei und den SBB stattgefunden. Bis gestern ist es zu keiner Einigung gekommen. «Wir informieren erst, wenn die Gespräche abgeschlossen sind», heisst es bei der Medienstelle der Stadt Bern. Weder Nause noch Stadtpräsident Alexander Tschäppät (SP) äusserten sich gestern dazu.

Laut Marco von Ah, Sprecher des SFV, stehen die Chancen, dass der Anlass in Bern bleibt, aber nicht schlecht. Es stehe noch nicht hundertprozentig fest, dass in Bern gespielt werde, der Plan sei aber «auf gutem Weg», sagte er. Nächste Woche werde über die Ergebnisse der Gespräche informiert.

Basel ist angefragt worden

Der SFV seinerseits hat bereits die Fühler nach Basel ausgestreckt und erwägt, den Cupfinal dort austragen zu lassen. «Wir haben eine Voranfrage vom Fussballverband erhalten. Die Kantonspolizei Basel Stadt ist daran, diese abzuklären», sagt Martin Schütz, Mediensprecher des Justiz- und Sicherheitsdepartements Basel-Stadt.

Vonseiten des FCZ heisst es, die Fans wollten an ihrem Fanmarsch durch die Stadt ins Stade de Suisse festhalten. Und falls der Cupfinal nach Basel – und nicht mehr auf «neutralem Boden» – stattfinden sollte? «Wir sind nicht grundsätzlich dagegen», sagt Patrick Lienhart, Mediensprecher des FCZ. Schliesslich sei das Kontingent an Tickets gleich gross wie jenes des FCB. Zudem organisiere der Verband das Spiel.

«Anlass muss in Bern bleiben»

Für den Berner GLP-Stadtrat Michael Köpfli ist klar: «Der Anlass muss in Bern bleiben. Der Cupfinal gehört in fast allen Ländern in die Hauptstadt.» Er halte es für eine Überreaktion, eine Verlegung des Spiels zu erwägen, «bloss weil sich ein paar Anonyme in Foren über Fanmärsche austauschen». Umso wichtiger sei es, dass die Stadt den Kontakt zu den Vereinen und Fanarbeitern suche.

«Die Fanmärsche lassen sich ohnehin nicht gänzlich verbieten. Jeder ist letztlich frei, wie er sich ins Stadion bewegen möchte», sagt Köpfli.

Selbst Philippe Müller, Präsident der FDP Stadt Bern, der sich für die Verschärfung des Hooligan-Konkordats eingesetzt hatte, ist dagegen, dass der Cupfinal von Bern abgezogen wird. «Es ist und bleibt ein Hochrisikospiel, auch wenn es in Basel ausgetragen wird», sagt er. Die Stadt müsse das Problem selbst bewältigen können – schlimmstenfalls müsse man das Spiel halt absagen. Müller geht davon aus, dass die Fanmärsche durch die getrennte Anreise der Anhänger verhindert werden könnten. (Der Bund)

Erstellt: 05.04.2014, 08:51 Uhr

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