Biercafés im Aufwind

Was früher die «schnöde Stange» war, ist heute Stout, Pale Ale oder Porter. Spezialbiere aus Mikrobrauereien haben in Bern Hochkonjunktur. Dafür wird auch gerne mal tief ins Portemonnaie gegriffen.

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Bier ist nicht gleich Bier. Dies wird spätestens beim Besuch in einem Biercafé klar. Diese Lokale verabschieden sich zunehmend von klassischen Biersorten und experimentieren stattdessen mit Pale Ales, Stouts und belgische Varianten.

Seit eineinhalb Jahren haben Biercafés in der Stadt Bern ihre Blütezeit. Als Pionier eröffnete im November 2013 das Au Trappiste in der Rathausgasse, im März 2014 sprang das Barbière am Breitenrainplatz auf den Zug auf. Jüngster Zuwachs ist der bereits im Liebefeld ansässige Erzbierschof in der Postgasse. Dort werden seit Anfang Februar rund 100 Biersorten ausgeschenkt. Spezialbiere aus zwölf Zapfhähnen ergänzen das Angebot.

Biercafés setzen auf Aussergewöhnliches. Wie Erzbierschof-Inhaber Toni Flükiger sagt: «Es besteht ein Trend zu qualitativ hochwertig gebrauten Bieren.» So floriert das Malzgetränk heute längst nicht mehr nur als Schmiermittel bei enthusiastischen Fussballfans, sondern entwickelt sich zunehmend zum Connaisseur-Tropfen für ein breiteres Publikum – vom Hipster bis zur Cüpli-Gruppe.

Ein Bier für 140 Franken

Die neuen Biercafés sind aber nicht die ersten Stätten, die in Bern mit Bierkompetenz glänzen. Das Alte Tramdepot beim Bärengraben setzt schon seit 1998 auf Bierspezialitäten. Mit seiner hauseigenen Brauerei wartet es ausschliesslich mit Selbstgebrautem auf.

Weniger scheint dort mehr zu sein: «Wir bieten stets vier naturtrübe Tram-Biere an. Neben den drei Standardsorten brauen wir zusätzlich 20 bis 25 Mal im Jahr eine saisonale Bierspezialität», sagt Thomas Baumann vom Tramdepot.

Biercafés heben sich nicht nur durch ihre Vielfalt und ihr Angebot an Speziellem ab, sondern offensichtlich auch durch ungewohnte Kostspieligkeit. «Das teuerste Bier, das wir führen, kostet 140 Franken», sagt Andrea Loppacher, Barleiterin beim Erzbierschof. Es habe eine «sehr eigene» Note.

Der Preis rechtfertige sich durch den Produktionsaufwand – vergleichbar mit dem eines teuren Weins. Der Herstellungsprozess beinhalte eine mehrmonatige bis mehrjährige Lagerung, sogenanntes «Barrel Aging».

Bierexperten-Boom

Einer, der sich mit Bier auskennt, ist der Hausbrauer und Biersommelier Sebastian Imhof. Mit seiner Mikrobrauerei Braubar beliefert der 27-jährige Private aber auch den Wartsaal in der Lorraine, wo er auch als Koch arbeitet.

Er sieht die Gründe der Bier-Trendwende unter anderem in der «Auflösung des Bierkartells» in den Neunzigerjahren, als grössere Schweizer Brauereien den Markt durch Absprachen regulierten. Mit dessen Zerfall entstanden viele kleine Brauereien und somit eine grössere Vielfalt.

Ferner habe sicherlich die amerikanische «Craft-Beer-Bewegung», der Trend des Mikrobrauens mit handwerklich hergestelltem Bier, welcher in der Schweiz in den letzten 40 Jahren «neu interpretiert und salonfähig» gemacht worden sei, zur Diversifizierung des Bierangebots beigetragen.

Auch der Durst nach Expertenwissen mit der Ausbildung zum Biersommelier hat in den vergangenen vier Jahren zugenommen. «Das Thema Bier und die Vielfalt der Bierstile wird von der Öffentlichkeit immer mehr geschätzt», sagt Bernadette Schärer, Medienverantwortliche bei Gastrosuisse. Der Verband für Hotellerie und Restauration bietet den Kurs zum Biersommelier seit 2011 an.

«In den letzten Jahren konnte eine steigende Nachfrage nach der Ausbildung verzeichnet werden», so Schärer. Bis heute seien von Gastrosuisse bereits 150 Schweizer Biersommeliers ausgezeichnet worden.

Selbst in der gehobenen Gastronomie wird Bier zunehmend differenziert wahrgenommen. Agrippino Stum, Weinsommelier im Restaurant Schöngrün, glaubt an einen Imagewechsel des Biers.

Mit ähnlichen Kriterien wie bei gutem Wein: «Herstellungsprozess, produzierte Menge, Reinheit und Philosophie des Produzenten», könnten sicherlich auch eine Biersorte profilieren. Und sich so, zumindest teilweise, als Begleitgetränk in der Gourmetküche etablieren. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 24.02.2015, 09:30 Uhr

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