Bauprojekt Centralweg soll «zurück an den Absender»

Eine Koalition von Gewerbetreibenden und Anwohnern aus der Lorraine hat am Donnerstag gegen den geplanten Neubau am Centralweg protestiert.

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Dass die Wohnungen im geplanten Neubau am Centralweg zu Marktpreisen vermietet werden sollen, stösst im Quartier auf Ablehnung. So werde das ortsübliche Mietzinsniveau noch stärker angehoben, lautet die Befürchtung.

Für den Donnerstagabend hat eine Koalition aus Gewerbetreibenden und Interessengemeinschaften aus der Lorraine zum Zweistationen-Protest aufgerufen: Nach der Besammlung auf der Baubrache am Centralweg verschafften sich die Organisatoren und Sympathisanten auch vor dem Rathaus Gehör. Der Stadtrat befand das Bauprojekt für zu teuer, um es zu subventionieren.

«Stupf» für den Stadtrat

Ungefähr siebzig Leute sind um 18 Uhr vor Ort, um ihren Unmut in die Stadt zu tragen. Es sind junge wie alte Quartierbewohner dem Ruf gefolgt. «Mit dem Entwurf für den Bau ist niemand wirklich glücklich, von links bis rechts schien niemand Feuer und Flamme zu sein», sagt Paul Wyss, ein Anwohner, der den Protest unterstützt.

«Wahrscheinlich brauchen die Stadträte bloss noch einen kleinen ‹Stupf›, damit sie den Gemeinderat noch einmal über die Bücher schicken.» Damit unterstützt er die Stossrichtung des Protestkomitees: Das Bauprojekt müsse «zurück an den Absender», hiess es im Vorfeld in einer Mitteilung.

Wyss sieht die Entwicklung am Centralweg als symptomatisch für das Quartier an. «Die Lorraine wird teuer: Es wird teuer saniert und teuer vermietet.» Doch beim Centralweg hofft er, ein Zeichen setzen zu können: «Auf den privaten Markt können wir keinen Einfluss nehmen, doch bei der öffentlichen Hand wollen wir ihn geltend machen», sagt er.

«Dieses Land sollte nicht brachliegen»

Martin Bauer ist als Sympathisant, nicht als Anwohner anwesend. Er half 2011, die Nutzung der Brache als öffentlichen Pflanzplatz zu organisieren. Bauer sieht den Ursprung des Problems bereits in den Begrifflichkeiten verwurzelt: «‹Günstiger Wohnraum› ist viel zu schwammig formuliert – das schafft keine Verbindlichkeiten», bemängelt er. Nicht alle der Anwesenden haben ihre Meinung zum Projekt bereits gemacht. Richard Braun ist Wohnungseigentümer und findet vor allem das «Tohuwabohu» schade. «Dieses Land sollte nicht brachliegen», sagt er.

Unterstützt wird der Protest von 44 Quartierinstitutionen, darunter so alteingesessenen und namhaften wie der Sinwel Buchhandlung, dem Q-Hof oder der Brasserie Lorraine.

Lauter Protest vor dem Stadthaus

An der zweiten Station des Protestes, vor dem Rathaus, heisst es erstmal warten. Etwas verspätet kommen die Stadträte dann aber doch noch in die Pause. Empfangen werden sie von einer durchmischten, aber vornehmlich junger Gruppe von Leuten, lauter Musik und Protestrufen. Dazu bekommen sie Flyer in die Hand gedruckt.

«Heute haben wir uns vor dem Rathaus versammelt. Aber wer weiss, was den Lorraine-Bewohnern sonst noch alles in den Sinn kommt», warnt eine Frau die Stadträte mit einem Schmunzeln.

Einer der zwischen den Musikstücken das Mikrofon in die Hand nimmt, ist David Böhner, er gehört zu den Initianten des Protestes. Politische Schritte wie etwa eine Petition seien im Moment noch nicht geplant, sagt er gegenüber DerBund.ch/Newsnet. «Aber wir werden wach bleiben.» Böhner zeigt sich zufrieden mit dem Aufmarsch vor dem Rathaus. Es bestärke ihn in der Überzeugung, dass das Quartier dieses Projekt ablehne. «Unsere Botschaft ist angekommen.» (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 06.06.2013, 18:54 Uhr

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