Baufirmen wollen mehr Geld für Wankdorfplatz

Zum neuen Wankdorfplatz in Bern liegt noch keine Schlussabrechnung vor. Die Frage ist, ob die Kredite von 100 Millionen Franken ausreichen.

Der unterirdische Kreisel am Wankdorfplatz wurde nicht gratis erstellt – wieviel er indes genau gekostet hat, ist unklar.

Der unterirdische Kreisel am Wankdorfplatz wurde nicht gratis erstellt – wieviel er indes genau gekostet hat, ist unklar.

(Bild: Adrian Moser)

Simon Wälti

Im Dezember 2012 wurden die Bauarbeiten am neuen Wankdorfplatz in Bern abgeschlossen. Seither sind zweieinhalb Jahre vergangen, doch es ist immer noch nicht bekannt, wie viel der Platz wirklich gekostet hat. Die Arbeitsgemeinschaft der Baufirmen, die den Platz mit dem unterirdischen Kreisel erstellten, hat gemäss der Implenia AG Nachforderungen eingereicht. Die Arbeitsgemeinschaft besteht aus den Unternehmungen Implenia AG, Marti AG und Frutiger AG.

Bereits seit 2011 hat die Oberaufsichtskommission OAK des Grossen Rates das Geschäft begleitet. Die Oberaufsicht erfolge zwar grundsätzlich nachträglich, schreibt die Geschäftsprüfungskommission (GPK), welche seit Juni 2014 die Aufgaben der OAK übernommen hat, in ihrem jüngsten Bericht, aber: «Bei komplexen, mit grossen Risiken behafteten oder lange dauernden Geschäften kann auch eine begleitende Oberaufsicht angezeigt sein.»

Peter Siegenthaler (SP), Präsident der Geschäftsprüfungskommission, sagt dazu: «Es liegt noch immer keine Schlussabrechnung vor.» Zuletzt liess sich die GPK Ende Februar 2015 über den Stand informieren, namentlich wollte sie Auskunft erhalten über die Höhe der Forderungen. Doch die Neuigkeiten waren spärlich: Die Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion BVE des Kantons konnte oder wollte weder die Höhe der möglichen Zusatzkosten noch den vermutlichen Zeitpunkt der Abrechnung benennen. Die GPK will sich über den Stand weiter auf dem Laufenden halten lassen.

«Verschiedenste Bereiche»

«Die Nachforderungen sind eingereicht worden», sagt Kantonsoberingenieur Stefan Studer auf Anfrage. «Die Verhandlungen sind im Gang.» Die Nachforderungen der Arbeitsgemeinschaft beträfen «verschiedenste Bereiche» des Projekts und hätten «verschiedenste Auslöser». Die Baufirmen argumentieren, der Bau habe sich anders entwickelt, als man habe voraussehen können. Die konkreten Gründe will Studer nicht nennen. Auch die Summe der Forderungen hält der Kanton unter Verschluss. «Nach heutigem Kenntnisstand gehen wir aber davon aus, dass der bewilligte Kreditrahmen ausreicht», erklärt Studer. Sollten sich Kanton und Baufirmen nicht einigen können, so werden die Differenzen mit der Schlichtungsstelle beraten.

Die Baufirma Implenia erklärt, es sei «aufgrund der geologischen Situation» zu Mehrkosten gekommen. Implenia nennt «Materialzusammensetzung und Grundwassermengen», die im Bereich der «Wasserhaltung und der Baugrubenabschlüsse» einen höheren Aufwand ausgelöst hätten. Zu den Beträgen äussert sich die Firma ebenfalls nicht.

Auf der Preisbasis von Dezember 2005 sollten sich die Gesamtkosten für den Platz auf 100,4 Millionen Franken belaufen, wovon 47,4 Millionen Franken auf den Kanton entfallen. Ende 2011 wurden bereits Zusatzkosten von 1,4 Millionen Franken für die Strassenüberführung über die SBB-Gleise an der Papiermühlestrasse notwendig. Rund 900'000 Franken davon gingen zulasten des Kantons. Nicht vorhersehbare geologische Schwierigkeiten hätten zu unumgänglichen Mehrleistungen geführt, hiess es. Der Zusatzkredit ist im Betrag von 100,4 Millionen Franken enthalten. Hinzu kommt die Teuerung, die im fraglichen Zeitraum geschätzte 6 bis 8 Prozent betrug, was also 6 bis 8 Millionen Franken ausmachen würde. Mehrkosten durch die Teuerung sind mit dem Kreditbeschluss bereits bewilligt worden.

Der Bund

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