Aus der Markthalle wird eine Konzernfiliale

Im heutigen Gastrotempel Markthalle wird ein einziger Mieter einziehen, der auf 1850 Quadratmetern seine Ware anbietet.

  • loading indicator
Bernhard Ott@Ott_Bernhard

Wo heute noch Gastrobetriebe um Kundschaft werben, wird ab Juni 2014 eine einziges grosses Ladenlokal entstehen. Gemäss Baugesuch will die Markthalle Cityhof Bern AG den Gastrotempel für 3,58 Millionen Franken umbauen. Die Bars und Restaurants werden rückgebaut und die Raumtrennelemente zwischen den Lokalen beseitigt. Mit der grosszügigen Raumaufteilung im hinteren Bereich ist es ebenfalls vorbei: Die bestehende Deckenöffnung zwischen Erdgeschoss und Untergeschoss wird nämlich geschlossen.

Wer dereinst seine Ware auf den insgesamt 1850 Quadratmetern Verkaufsfläche feilbietet, kann René Huber von der Liegenschaftsverwaltung Huber und Ploerer nicht sagen. Mit den neuen Mietern sei ein Stillschweigeabkommen vereinbart worden. «Wenn ich den Namen nennen würde, müsste ich eine Konventionalstrafe bezahlen», sagt Huber.

Neubezug erst 2014 möglich

Der Beginn der Bauarbeiten ist für Juni 2013 vorgesehen. Mit denjenigen Mietern, deren Verträge erst im Herbst 2013 auslaufen, habe man sich geeinigt. Entschädigungen seien aber keine bezahlt worden. «Wir wollten den Mietern Gelegenheit geben, noch vor dem frequenzarmen Sommer gehen zu können.»

Der neue Mieter werde erst 2014 einziehen können. «Mit dem Weihnachtsgeschäft 2013 wird es noch nichts.» Die im Frühling hochgekochte politische Debatte um die Zukunft der Markthalle habe keine Auswirkungen gehabt. «Die Reaktion der Politik hat letztlich nichts gebracht.» Die Stadt hatte es aus «ordnungspolitischen Gründen» abgelehnt, die Markthalle zu erwerben.

«Rentiert hat es nie»

Für Huber ist klar, dass mit der Markthalle «etwas gehen musste». Die Markthalle Cityhof AG habe Millionen in Bau und Unterhalt der Liegenschaft gesteckt. Rentiert habe das Ganze jedoch nie. «Es gab höchstens mal eine schwarze Null.» Die Nutzung durch mehrere Gastrobetriebe sei an dieser Lage wenig lukrativ. «Für die Markthalle ist diese Lage zu teuer.» Eine Erhöhung der Mieten zur Steigerung der Ertragslage sei nicht möglich gewesen. «Die Mieter hätten das kaum verkraftet.»

Die bisherigen Mieter sind zurzeit auf der Suche nach neuen Räumlichkeiten. Huber selber ist am Wok-Town und der Toscabar beteiligt. «Wir haben bisher noch keine neuen Lokalitäten gefunden», sagt der Immobilienfachmann. Noch unklar ist auch, wo der Ängelibeck und das Gourmetrestaurant Mille Sens hingehen werden. Urs Messerli vom Mille Sens sieht immerhin einen «Lichtstreifen am Horizont». Er sei in Verhandlungen über eine «zentrumsnahe Lokalität».

Auch Saturn hat kein Interesse

Beim Nachmieter wird es sich sicher nicht um die Warenhäuser Loeb oder Manor handeln. Loeb hat entsprechende Ambitionen dementiert, und Huber selber hat bereits früher den Einzug von Manor ausgeschlossen. Kein Thema ist der Standort Bern für den Elektronik-Fachmarktkette Saturn. «Wir planen zurzeit keine neuen Marktstandorte», sagt eine Konzernsprecherin auf Anfrage.

Der Bund

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt