Berns heisser Herbst 1987

Vor 25 Jahren besetzten rund Tausend Jugendliche die dem Abbruch geweihte Berner Reitschule. Es sollte dies der Auftakt zum heissen Herbst von 1987 sein. Eine Chronik.

Seit ihren Anfängen besteht im Umfeld der Reitschule eine Front zwischen Polizei und Aktivisten.

Seit ihren Anfängen besteht im Umfeld der Reitschule eine Front zwischen Polizei und Aktivisten. Bild: Stephan Anderegg

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Sie kamen in der Abenddämmerung. Heute vor 25 Jahren besetzten rund Tausend Jugendliche die seit 1982 verriegelte, dem Abbruch geweihte Berner Reitschule. Unter dem Slogan «Reithalleluja subito!» forderten sie die Wiedereröffnung des Gebäudes als AJZ. Es war die Ouvertüre zum heissesten Herbst der jüngeren Berner Stadtgeschichte.

Vom 24. Oktober 1987 an überstürzten sich die Ereignisse. Eine Chronik.25. Oktober 1987: Am Tag nach dem unbewilligten Fest ziehen 300 Jugendliche durch die Innenstadt. Einige Demonstranten stürmen das Foyer des Stadttheaters, in dem die Besucher von «Anatevka» gerade die Pausengetränke einnehmen. Das Publikum wird mit Farbbeuteln attackiert. Um 17 Uhr löst sich die Demo auf, die Polizei verbarrikadiert und bewacht die Reitschule.

28. Oktober 1987: Der Gemeinderat gestattet der Interessengemeinschaft für Kultur in der Reitschule am 31. Oktober ein weiteres Fest in der Reithalle durchzuführen. Kulturlokale solidarisieren sich mit den AJZ-Befürwortern und beschliessen einen Kulturstreik.

Am 31. Oktober sollen sämtliche Veranstaltungen der beteiligten Bars und Lokale auf dem Vorplatz der Reitschule stattfinden.

31. Oktober 1987: Rund um die Reitschule geht ein Fest mit Tausenden Besuchern, 13 Bands, Filmvorführungen und Kunstperformances über die Bühne. Tags darauf solidarisieren sich die AJZ-Befürworter mit den Bewohnern des Zaffaraya. Diese müssen ihr illegal errichtetes Hüttendorf beim Gaswerkareal bis zum 15. November räumen. Anschliessend wird die Reitschule wieder durch die Polizei verbarrikadiert.

13. November 1987: Spaltung in der Stadtregierung: Die SP-Gemeinderäte Gret Haller und Alfred Neukomm nehmen Abstand von einer gewaltsamen Räumung des Zaffaraya-Geländes. Die bürgerliche Mehrheit verurteilt diesen «Bruch gegen das Kollegialitätsprinzip» scharf. Tags darauf gehen rund 1500 Menschen für Zaffaraya auf die Strasse.

15. November 1987: Das Ultimatum zur Zaffaraya-Räumung läuft ab. Bewohner errichten Barrikaden rund um das Gaswerkareal. Die Polizei hält sich zurück.

17. November 1987: Brennende Barrikaden, schwere Auseinandersetzungen, Dutzende Verletzte – mit rund 200 Grenadieren und unter Einsatz von teils massiver Gewalt räumt die Berner Stadtpolizei an diesem Morgen das Zaffaraya-Gelände. Medienvertreter werden von der Stadtpolizei auf Distanz gehalten. Grosse Teile der Berner Öffentlichkeit sind schockiert. Am Abend findet eine Protestdemonstration mit rund 1000 Teilnehmern statt. Es kommt zu Sachbeschädigungen und Auseinandersetzungen mit der Polizei. In den folgenden Tagen bilden sich immer wieder Protestzüge mit bis zu 3000 Teilnehmern.

20. November 1987: Grossdemonstration mit über 10 000 Teilnehmern. Der Gemeinderat lenkt in der Reitschul-Frage ein: Er stellt der Ikur eine provisorische Nutzung als AJZ in Aussicht.

26. November 1987: Die Zaffaraya-Räumung wird im Stadtrat von linker Seite vehement verurteilt, Bürgerliche loben den Einsatz.

3. Dezember 1987: Rund 1000 Demonstrierende stören den Berner Abendverkauf – in den folgenden Wochen wiederholt sich dies immer wieder. Polizeidirektor Marco Albisetti wird von Demonstranten tätlich angegriffen.

24. Dezember 1987: Die Reitschule wird als AJZ geöffnet – im Pilotbetrieb über die Festtage. Die Zaffaraya-Frage ist hingegen ungelöst.

Quelle: «Bund», Okt. und Nov. 1987 (Der Bund)

Erstellt: 24.10.2012, 09:09 Uhr

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