Ausgeschriebene Wohnungen sind in Bern teuer

Wohnungen mit vier und mehr Zimmern sind auf dem Stadtberner Markt untervertreten. Wer eine solche in der Zeitung findet, bezahlt einen erhöhten Mietzins.

1- und 2-Zimmer-Wohnungen sind auf dem Stadtberner Markt deutlich übervertreten.

1- und 2-Zimmer-Wohnungen sind auf dem Stadtberner Markt deutlich übervertreten. Bild: Valérie Chételat

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Für Familien mit Kindern, die eine Wohnung mit vier oder mehr Zimmern suchen, ist die Stadt Bern ein hartes Pflaster. Wer nicht über Beziehungen verfügt und ein Appartement unter der Hand zum Preis einer Durchschnittsmiete ergattert, kann bei der Lektüre der Wohnungsinserate böse Überraschungen erleben. Die bisher bloss gefühlten Zustände sind nun amtlich erhärtet: Gemäss Mietpreiserhebung kostete 2010 eine 4-Zimmer-Wohnung in der Länggasse 1648 Franken im Monat. Die Mieten der 4-Zimmer-Wohnungen, die 2010 im Stadtteil Länggasse-Felsenau ausgeschrieben waren, kosteten durchschnittlich jedoch 2057 Franken netto im Monat.

Die Angebotsmiete lag demnach um annähernd ein Viertel über der sogenannten Bestandesmiete, das heisst der Miete der belegten Wohnungen. «Über die ganze Stadt hinweg zeigt sich: Je grösser die Wohnung ist, desto grösser ist der Unterschied zwischen Bestandes- und Angebotsmiete», heisst es in einer Mitteilung der Stadt. Eine 5-Zimmer-Wohnung, die 2010 auf dem Markt war, kostete im Schnitt gar 1,32-mal so viel wie eine vermietete 5-Zimmer-Wohnung.

1- und 2-Zimmer-Wohnungen deutlich übervertreten

Diese Zahlen stammen aus dem Bericht «Wohnungsmarktbeobachtung. Der Berner Wohnungsmarkt 2010», den die Stadt erstmals erheben liess. Dazu wurden alle Wohnungsinserate zwischen Januar 2010 und Mai 2011 ausgewertet und mit den Daten der an den Bestandesmieten orientierten Mietpreiserhebung verglichen. Aus dem Bericht geht auch hervor, dass die Mieten der angebotenen Wohnungen in der Innenstadt am höchsten und in Bern-West am tiefsten sind.

Am häufigsten wurden auf dem Markt 3-Zimmer-Wohnungen angeboten, deutlich übervertreten sind hingegen die 1- und 2-Zimmer-Wohnungen. Der Mieterverband vermutet als Ursache der erhöhten Angebotsmieten massive Zinserhöhungen bei Mieterwechseln. Er fordert den Kanton in einer Mitteilung dazu auf, bei Mieterwechseln ein amtliches Formular für obligatorisch zu erklären, auf dem die Vermieter auch den Anfangszins deklarieren müssten.

«Nicht nur für Reiche»

Regula Buchmüller, Leiterin der Abteilung Stadtentwicklung, möchte sich zur Forderung des Mieterverbandes nicht äussern. Sie weist darauf hin, dass der Wohnungsbau für den Gemeinderat nach wie vor Priorität habe. Obwohl dabei grosses Gewicht auf qualitätssichernde Verfahren gelegt werde, soll es in der Stadt Bern aber «nicht nur Wohnungen für Reiche» geben. So würden etwa bei den geplanten Überbauungen Mutachstrasse und Stöckacker Abklärungen für einen Niedrigstandardausbau vorgenommen, sagt Buchmüller. (Der Bund)

Erstellt: 02.02.2012, 08:58 Uhr

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