Bevölkerung nimmt Entscheid für Bundeszentrum positiv auf

Der Berner Gemeinderat hat entschieden und zuerst die Bevölkerung informiert.

400 Personen liessen sich in der Aula des Gymnasiums Lerbermatt über das neue Asylzentrum informieren.

400 Personen liessen sich in der Aula des Gymnasiums Lerbermatt über das neue Asylzentrum informieren. Bild: Manu Friedrich

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Im Zieglerspital soll ein Bundeszentrum entstehen. Dies hat der Berner Gemeinderat am Mittwoch entschieden, wie die zuständige Gemeinderätin Franziska Teuscher (GB) am Donnerstagabend an einem Informationsanlass im Gymnasium Lerbermatt der Bevölkerung mitteilte.

Eigentlich sei der Anlass organisiert worden, weil noch viele Fragen zur geplanten Asylunterkunft offen gewesen seien, sagte Frank Schley, Co-Präsident der Quartiermitwirkung Stadtteil 3. So war bisher unklar, ob sich der Gemeinderat für das von ihm bevorzugte kantonale Durchgangszentrum oder für das von Polizeidirektor Hans-Jürg Käser (FDP) gewünschte Bundeszentrum entscheiden wird. Doch anders als von vielen erwartet, präsentierte Teuscher den rund 400 Anwesenden bereits den abschliessenden Entscheid.

Auch den Bund überrascht

Selbst Barbara Büschi, stellvertretende Direktorin des Staatssekretariats für Migration (SEM), wusste bis am Mittwoch nicht, dass Bern das Zieglerspital dem Bund als Zentrum anbieten wird. Entsprechend freute sie sich über den Entscheid des Gemeinderats und weibelte bei der Bevölkerung für Verständnis.

Das Zieglerspital sei eine Übergangslösung, ein definitiver Standort für ein grosses Zentrum werde noch gesucht. Sie sprach von zwei möglichen Standorten. Einer davon dürfte sich in Lyss befinden (der «Bund» berichtete). Ab 2025 stehe dort das Kasernenareal frei. Dort könnten alle der gut 600 Bundesasylplätze erstellt werden, die der Kanton Bern dem Bund dereinst zur Verfügung stellen muss. Im Zieglerspital werden mindestens 300 Asylsuchende leben; in einem kantonalen Durchgangszentrum wären es ungleich weniger gewesen.

Hochfeld soll schliessen

Es sei ihr wichtig, die Bevölkerung aus erster Hand zu informieren, sagte Teuscher. Sie hoffe, als Sofortmassnahme möglichst bald erste Flüchtlinge für drei Monate unterbringen zu können. Im Anschluss soll das Bundeszentrum im Frühling 2016 den Betrieb aufnehmen. Laut Büschi soll die ORS AG das Zentrum führen, welche im Kanton Bern unter anderem auch das Asylzentrum Hochfeld betreibt. Teuscher sagte, das Bundeszentrum werde befristet für acht bis zehn Jahre in Betrieb bleiben. Zudem habe die Stadt mit dem Bund ausgehandelt, dass mit der Inbetriebnahme des Bundeszentrums die Asylunterkunft Hochfeld in der Länggasse geschlossen werde.

Weil das Zieglerspital direkt an der Grenze zur Gemeinde Köniz liegt, ist auch diese Gemeinde vom Entscheid betroffen. Köniz hatte sich nie gegen das Asylzentrum auf dem Zieglerareal gesträubt, wurde aber in die Entscheidprozesse nicht miteinbezogen. Gemeindepräsident Ueli Studer (SVP) liess durchblicken, dass man dieses Vorgehen in Köniz nicht schätzt. Doch Studer wählte auch bewegende Worte und erinnerte an die dramatischen Zustände in den Krisenländern und auf den Flüchtlingsrouten.

Bevölkerung will helfen

Mehrheitlich gut aufgenommen wurden die Neuigkeiten von der anwesenden Bevölkerung. Bedenken äusserten Anwesende etwa wegen der gegenüberliegenden Schule, bezüglich der umstrittenen Firma ORS und der Kosten. Einige befürchteten zudem, dass aus der Übergangslösung ein Providurium werden könnte. «Ich finde es nicht gut, mitten in der Stadt ein so grosses Asylzentrum zu eröffnen», sagte ein Bürgerin. Viele wollten demgegenüber aber bereits wissen, wie man sich als Nachbarn freiwillig für die Flüchtlinge wird engagieren können. Jemand dankte den Behörden für den Entscheid. «So können wir im Kleinen zeigen, wie eine Verteilung nach Quoten in Europa funktionieren könnte.» Und erntete Applaus. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 29.10.2015, 23:19 Uhr

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