«Wir sind auch auf Goodwill angewiesen»

Stilvoll, hintergründig und sehr lokal: Am Freitag ist das neue Berner Online-Magazin «Journal B» ans Netz gegangen.

Will die Geschichten hinter den News erzählen: «Journal B»-Chefredaktor Beat Kohler.

Will die Geschichten hinter den News erzählen: «Journal B»-Chefredaktor Beat Kohler. Bild: Manu Friederich

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In Bern werde bald wieder recherchiert, verkündete die Zürcher Wochenzeitung (WOZ) im September 2011. Hinter den Kulissen würden Politiker und Kulturschaffende ein neues Online-Magazin entwickeln. Quasi ein Akt der Bürgerpflicht - Anwalt und Mitgründer Willi Egloff beklagte sich in der WOZ jedenfalls darüber, dass das Niveau von «Bund» und BZ gesunken sei.

Gestern, exakt ein Jahr später, durfte Journalist und Chefredaktor Beat Kohler endlich den Schleier lüften: Um 16 Uhr ging «Journal B», das neue Berner Online-Magazin, ans Netz. Abermals begleitet von selbstbewussten Tönen: «‹Journal B› - sagt, was Bern bewegt», lautet der Slogan. Bitteschön, an ihren Worten wird man sie messen.

Im Gespräch mit Journalisten bemüht sich der in Brienz wohnhafte Kohler aber, den Ball flach zu halten. Er selbst wisse noch nicht, was Bern bewegt. «Unser Claim ist auch als Aufforderung an die Besucher der Webseite zu verstehen: Sagt uns, was Bern bewegt.»

Die «Community» wird gross geschrieben

Kohler will mit «Journal B» die Geschichten abseits oder hinter den News erzählen. Das fünfköpfige Redaktionsteam wird täglich ein bis zwei Beiträge in den Themenfeldern Politik, Kultur und Alltag produzieren. Ergänzt wird dieses Angebot durch Blogs, Gastkolumnen sowie Audio- und Videobeiträge. Nicht zuletzt will «Journal B» mit seinen Lesern eine Beziehung aufbauen - die «Community» wird gross geschrieben.

Die Website erscheint stilvoll, luftig und übersichtlich. Auch inhaltlich unterscheidet sich «Journal B» von den gängigen Plattformen: Der national beachtete Frauenquote-Entscheid des Berner Stadtrates ist der Redaktion gestern keine Silbe wert. Stattdessen beleuchtet die ausführliche Titelgeschichte einen Konflikt zwischen der Leiterin der Waldspielgruppe Chindertroum aus dem Steinhölzliwald und Stadtbauten Bern. Ob es das ist, was Bern bewegt?

Vorbild Radio Rabe

Der Betrieb von «Journal B» ist vorerst bis Ende 2014 gesichert. Dies, weil Roche-Erbin Beatrice Oeri ihre Schatulle für das Online-Magazin geöffnet hat. Anschliessend soll sich das Magazin teils durch Werbung, teils durch Beiträge von 1500 Vereinsmitgliedern finanzieren. Vorbild ist dabei Radio Rabe. Ob dieses Modell aufgeht, ist jedoch ungewiss. Zum einen sind dem Verein erst 150 Personen beigetreten - «Journal B» muss seine Mitgliederzahl innert zweier Jahre verzehnfachen. Zum anderen unterliegen Radio und Internet unterschiedlichen Gesetzen. Beim Rundfunk gibt es eine begrenzte Zahl von Konzessionen und Sendeplätzen. Wer in Bern eine Botschaft über den Äther schicken will, hat keine andere Wahl, als Mitglied beim Alternativradio zu werden. Dieser Anreiz existiert im Internet nicht: Via Facebook, Twitter und Blogs kann heute jeder verbreiten, was er will. Uneingeschränkt und kostenlos. Warum also Mitglied werden bei «Journal B»? «Wir sind auch auf Goodwill angewiesen», sagt Kohler.

Diesen wird sich die Redaktion verdienen müssen. Bei manchen Beobachtern überwiegen noch die Vorbehalte: Der Vereinsvorstand ist überwiegend mit linksgrüner Polit-Prominenz bestückt. Auch der Redaktionsbeirat, das publizistische Gewissen von «Journal B», weist eine auffällige Nähe zur SP auf. Es wird daher spannend sein, zu beobachten, wie die «Journal B»-Redaktion den Spagat zwischen unabhängigem, kritischem Journalismus und ihrer politisch bewegten Trägerschaft bewältigt. (Der Bund)

Erstellt: 21.09.2012, 13:04 Uhr

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