Comedy-Affäre: Tschäppät unfreiwillig im Gespräch

Alexander Tschäppäts Italiener-Witze sorgen beim Berner Publikum für Aufregung. Auch italienische Medien haben die Affäre aufgegriffen.

Sein Auftritt als Comedian sorgt für Aufregung: Alexander Tschäppät.

Sein Auftritt als Comedian sorgt für Aufregung: Alexander Tschäppät.

(Bild: Franziska Scheidegger)

Seit seine Witze über Italiener bekannt geworden sind, sorgt der Berner Stadtpräsident Alexander Tschäppät (SP) für Gesprächsstoff. Die Äusserungen des Stapi bei seinem Auftritt auf der Bühne von «Das Zelt» warfen in den Kommentarspalten und auf Twitter am Freitag hohe Wellen.

Tschäppät hatte vor heimischem Publikum Witze auf Kosten von Italienern gemacht. Unter anderem zitierte er eine Fiche, welche einem Italiener «auffällig viele Nebenbeschäftigungen» unterstellt. Tschäppät darauf: «Ein Neapolitaner mit zu vielen Nebenbeschäftigungen? Können Sie sich das vorstellen? Ä Südländer wo zviu chrampfet?» Das Publikum lachte. Darauf legte Tschäppät noch mit einem Witz über «kleine» und «faule» Italiener nach.

«Gehört an frische Luft gesetzt»

Tschäppäts Äusserungen werden in den Online-Kommentaren zum grossen Teil als nicht lustig taxiert. Ein Leser kommentiert: «Ich störe mich nicht an den abgedroschenen Witzen, sondern an Tschäppäts Selbstverständnis». Er sei «als Person und Politiker untragbar. Rücktritt, Subito!». Zu lesen ist auch: «Anstand und Respekt hat Tschäppät mehrfach vermissen lassen.» Oder: «Herr Tschäppät gehört sofort an die frische Luft gesetzt.»

Eine Leserin schreibt: «Ich bin sehr wütend über Ihre primitiven Äusserungen und fühle mich als Italienerin verletzt. Die freie Meinung zu äussern, ist zwar erlaubt, beleidigende Witze jedoch – vor allem als Stapi – unangebracht.» Ein anderer: «Ich als stolzer Italiener, ‹Secondo›, der in der Schweiz geboren und aufgewachsen ist, fühle mich absolut nicht beleidigt. Ein bisschen Selbstironie würde nicht schaden.»

Auch im Lager von Comedy- und Bühnenerprobten findet Tschäppäts Auftritt verspätet Resonanz. «Ich bin zwar klein und faul, aber im Witzemachen nicht ganz so schlecht», twittert Komikerin und Satirikerin Lisa Catena. Kabarettist Gabriel Vetter kommentiert: «Wie wärs, liebe @sp_schweiz, mit ner Splittergruppe namens ‹Sozialdemokraten in der SP Bern›?» Mehrere SP-Parlamentarier haben sich bereits kritisch über den Auftritt ihres Parteikollegen geäussert. Seine Sprüche sind aber auch für seine politischen Gegner ein gefundenes Fressen. Die Zürcher Kantonsrätin Barbara Steinemann (SVP) bezeichnete ihn am Freitag auf Twitter als «Silvio Berlusconi von Bern».

Tschäppät wollte zur Comedy-Affäre am Freitag nicht weiter Stellung nehmen. In einer ersten Stellungnahme hatte er lediglich gesagt, er habe nicht die Absicht, einzelne Witze des Auftritts zu kommentieren. Sollten sich einzelne Personen verletzt fühlen, bedaure er das. Am Freitag hiess es auf der Informationsstelle der Stadt Bern, er habe dem nichts mehr beizufügen.

mra/Der Bund

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