Bern prüft «nette Toilette»

In der Stadt Bern wird eventuell schon bald ein Pilotversuch mit «netten Toiletten» durchgeführt.

Möglicherweise wird es die «netten Toiletten» auch schon bald in der Stadt Bern geben.

Möglicherweise wird es die «netten Toiletten» auch schon bald in der Stadt Bern geben.

(Bild: Valérie Chételat)

Gemeint ist, dass Wirte gegen eine Entschädigung der Stadt ihre Toiletten für Passanten öffnen, auch wenn diese nichts konsumieren.

Bevor Berns Stadtregierung den Pilotversuch durchführt, will sie aber laut einer am Montag veröffentlichten Antwort auf einen Stadtratsvorstoss noch weitere Abklärungen treffen. Und abwarten, welche offizielle Bilanz die Städte Luzern und Thun ziehen, in denen es seit letztem Frühling «nette Toiletten» gibt.

Der Berner Gemeinderat zieht deshalb erst «in Betracht», irgendwann nach Februar 2016 in Bern einen befristeten Pilotversuch durchzuführen. Das schreibt er in der erwähnten Antwort auf das Postulat, mit welchem der Stadtrat genau vor einem Jahr ein Konzept für «nette Toiletten» forderte.

Das Parlament überwies damals einen Vorstoss der BDP/CVP-Fraktion. Sie hatte geschrieben, in Bern seien öffentliche Toiletten, die sich auch fürs «grosse Geschäft» gratis benutzen liessen, «rare Perlen». Speziell Senioren-Organisationen kritisierten diesen Zustand immer wieder. In Deutschland hätten sich die «netten Toiletten» bewährt.

Luzern und Thun zahlen - und sparen

Dass sich der Berner Gemeinderat nun offen zeigt für einen Pilotversuch in Bern, begründet er zweifach: Erstens hat eine Umfrage bei 114 Stadtberner Restaurants der Stadt zwar nur 30 Antworten beschert. Doch immerhin fielen 20 dieser Antworten positiv aus.

Zweitens zieht die Berner Stadtregierung aus einem vorerst befristeten Pilotversuch in Luzern und der unbefristeten Einführung von «netten Toiletten» in Thun ein insgesamt positives Fazit. Die Akzeptanz der «netten Toiletten» sei dort sowohl in der Gastronomieszene als auch in der Bevölkerung vorhanden, schreibt er.

Obwohl in Thun die Stadt den Gastronomiebetrieben 1000 Franken pro Jahr ausrichte, schlage sich das Projekt positiv auf die Stadtfinanzen nieder. Es gebe beispielsweise keine Vandalenakte. Den Grund dafür sehe man in Thun, dass die Benutzer von Restaurant-WC mehr Respekt vor den Einrichtungen aufwendeten als wenn sie ihr Geschäft in öffentlichen Toiletten verrichteten.

Während in Thun siebzehn Beizer ihre Toiletten Passanten öffnen, machen beim Pilotversuch in Luzern dreizehn Wirte mit. Auch die Stadt Luzern kann nach Stadtberner Angaben Kosten sparen, da es billiger ist, den Wirten Abgeltungen auszurichten als öffentliche WC-Anlagen aufzustellen und zu betreiben.

Allerdings heisst es im Bericht des Berner Gemeinderats auch, aus Sicht der Stadt Luzern müsse die «nette Toilette» als Zusatz- respektive Alternativlösung angesehen werden. Das Problem der «Wildpinklerei» etwa werde dadurch nicht gelöst.

Der Stadt Luzern sind nach Angaben der Stadt Bern aber bisher keine negativen Rückmeldungen zum Konzept der «netten Toiletten» zu Ohren gekommen - weder von den Wirten noch von Gästen. Luzern zahlt den Wirten pro Jahr 1200 bis 1800 Franken pro Jahr.

Kein Spareffekt in Bern

Geht es nach dem Willen der Berner Stadtregierung, bewilligt der Berner Stadtrat nun in einer der nächsten Sitzungen eine Fristverlängerung des BDP/CVP-Postulats bis Ende Februar 2016. Fallen die erwähnten Abklärungen mit «geeigneten Partnern» positiv aus, würde der Gemeinderat zusammen mit den interessierten Wirten einen vorerst auf ein Jahr befristeten Pilotversuch durchführen.

Schon jetzt klar scheint dem Berner Gemeinderat, dass die Abgeltungen an Wirte das Stadtberner Budget belasten würde. Der Stadtrat fordert, dass die Abgeltung die Kasse nicht oder jedenfalls «nicht signifikant» belastet.

Ein Fragezeichen hinter den Nutzen der «netten Toilette» in Bern stellt der Berner Gemeinderat noch, weil sich alle interessierten 20 Betriebe örtlich auf einen engen Raum konzentrieren: Die meisten befinden sich in der Berner Altstadt.

Jedenfalls will er alternativ zur Einführung von «netten Toiletten» auch die Installation von fixen öffentlichen WC-Anlagen an stark frequentierten Plätzen prüfen.

agr/sda

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