Bahnhof Bern: Nun hängt alles am Bund

Der Ausbau des Berner Hauptbahnhofs kann nur realisiert werden, falls der Bund ihn mitfinanziert.

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Simon Thönen@SimonThoenen

Es war der letzte grosse Entscheid in der Planung für den Ausbau des Berner Hauptbahnhofs: Nachdem die SBB vor anderthalb Jahren auf einen eigenen neuen Tiefbahnhof verzichtet hatte, blieb die Frage offen, ob der Regionalverkehr Bern-Solothurn (RBS) noch einen solchen braucht oder ob er seinen bisherigen – ebenfalls unterirdischen – Bahnhof ausbauen kann.

Der RBS und die Behördendelegation für die Zukunft des Bahnhofs Bern geben nun einem neuen RBS-Tiefbahnhof den Vorzug, wie sie gestern an einer Medienkonferenz bekannt gaben. Der Variantenvergleich hat ergeben, dass ein neuer RBS-Bahnhof unter den SBB-Gleisen mit 522 Millionen Franken ein bisschen weniger kostet als ein Ausbau des heutigen RBS-Bahnhofs. Der Nutzen eines Neubaus sei zudem klar als grösser einzustufen.

RBS-Projekt kräftig abgespeckt

Der Variantenvergleich fiel allerdings nur deshalb zugunsten eines neuen RBS-Tiefbahnhofs aus, weil das entsprechende Projekt zurückgestutzt worden ist. 2008 rechnete man noch mit Kosten von 780 Millionen. Ein Gutachten von ETH-Professor Ulrich Weidmann kritisierte damals, die hohen Kosten stünden in einem Missverhältnis zum Nutzen des Projekts. Dieses Gutachten sowie Kritik von anderer Seite zwangen die Verantwortlichen, das gesamte Ausbauprojekt zu überdenken und neu aufzugleisen.

Der Preis für die Senkung der Kosten war allerdings, dass auch der Nutzen für den RBS tiefer ausfallen wird. So wird der RBS seine Züge im nun geplanten neuen Tiefbahnhof nicht wenden können. Im jetzigen Planungsstand ist dieser zudem ein reiner Kopfbahnhof – ohne Weiterverbindung nach Westen oder Süden. Bereits wird deshalb vonseiten der Stadt laut darüber nachgedacht, ob man die RBS-Linie später vielleicht doch zum Beispiel bis ins Inselspital verlängern könnte (siehe Text unten).

«Herausforderung» Finanzierung

Vorderhand sind dies allerdings Träume. Denn bereits die Finanzierung des abgespeckten Ausbauprojekts «ist eine Herausforderung», wie die kantonale Baudirektorin Barbara Egger (SP) gestern betonte. In der ersten Ausbauphase ab 2016 fallen neben den Kosten für den neuen RBS-Tiefbahnhof von 522 Millionen Franken auch die 366 Millionen für die neue Westpassage im SBB-Bahnhof an. In der zweiten Phase ab 2025 wird die SBB ihren Bahnhof seitlich erweitern und auf der Höhe ihrer heutigen Perrons vier neue Gleise unter dem Schanzenhügel bauen. Auf eine Verbreiterung des Lorraineviadukts, der Zufahrt von Osten, will die SBB auf absehbare Zeit verzichten.

Bundesgeld ist entscheidend

Für die erste Phase des Ausbaus des Hauptbahnhofs – Westpassage und RBS-Tiefbahnhof – werde sie beim Regierungsrat und beim Grossen Rat 300 Millionen Franken beantragen, sagte Egger. Trotz der angespannten Lage der Kantonsfinanzen «wäre es äusserst falsch», bei den Investitionen «die Zügel schleifen zu lassen», warnte sie.

Bereits heute sei der Bahnhof Bern mit bis zu 260 000 Passagieren der zweitgrösste Bahnknoten der Schweiz nach Zürich. Bis 2030 rechne man mit 375 000 Passagieren, die in Bern aus- oder einsteigen. «Ohne Erweiterung des Bahnhofs würde das Gedränge unerträglich und wohl auch gefährlich. Wir wissen ebenfalls, dass blockierte Infrastrukturen die Wirtschaft abwürgen. Das können und wollen wir uns im Kanton Bern nicht leisten.»

Das Argument, dass der schrittweise Ausbau des Hauptbahnhofs nicht nur dem Kanton Bern, sondern auch der Schweiz nützt, wird Egger wohl noch oft vorbringen müssen. Denn ohne Mithilfe des Bundes lässt sich der Ausbau nicht finanzieren. Die Umweltorganisation VCS forderte gestern zwar, dass der Kanton Bern prüfen solle, ob er den Ausbau vorfinanzieren könne, so wie das der Kanton Zürich bei seinem Bahnhofsprojekt getan hat. Bern könne sich dies aber nicht leisten, sagte Egger.

Sie sei allerdings zuversichtlich, dass der Bund den Ausbau über seinen Infrastrukturfonds mitfinanziere. Schliesslich unterstütze er auch die Zürcher S-Bahn. «Ich denke, dass der zweitgrösste Bahnknoten im Land ebenfalls nationale Solidarität verdient.»

Der Bund

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