Dem Zufall die Tür öffnen

Einmal um die Welt und wieder zurück: Diesen weiten Weg legt derzeit Till Könnekers Living Cube zurück. Das Möbel vereint in sich auf wenigen Quadratmetern Wohnwand, Stauraum, Gästebett und Garderobe.

Selbst ist der Künstler: Ins Rollen gebracht hatte den Ausflug ins Möbeldesign Till Könnekers Umzug in ein Wohnatelier in der Lorraine.

Selbst ist der Künstler: Ins Rollen gebracht hatte den Ausflug ins Möbeldesign Till Könnekers Umzug in ein Wohnatelier in der Lorraine. Bild: Manu Friederich

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Ob als Künstler, Grafiker, Lyriker, Konzepter oder Möbeldesigner: Sieht sich Till Könneker mit einem Problem konfrontiert, folgt die Lösung in der Regel auf dem Fusse. Die erste Skizze zum Living Cube etwa ist über Nacht entstanden. «Von meiner Arbeit an künstlerischen Projekten bin ich mir gewohnt, aus dem Nichts etwas zu kreieren.» Das nehme einem über die Jahre auch in anderen Bereichen Berührungsängste und Bedenken. «Etwa die Sorge vor dem Scheitern. Oder jene vor dem Ungewissen», so der Berner mit Berliner Wurzeln. Er scheut weder das eine noch das andere, ganz im Gegenteil.

Auch vor unbekannten Gefilden macht er nicht Halt. «Du bist, was du ­gelernt hast – davon bin ich längst abgekommen», erklärt der ausgebildete Grafiker, auf dessen Konto auch die Erfolgsgeschichten von «Apps with love» und «Der Hauptsitz» gehen. «Du bist, was du gerne machst, das ist es, wonach ich lebe und arbeite.» Für ihn heisst das unter anderem: neugierig sein, immer wieder in neue Welten eintauchen, den ­Zufall dabei stets herzlich willkommen heis­sen, das Forschende Hand in Hand mit dem Spielerischen gehen lassen. «Das gilt auch für meine Kunst. Sie soll nicht Repetition, sondern Forschung am Neuen sein.»

Masse minimal, Wirkung maximal

In dieses Schaffen reiht sich der Living Cube perfekt ein. Ins Rollen gebracht hatte den Ausflug ins Möbeldesign ­Könnekers Umzug in ein Wohnatelier im Lorrainequartier. «Ein wunderbares kleines Häuschen, allerdings ohne jeden Stauraum», skizziert er die Ausgangslage. Wohin also mit Vinyl-Sammlung, Kleidern, Schuhen, Fernseher, Büchern, Wäscheständer, Weinflaschen und ­Kellerkisten?

Die Antwort auf diese Frage brachte Till Könneker am Morgen nach der Atelierzusage zu Papier. Ein quaderartiges Möbel, das auf rund sechseinhalb Quadratmetern alles vereint, woran es dem Künstler in seinem neuen Zuhause fehlte: Wohnwand, Garderobe, Keller, Weinregal, TV-Möbel und Gästebett. «Ein Haus ist kaum je flexibel, also muss es die Einrichtung um so mehr sein», das sei der Grundgedanke hinter dem Entwurf gewesen. «Ich wollte ein Möbel kreieren, das schlicht und multifunktional zugleich ist und sich wechselnden Umständen überdies mühelos anpasst. Dass dem heute tatsächlich so ist, verdanke ich in erster Linie Remo Zimmerli vom Holzlabor. Er hat meine Skizzen in jenen Prototyp transferiert, der nun bei mir zu Hause steht.»

Foto mit Folgen

Für den temporären Möbeldesigner wäre das Projekt damit erledigt gewesen. Mindestens ebenso wichtig wie sein Werk ist ihm jedoch dessen Dokumentation, also liess er seinen Freund, den ­Fotografen Rob Lewis, entsprechende Bilder machen. Ein Auftrag mit Folgen. Kaum waren sie auf Könnekers Website, erschien der Living Cube auf einem gros­sen internationalen Blog. Zahlreiche weitere zogen nach, ebenso namhafte Magazine. Erste Bestellanfragen aus Übersee trudelten ein, vor zwei Monaten dann folgte aus New York gar ein Architekturpreis – ein viraler Effekt wie aus dem Lehrbuch, allerdings mit besonders lang anhaltender Wirkung.

«Inzwischen sind wir dabei, in den USA einen zweiten Vertrieb aufzubauen», so Till Könneker. Ein Unterfangen indes, das er in fremde Hände gelegt hat. «Um immer wieder zu neuen Abenteuern aufbrechen zu können, versuche ich, mich nach Umsetzung einer Idee möglichst überflüssig zu machen und sie in den Händen meiner Mitstreiterinnen und Mitstreiter weiter wachsen zu lassen.» Derweil setzt er sich auf seinen Würfel und tüftelt mit freiem Blick in den Himmel an seinem neusten Coup: der ersten Schweizer Live Late Night Show. Ab Januar 2015 monatlich in der Turnhalle im Progr mitzuverfolgen.

(DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 30.08.2014, 12:15 Uhr

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Der Living Cube ist in kleiner, grosser oder reiner Wohnwand-Ausführung erhältlich und mit diversen Elementen beliebig ausbaubar. Infos unter: www.tillkoenneker.com

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