Botschafterin der Stadt Bern: Reitschule soll an die BEA Pferd

Trotz Problemen: Stadt Bern lädt Reitschule zu Gastauftritt an der BEA ein – Bürgerliche sind «sprachlos».

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Christoph Lenz@lenzchristoph

Es eilt. In nur drei Monaten öffnet auf dem Bern-Expo-Gelände die Frühlingsmesse BEA Pferd ihre Tore. Besonders heiss laufen die Drähte derzeit bei der Stadt Bern. Sie darf sich den mehreren Hunderttausend erwarteten Besuchern heuer als Gastregion präsentieren. Klar will man sich dabei von seiner besten Seite zeigen.

Klar auch werden weder Kosten noch Mühen gescheut, um einen gelungenen Auftritt hinzulegen: Stadtberner Vertreter aus Wirtschaft und Politik haben eigens den Verein Wir leben Bern gegründet, um das Gastspiel an der BEA zu koordinieren. Auch der Gemeinderat hilft nach Kräften. Er unterstützt den Verein, der von Alt-Gemeinderätin Barbara Hayoz (FDP) präsidiert wird, mit 300'000 Franken.

Reitschule ist Wunschkandidat

Letzte Woche nun weihten Stadtpräsident Alexander Tschäppät (SP) und Hayoz einen erlesenen Kreis von Bernern in ihre BEA-Pläne ein. Das Konzept des Auftritts liegt dem «Bund» vor. Kernstück ist ein Pavillon, in dem sich 26 Organisationen aus den Bereichen Bildung, Kultur und Hauptstadt/Wohnstadt vorstellen dürfen. Die 26 Wunschkandidaten wurden eingeladen, an der BEA einen Stand zu gestalten.

Bemerkenswert an der Liste (siehe Box) ist zum einen, dass sich darauf kaum Organisationen finden, die zum volkstümlich-folkloristischen Charakter der Frühlingsausstellung passen. Noch erstaunlicher: Zu den Wunschkandidaten zählt auch die Reitschule. Eine kontroverse Wahl – zumal das Kulturzentrum zuletzt wieder vermehrt wegen Gewalt und Drogenhandels für Schlagzeilen sorgt. Ob es eine kluge Entscheidung ist, den vielen ländlichen BEA-Besuchern die Reitschule als Imageträger und Visitenkarte der Stadt Bern vorzusetzen? Die Meinungen gehen weit auseinander.

Linke Rückendeckung

Barbara Hayoz verteidigt den Entscheid. «Die Reitschule gehört zur Stadt Bern wie das Stadttheater, das Kunstmuseum und viele andere Kulturinstitutionen.» Befürchtungen, sie könnte den Auftritt der Stadt beeinträchtigen, weist Hayoz zurück. Für die Jugend sei die Reitschule ein «ganz wichtiges Freizeit- und Kulturangebot». Zudem geniesse sie bei vielen Menschen in Stadt und Region ein gutes Image.

Bei der Bernexpo AG, welche die BEA organisiert, will man sich nicht zu einzelnen Ausstellern äussern. Gegenüber den Wunschkandidaten gibt es aber keine Vorbehalte: «Wir begrüssen grundsätzlich, wenn sich unsere Gastregionen und Gastländer mit ihren verschiedenen Facetten präsentieren», erklärt Mediensprecherin Sabine Graf.

Rückendeckung erhalten die Organisatoren von linken Politikern: «Die Reitschule gehört zur Stadt Bern», sagt Stéphanie Penher, Fraktionspräsidentin von GB/JA im Stadtrat. «Das Kulturzentrum hat eine nationale Ausstrahlung, deswegen finde ich es durchaus berechtigt, dass man die Reitschüler einlädt, sich an der BEA vorzustellen.»

Cleantech wäre vorzeigewürdig

So gelassen sehen es bürgerliche Stadtpolitiker nicht. Im Gegenteil: FDP-Fraktionschef Bernhard Eicher hält nichts von der Idee, die Reitschule an die BEA zu holen. «Das unglückliche Cliché ‹Bern gleich Reitschule› wird einmal mehr bestätigt. Damit gewinnt man im Kanton Bern keine Freunde.»

Eicher befürchtet gar, dass die BEA-Präsenz der Reitschule den Anti-Bern-Reflex bei vielen Einwohnern der Region verstärken könnte. Er schlägt deshalb vor: «Anstelle der Reitschule könnte man eine Organisation aus dem Bereich Cleantec oder aus der Medizinaltechnik präsentieren.»

SVP verschlägt es die Sprache

Regelrecht «sprachlos» ob den Plänen der BEA ist SVP-Fraktionschef Roland Jakob. Die Einladung der Reitschule sei ein absoluter Affront gegenüber der Vielzahl von Sport- und Musikvereinen, die in Bern seit Jahrzehnten herausragende Jugendarbeit leisteten. Diese Organisationen hätten es verdient, dass sich die Stadt bei ihnen bedankt, findet Jakob.

«Wer hingegen wie die Reitschule chronisch Gesetze mit Füssen tritt und vor Gewalt nicht zurückschreckt, ist nicht legitimiert, als Botschafter der Stadt Bern aufzutreten.» Jakob befürchtet, dass die Reitschule die Einladung der Stadt annimmt. «Das wäre der helle Wahnsinn», so Jakob, der das Thema nun mittels Vorstoss im Stadtrat auf den Tisch bringen will. Für Jakob steht fest: «Die Reitschule muss umgehend wieder ausgeladen werden.»

«Nicht den Esel machen»

Hayoz beschwichtigt: Zum einen sei noch gar nicht klar, ob die Reitschule überhaupt Interesse habe, an der Ausstellung mitzuwirken. Zum anderen gälten für sie dieselben Vorgaben wie für alle anderen Kulturinstitutionen. «Wenn die Reitschule diese einhält und einen inhaltlich spannenden Beitrag leisten will, dann ist das eine Bereicherung zugunsten eines vielfältigen und facettenreichen Auftritts der Stadt Bern.»

Seitens der Reitschule schliesst man eine Teilnahme an der BEA Pferd derzeit nicht aus. «Wir haben die Einladung bezüglich BEA Pferd bekommen und an besagtem Kick-off-Event teilgenommen», teilt die Mediengruppe auf Anfrage mit. Die Aktivisten des Kulturzentrums schränken aber ein: Wie und ob die Reitschule an der BEA Pferd teilnehmen werde, müsse intern noch diskutiert werden. Grundsätzlich könne aber gesagt werden, «dass die Reitschule an der BEA Pferd nicht den Esel machen wird».

Der Bund

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