Bier-Feinschmecker in der Rathausgasse

Das Gastro-Angebot in der Berner Altstadt wird ab Mitte November um ein Lokal reicher: In der Rathausgasse eröffnet das Biercafé «Au Trappiste». Der Fokus des Angebots liegt auf Bier – und setzt dabei auf Vielfalt und Kreativität.

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Julia Richter@jules_richter

Die Berner Gastronomieszene zeigt sich vital: neue Bars und Cafés spriessen aus dem Boden wie Pilze bei Herbstwetter. Zur Berner Gastro-Vielfalt wird sich ab Mitte November ein neues Angebot gesellen - das Biercafé «Au Trappiste».

Kirsch- und Schokoladenbier

Die Gründer des Lokals, Eliane Münger und Olivier Vurchio, haben eine Lücke im Berner Bar-Angebot entdeckt: «Unser Fokus liegt auf dem Anbieten verschiedener und aussergewöhnlicher Biersorten», sagt Vurchio. Im ständigen Sortiment des Biercafés finden sich 50 verschiedene Bierarten und 50 weitere, die regelmässig wechseln. «Wir wollen unseren Gästen immer wieder die Möglichkeit geben, etwas Neues zu entdecken».

So werden im Bierangebot verschiedene Geschmacksrichtungen auftauchen – unter anderem wird auch Schokoladen- und Kirschbier zu finden sein. «Manche Kombinationen klingen zu Beginn etwas irritierend», gibt Münger zu «aber das Schokoladenbier ist zum Beispiel absolut köstlich». Teile des Sortiments können die Gäste auch kaufen und mit nach Hause nehmen – ein bisschen wie eine Weindegustation, nur mit Bier.

Fokus auf Genuss

Das Biercafé – eine Möglichkeit zur Erweiterung des eigenen Bierhorizonts. Doch was hat es mit der Bezeichnung «Biercafé» auf sich? «Bierbar wäre zu salopp gewesen», sagt Vurchio und Münger ergänzt: «Wir wollen damit signalisieren, dass der Genuss im Vordergrund steht – das Biercafé soll nicht dazu dienen, sich masslos zu betrinken».

Auch wenn der Fokus des Angebots auf verschiedenen Biersorten liegt – das Sortiment wird auch Kaffee, Spirituosen und Wein umfassen. Das Getränkeangebot wird zudem um ein kulinarisches ergänzt: Im Biercafé soll es auch Käse- und Fleischplatten geben.

Die Kreativität der Mikrobrauereien

Das Angebot im Biercafé soll vor allem aus Mikrobrauereien bezogen werden. «Es ist Teil unseres Konzepts, kleine Betriebe zu unterstützen - Heineken und Feldschlösschen wird man bei uns nicht finden», sagt Münger. Die Mikrobrauereien seien «enorm kreativ», was die Produktion aussergewöhnlicher Biersorten betreffe. Mit ihrem Angebot wollen Münger und Vurchio diese Kreativität zum Vorschein bringen.

Kein Schweigegelübde

Der Name des Lokals «Au Trappiste» geht zurück auf die Trappistenmönche, ein im 17. Jahrhundert gegründeter katholischer Mönchsorden, der für seine Brauereien berühmt ist. Unter strengen Auflagen wird dort das «Trappisten-Bier» produziert. Der Erlös der Brauereien geht an gemeinnützige Organisationen.

Münger und Vurchio wollen ebenfalls Trappisten-Bier anbieten. «Aber im Gegensatz zu den Trappisten-Klostern darf man in unserem Biercafé reden», stellt Vurchio klar – die Mönche unterliegen dem Schweigegelübde. Wie die Brauereien der Trappisten wollen Münger und Vurchio einen Teil ihres Gewinnes an gemeinnützige Organisationen spenden. An welche Organisationen ist noch nicht definiert - «wir müssen auch erst mal Gewinn machen», lachen die beiden.

Ein geschichtsträchtiger Ort

Die beiden haben auch schon viele Ideen, wie sie den ehemaligen Coiffeursalon an der Rathausgasse 68 einrichten wollen: Brasserie-Stil, grosser Spiegel, Kronleuchter. Gemütlich soll es werden und mit einer «warmen Atmosphäre» zum Verweilen einladen.

Die Gemütlichkeit ist indes im kleinen Altstadtlokal schon vorprogrammiert: Die Räumlichkeiten strahlen trotz Bauarbeiten bereits ihren Altstadtcharme aus. Im hinteren Teil des Cafés wurde bei den Renovationsarbeiten eine denkmalgeschützte Decke aus dem Jahr 1470 freigelegt. An den Wänden sind schwarze Spuren zu entdecken, die vom Berner Altstadtbrand im 15. Jahrhundert zeugen. «Wir freuen uns, dass in unserem Lokal so viel Geschichte drinsteckt», sagt Vurchio. Entsprechend wollen die beiden ihr Biercafé gestalten: «Wir wollen bei der Einrichtung eine Mischung zwischen alt und modern», sagt Münger.

«Irgendwann muss man es einfach machen»

Münger und Vurchio waren sich auch von Anfang an einig, dass ihr Café in der Altstadt sein müsse - «die Atmosphäre hier ist einzigartig», erklärt Vurchio. Doch fürchten sie keine Konkurrenz, in Anbetracht des grossen Angebots an Cafés und Bars? Beide schütteln den Kopf – «gerade hier in der Altstadt kann man wunderbar Synergien nutzen».

Die «leidenschaftlichen Biertrinker» stammen beide nicht aus der Gastronomieszene – die Eröffnung des Biercafés ist also Neuland und ein Sprung ins kalte Wasser. Doch sie sind optimistisch, auf dem harten Pflaster der Szene bestehen zu können. Beide haben ihren vorherigen Job gekündigt und wollen sich ihrem Caféprojekt nun mit vollem Einsatz widmen. «Wir haben so lange an einem gemeinsamen Gastro-Projekt herumstudiert. Irgendwann muss man es einfach machen», sagt Münger.

DerBund.ch/Newsnet

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