«Besser als der ‹Hochfeld-Bunker› sind sie allemal»

Warum eigentlich reaktiviert Bern zwei ehemalige Asylzentren nicht? Stadträtin Cristina Anliker würde dies begrüssen – allerdings müssten dafür Künstler weichen.

Die Unterbringung von Asylsuchenden sorgt in Bern seit Jahren für Kritik. Im Bild: Protest gegen den «Hochfeld-Bunker» 2012.

Die Unterbringung von Asylsuchenden sorgt in Bern seit Jahren für Kritik. Im Bild: Protest gegen den «Hochfeld-Bunker» 2012. Bild: Valérie Chételat

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Wo früher Asylbewerber hausten, wird heute musiziert und gemalt. Als es 2005 zu einer Senkung der Asylanträge kam, nutzte die Stadt Bern die Gunst der Stunde und schloss ihre Asylzentren an der Bolligenstrasse und im Eymatt-Quartier. Im Rahmen von Zwischennutzungen vermietete sie die frei gewordenen Räume daraufhin an Künstler und Musiker.

Nun hat sich die Situation gewandelt. Die Umwälzungen in Nordafrika 2011 sorgten für eine erneute Zunahme von Asylgesuchen. Um den gestiegenen Platzbedarf zu decken, stellte die Stadt dem Kanton die Zivilschutzanlage Hochfeld zur behelfsmässigen Unterkunft für Asylsuchende zur Verfügung. Die unterirdische Unterbringung sorgte indes von Anfang an für Kritik, die bis heute anhält. Das ursprünglich für sechs Monate gedachte Provisorium ist aber – mehr als zwei Jahre nach der Eröffnung – nach wie vor in Betrieb.

«Wir haben nichts Besseres»

Die Position der Stadt ist klar. Man teile zwar die Kritik am Hochfeld, «aber wir haben nichts Besseres», sagte Stadtpräsident Alexander Tschäppät (SP) im «Bund». Erstaunlich bleibt, dass eine naheliegende Lösung – die Wiedereröffnung der beiden Asylzentren – nie zur Debatte stand. Cristina Anliker-Mansour (GB) zum Beispiel hat dafür wenig Verständnis: «Das zeigt: Es fehlt nicht an Alternativen – es fehlt am Willen», sagt sie. Sie könne sich eine Reaktivierung der ehemaligen Zentren als Ersatz für das Hochfeld gut vorstellen.

«Im Frühling entscheidet der Gemeinderat über allfällige Alternativen», sagt Informationschef Walter Langenegger auf Anfrage. Die beiden ehemaligen Asylzentren seien aber keine Option. Langenegger verweist auf die bestehenden Zwischennutzungen mit den Künstlern. Doch auch der bauliche Zustand der Liegenschaften erlaube «kaum» eine Wohnnutzung. «Ein Teil der Baracken an der Bolligenstrasse musste dem neuen Autobahnzubringer weichen», sagt er. Und an der Eymattstrasse habe man im Zuge der Umnutzung die Grossküche herausgerissen.

Notfalls Verträge kündigen

«Die Stadt soll sich jetzt nicht hinter den Kunstschaffenden verstecken», sagt hingegen Anliker. Gegen eine Zwischennutzung der ehemaligen Zentren sei nichts einzuwenden. Man müsse aber auch in Zeiten steigender Gesuchszahlen gerüstet sein, um Flüchtlinge menschenwürdig unterbringen zu können. Gemäss der Stadträtin könne man mit den Kunstschaffenden nach Lösungen suchen und ihnen allenfalls den Vertrag kündigen, um nicht mehr auf die Zivilschutzanlage Hochfeld angewiesen zu sein.

Anliker zeigt sich auch von den Argumenten bezüglich des Zustands der Baracken nicht überzeugt. Gerade die Räume an der Eymattstrasse liessen sich durchaus für eine temporäre Nutzung wieder zweckmässig herrichten, sagt die Stadträtin. «Auch wenn die Baracken nicht optimal sind – besser als der ‹Hochfeld-Bunker› sind sie allemal.»

«Oberirdisch und stadtnah»

Philippe Blanc vom Bleiberecht-Kollektiv steht Anlikers Vorschlag ambivalent gegenüber. «Wir sind grundsätzlich gegen die Unterbringung von Asylsuchenden in Lagern», sagt er. Solche signalisierten, dass es sich bei den Bewohnern um «gefährliche Menschen» handle. Allerdings seien die ehemaligen Zentren an der Bolligen- und an der Eymattstrasse sicher dem Hochfeld vorzuziehen. «Die beiden Hauptanliegen der Asylsuchenden – Stadtnähe sowie oberirdische Unterbringung – wären zumindest gewährleistet», sagt Blanc. (Der Bund)

Erstellt: 07.03.2014, 06:52 Uhr

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