Beizen-Frühling beim Bärengraben

Jahrelang profitierte das Tramdepot von einem gastronomischen Quasi-Monopol beim Bärenpark. Nach dem Markenmuseum will nun auch die Mahogany Hall bald Sonnenhungrige auf der Terrasse bewirten.

Auf dieser Terasse soll künftig gewirtet werden: Andreas Rupp vom Verein Mahogany Hall am Klösterlistutz.

Auf dieser Terasse soll künftig gewirtet werden: Andreas Rupp vom Verein Mahogany Hall am Klösterlistutz. Bild: Adrian Moser

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An schönen Tagen herrscht auf der Pano­ramaterrasse des Alten Tramdepots oftmals ein Gerangel um die letzten Sitzplätze – das Lokal verfügt seit Jahren über ein gastronomisches Quasi-Monopol beim Bärenpark. Umso mehr, als das Klösterli-Weincafé denselben Betreibern gehört. Die Tramdepot-Vormachtstellung könnte aber ins Wanken geraten.

Vergangene Woche hat der «Bund» publik gemacht, dass die Initianten des «Swiss Brand Museum» auf dem Vorplatz des Bärengrabens ein Café mit 50 Aussensitzplätzen eröffnen wollen. Nun verkündet bereits der nächste Gastrobetrieb ähnliche Pläne: Der älteste Musikclub der Stadt, die Mahogany Hall am Klösterlistutz, will auf der dazugehörigen Aussichtsterrasse unweit des Bärenparkgeheges fortan Gäste bewirten.

Dies geht aus einer am Mittwoch veröffentlichten Baupublikation hervor. Die Lage scheint optimal: Direkt vor der Terrasse führt der bei Touristen wie Einheimischen beliebte Aare-Wanderweg vorbei.

Konzerte haben Vorrang

Die Mahogany Hall ist seit 1968 Besuchern von Konzerten oder privaten Anlässen vorbehalten und nur abends geöffnet. Das Beizli auf der Terrasse möchte Andreas Rupp, Präsident des Vereins Mahogany Hall, vorerst nur an Sommerwochenenden öffnen. Wobei die Tradition des Musikclubs erhalten bleiben soll: «Konzerte wie auch Privatanlässe haben auch in Zukunft Vorrang.»

Rupp will auf der Terrasse vorerst lediglich Getränke und Snacks anbieten. Die Zurückhaltung kommt nicht von ungefähr: Bereits vor vier Jahren hatte Rupp ein Gesuch für eine Aussenbestuhlung bei der Stadt eingereicht – ohne Erfolg.

Tauziehen beim Bärengraben

Nicht als Spielverderber auftreten wollen die Betreiber des Alten Tramdepots, die von Rupp über die Pläne informiert worden sind. Offenbar scheint sein Vorhaben dort für wenig Kopfzerbrechen zu sorgen. «Unsere grosse Stammkundschaft wird uns erhalten bleiben», sagt Thomas Baumann, Medienverantwortlicher des Alten Tramdepots. Ein weiterer Anbieter könne zwar Einfluss auf die Gästezahl des Tramdepots haben. Dennoch habe er von der Mahogany Hall als neuem Konkurrenten «keine Angst».

Weniger gelassen zeigte sich Baumann vergangene Woche, als ihm die Café-Pläne der Markenmuseum-Initianten zu Ohren kamen: «Wir wurden über eine gelegentliche Bewirtung über die Gasse informiert, doch von Aussensitzplätzen in dieser Dimension war nie die Rede», so Baumann damals. Einsprache gegen die Pläne des Jungunternehmers Christian Herren hat das Tramdepot aber nicht gemacht. «Das überlassen wir den Behörden.»

Zuversichtlich zeigt sich der Initiant des neuen Cafés des Markenmuseums, das Ende April in den Räumen des früheren Zollhauses bei der Nydeggbrücke seine Tore öffnet. Das Ziel sei, den «kargen Ort beim Bärenpark zu beleben». In seinem «Schönwetterbetrieb» sollen Gäste bis Mitternacht bewirtet werden.

Rupp von der Mahogany Hall sieht sich darum nicht als direkten Gegenspieler der beiden Betriebe: «Unser Fokus liegt weiterhin auf der Musik.»

Aussicht allein reicht nicht

Tierpark-Direktor Bernd Schildger begrüsst den «Beizen-Frühling» rund um den Bärenpark. Insbesondere das Swiss Brand Museum samt Gastrobetrieb im Alten Zollhaus sei eine «klasse Idee». Bisher habe es zu wenig Restaurants und zu wenig Toiletten gegeben. Zwar sei es «theoretisch denkbar», dass künftig noch mehr Biergläser und Aschenbecher im Gehege des Bärenparks aufgefunden würden. «Das ist aber kein dramatisches Problem.» Falls es zu einem Überangebot an Gastrobetrieben kommen sollte, «wird der Markt die Situation bereinigen», glaubt Schildger.

Beizer-Verband ist erfreut

Beim Branchenverband Gastro Stadt Bern ist man erfreut über den Beizen-Boom beim Bärengraben. «Wir begrüssen es immer, wenn in der Stadt Bern ein neues gastronomisches Angebot entsteht», sagt Gastro-Präsident Hans Traffelet. Konkurrenz belebe den Markt. Wichtig sei, dass alle «gleich lange Spiesse» hätten und ein «fairer Wettbewerb» bestehe, bei dem «paragastronomische Angebote» vermieden würden.

Das Geheimnis zum Erfolg sieht Traffelet in der «Profilierung durch das gastronomische Angebot». Eine «schöne Aussicht allein» bringe noch keinen Erfolg. Der Gastro-Präsident vertraut auf die langjährige Erfahrung der Mahogany Hall-Verantwortlichen: «Ich bin zuversichtlich, dass sie mit der Terrasse Erfolg haben werden.» Ob die beiden Cafés ihre Terrassen übrigens tatsächlich öffnen können, ist noch offen: Die Einsprachefrist läuft bis am 9. respektive 30. März. (Der Bund)

Erstellt: 19.02.2015, 07:03 Uhr

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